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Hürdensprint Der Sturz des Herrn Liu

 ·  Peking sollten seine Spiele werden - sie wurden sein persönliches Drama. Nach London kam Hürdensprinter Liu Xiang in der Hoffnung auf ein glanzvolles Comeback. Doch der Chinese stürzt an der ersten Hürde.

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© REUTERS Das V steht nicht für Victory: Das Rennen geht ohne Liu weiter

Nach 13,72 Metern waren für Chinas Hürden-Superstar Liu Xiang die Olympischen Spiele in London zu Ende. Es war ein Bild des Jammers: Kaum aus dem Startblock geschnellt, prallte der frühere Weltrekordler am Dienstag im sechsten Vorlauf frontal gegen die erste Hürde, stürzte und kauerte verzweifelt am Boden. Im Rollstuhl verließ er schließlich den Ort des abermaligen Dramas.

Damit ist der 29-Jährige aus Schanghai zu einem der großen Pechvögel in der olympischen Geschichte geworden. „Er ist gestürzt, aber er ist wieder aufgestanden. Das ist der wahre Sportsgeist bei Olympischen Spielen“, sagte der chinesische Leichtathletik-Cheftrainer Feng Shu Yong. Eine genaue Diagnose der Verletzung von Liu gebe es noch nicht, aber seine chronisch lädierte Achillessehne könnte gerissen sein.

„Für ihn ist die Saison möglicherweise zu Ende“, so Feng. Er fügte an: „Wegen der Achillessehnenprobleme hatte er keine Kraft abzuspringen. Liu habe große Wettkämpfe vor Olympia gemacht. „Diesen Druck hält nicht jeder aus. Er ist und bleibt der Beste“, meinte der Chefcoach. „Es war fürchterlich und ist tragisch, dass es Liu passiert ist, gerade ihm, einem der besten Hürdensprinter, die es jemals gab“, kommentierte der Amerikaner Aries Merrit. „Ich denke nicht, dass irgendetwas nicht richtig war vor dem Rennen. Er sah okay aus.“

Nach seinem Sturz im Olympiastadion von London vor 80.000 Zuschauern humpelte Liu auf einem Bein neben der Laufbahn ins Ziel und wurde gestützt von Vorlauf-Konkurrenten ins Stadioninnere geführt. Von dort wurde er mit einem Rollstuhl zur Behandlung gefahren - ohne ein Wort zu sagen. Anteil nahm auch Sprint-Olympiasieger Usain Bolt an seinem Missgeschick und Schicksal. „Es ist sehr schwer für ihn. Er ist einer der Besten“, sagte der schnellste Mann der Welt aus Jamaika. „Es ist sehr traurig.“

Liu erlebte schon bei den olympischen Heimspielen 2008 in Peking eine der bittersten Stunden seiner Karriere. Nach einem nicht von ihm verursachten Fehlstart im Vorlauf musste er wegen einer Achillessehnenverletzung zum Entsetzen einer ganzen Nation aufgeben. Liu genießt im Reich der Mitte eine ähnliche Popularität wie einst der Basketball-Spieler Yao Ming.

Schon vor seinem Auftritt in London hatte sein Trainer Sun Haiping angedeutet, dass Liu wieder Probleme mit seinem Fuß habe. „Wir sind trotz der Verletzung zuversichtlich und nur ein wenig besorgt“, hatte der Coach gesagt. Liu ließ sich nach den Peking-Spielen in den Vereinigten Staaten behandeln und feierte 2010 bei den Asien-Spielen mit dem Titelgewinn im Hürdensprint ein Comeback. Bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea gewann er Silber. In der aktuellen Weltjahresbestenliste liegt er mit einer Zeit von 12,97 Sekunden an zweiter Stelle.

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