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Veröffentlicht: 10.09.2010, 14:35 Uhr

Im Gespräch: Aysin Ipekçi Wann ziehen Sie denn ganz in Ihr Büro, Frau Ipekçi?

Eine Dachgeschosswohnung in einem Gründerzeithaus in Köln-Klettenberg. Aysin Ipekçi serviert selbstgebackenes Börek und türkischen Tee auf dem kleinen Balkon, der nach Südwesten geht, mit Blick auf eine mächtige Kastanie. Später zeigt sie ihr Büro, das in einer ehemaligen Textilfärberei in Bickendorf eingerichtet ist.

Von Andreas Rossmann

FRAGE: Frau Ipekçi, Sie haben ja nicht mal ein Bücherregal in Ihrem Wohnzimmer!

Nein (lacht), aber Bücher habe ich schon. ANTWORT: Zwei Stapel auf dem Boden und einen dritten mit Zeitschriften. Das Regal steht im Büro, und da nehme mir immer die Bücher heraus, die ich gerade lese. Die bringe ich dann her oder nehme sie mit nach Wuppertal, wo ich unterrichte. Ich wohne inzwischen ja fast mehr im Büro.

FRAGE: Und was ist in dem Umzugskarton?

ANTWORT: Ach so, auch voller Bücher, die ganze Belletristik.

FRAGE: Im Sideboard haben Sie CDs, DVDs und Zeitschriften. Und oben drauf jede Menge Nippes. Finden Sie den schön?

ANTWORT: Ja, Tinnef. Hab ich alles geschenkt bekommen von Freunden: Fotos, Glücksbringer, ein Speckstein, ein Knickeelefant. Vieles, was ich mir nie im Leben kaufen würde, weil ich es wahnsinnig hässlich finde.

FRAGE: Aber die Vase ist apart.

ANTWORT: Die hat Helena Jongerius für Ikea entworfen, und die beiden Ty-Nant-Flaschen sind von Ross Lovegrove, die Etiketten habe ich abgemacht.

FRAGE: Der emotionale Gehalt ist Ihnen wichtiger als die Form?

ANTWORT: Kann man so sagen, und sicher ist das ganz untypisch für eine Architektin. Diese Präsenz von Gegenständen ist mir wichtig, sie bedeuten mir viel.

FRAGE: Im Schlafzimmer verschwindet bis auf das Bett alles hinter Vorhängen.

ANTWORT: Meine Kleider habe ich weggeschlossen, aber sobald ich den Vorhang aufziehe, sind sie da. Ich kann, wenn ich will, meine Wohnung komplett ruhig halten, dann wird alles zugezogen und zugehängt, damit auch ich zur Ruhe komme. Oder ich kann mir eben Dinge, die ich gerne habe, herausholen.

FRAGE: Haben Sie das aus Japan mitgebracht?

ANTWORT: Ja, die Zeit dort hat mir beigebracht, wie man sich im Raum organisiert. Mein Zimmer in Tokio hatte die Größe von zwölf Tatami-Matten, das sind fast zwanzig Quadratmeter. Das Bett habe ich aus dem Einbauschrank gezogen und morgens wieder weggepackt. Dann war mein Zimmer leer bis auf einen Tisch. Integrieren und inszenieren: Eine Schmucknische, "tokonoma", hatte ich auch.

FRAGE: Fernseher haben Sie auch keinen?

ANTWORT: Nein. Viele definieren Wohnen als Ort des Rückzugs, wo der Fernseher den Kamin ersetzt. Ich habe vor allem eine gut ausgestattete Küche, denn ich koche wahnsinnig gern.

FRAGE: Was ist das für ein Boden in Ihrer Küche, Linoleum?

ANTWORT: So was Ähnliches, Kautschuk.

FRAGE: Eierfarbenweiß, glatt und sicher sehr empfindlich.

ANTWORT: Ja, viel zu putzen. Bei Sonnenschein verwandelt sich der Boden in eine Lichtquelle.

FRAGE: Gediegenes Eichenparkett, weiße Wände. Aber Sie haben kein einziges Bild aufgehängt?

ANTWORT: Ich kann mich einfach nicht festlegen. In einem Monat hätte ich das Bild dann lieber an einer anderen Stelle. Deswegen stehen die Bilder auf dem Sideboard oder auf dem Boden.

FRAGE: Einige der Möbel sind selbst gebaut?

ANTWORT: Das Bett habe ich selbst konstruiert, auch das Sideboard und den Tisch in der Küche. Die Stühle sind vom Trödel, der Sessel ist ein Geschenk meiner Mutter, und das Sofa . . .

FRAGE: . . . ist von Ikea.

ANTWORT: Ja. Viele, die hierherkommen, fragen mich: "Und wann richtest du dich endgültig ein?" Auch so etwas, was mir als Architektin zugeordnet wird. Ich frag mich dann: "Bist du vielleicht doch mehr Nomade, als du denkst?" Meine Eltern haben ihre Heimat verlassen, und meine Großeltern waren auch schon Migranten, allerdings innerhalb der Türkei. Das wurde mir vorgelebt.

FRAGE: Wenn Sie inzwischen fast mehr im Büro wohnen, heißt das auch, dass Wohnen und Arbeiten ineinander übergehen. Können Sie, weil Sie so viel zu tun haben, oder möchten sie beides nicht mehr trennen?

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