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Hartnäckige Hoffnung auf Jahresend-Rally

29.11.2009 ·  Der Schreck über die Vorgänge in Dubai sitzt tief und schadet dem Investorenvertrauen. Bericht vom internationalen Finanzmarkt. Von Bettina Schulz

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LONDON, 29. November. Die brüske Entscheidung der Regierung des arabischen Emirats Dubai, einen Zahlungsaufschub der Holdinggesellschaft Dubai World zu verfügen, hat das Vertrauen der Finanzmärkte zu einem ungünstigen Zeitpunkt erschüttert. Der Fall ist ernster als zunächst angenommen. Die Märkte werden nicht so schnell wieder zur Tagesordnung übergehen. Die Investoren müssen sorgfältig zwischen zwei Dingen unterscheiden: die konkreten Auswirkungen des Zahlungsaufschubs von Dubai World bis Ende Mai 2010 und die Implikationen für das Risikoverhalten der Marktteilnehmer insgesamt.

Für sich genommen ist die Zahlungsaussetzung von Dubai World nicht unbedingt dramatisch. Er betrifft einen Teil der Gesamtverbindlichkeiten von Dubai World in Höhe von 59 Milliarden Dollar. Zunächst einmal handelt es sich nicht darum, dass Marktteilnehmer Ausfälle zu beklagen hätten, die das Vertrauen in den Markt so unterminieren, wie dies auf dem Höhepunkt der Bankenkrise im Herbst 2008 der Fall war. Dubai ist kein zweiter Fall Lehman Brothers. Am Wochenende verkündete die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate, dass sie mit einer Sonderfaszilität für Liquidität hinter allen in- und ausländischen Banken des Landes stehen werde. Am Freitag schienen sich die Finanzmärkte schneller von der bösen Überraschung zu erholen als angenommen.

Nach der Handelspause an der Wall Street wegen des Feiertags Thanksgiving am Donnerstag gaben die großen amerikanischen Aktienindizes am Freitag "nur" rund 1,5 Prozent nach. Der Dollar, der am Donnerstag als Fluchtwährung kurzfristig deutlich aufgewertet hatte, gab am Freitag schon wieder auf 1,4962 Dollar gegenüber dem Euro und sogar auf 84,83 Yen, den tiefsten Stand seit 14 Jahren, nach. In Europa machten die Aktienmärkte einen Teil des hohen Verlustes vom Donnerstag wieder wett. So schloss der Dax am Freitag bei 5685 Punkten.

Wichtiger ist jedoch das Signal, das Dubai an die Marktteilnehmer sendet. Die Finanzmärkte befinden sich nach der gefährlichen systemischen Bankenkrise in einer Phase, in der die quantitative Lockerung der Notenbanken Liquidität in die Märkte pumpt und Stabilität vorgaukelt, die notwendig ist, damit Investoren wieder voller Vertrauen an die Kapitalmärkte zurückkehren. Die Erholung der Finanzmärkte ist auf die Risikobereitschaft der Investoren angewiesen. Sie sollen bereit sein, das höchste Volumen von Staatsemissionen an den Kapitalmärkten seit dem Zweiten Weltkrieg zu schlucken. Sie sollen eine Flut von Unternehmensanleihen und zunehmend auch Aktienemissionen in ihre Portfolios nehmen, damit sich Unternehmen das Kapital besorgen können, das ihnen die Banken derzeit im Rahmen des klassischen Kreditgeschäfts nicht ausleihen können oder wollen. Die Anleger sollen gar wieder in Eigenkapital angeschlagener Banken investieren, damit diese ihre Kapitallücken schließen können und irgendwann wieder in der Lage sind, ihr Kreditgeschäft gegenüber der Realwirtschaft in vollem Umfang aufzunehmen.

Nichts ist daher in dieser labilen Phase der Kapitalmärkte so wichtig wie Investorenvertrauen. Deshalb ist die lapidare Entscheidung Dubais, mal eben ein halbes Jahr die Schulden von Dubai World nicht mehr zu bedienen, riskant. Dubai zeigt der Welt, wie wackelig die angebliche Erholung an den Märkten noch immer ist und dass im Hintergrund der Finanzmärkte Zeitbomben drohen, die das Vertrauen der Investoren jederzeit kalt erwischen können.

Dies ist der Grund, warum der Fall Dubai an den Kreditmärkten sofort höhere Risikoaufschläge bei Schwellenländern auslöste, die Kosten der Kreditausfallabsicherungen in die Höhe schnellen und den Dollar als Hafen der Sicherheit aufwerten ließ. Carry-Trades wurden zurückgedreht. Die Nachfrage der Investoren nach sicheren amerikanischen Staatsanleihen sprang wieder an. Der Vix-Index, der signalisiert, wie hoch die Kosten am Optionsmarkt für eine Absicherung gegen eine Talfahrt an den Aktienmärkten ist, schnellte um 21 Prozent in die Höhe. Gleichzeitig beobachteten Marktteilnehmer nervös, wie sich das fiskalpolitisch angeschlagene Griechenland angesichts seiner schwachen Konjunktur entwickeln wird, wenn die Europäische Zentralbank ihre extrem lockere Geldpolitik drosseln muss. Die Rendite für zehnjährige Staatspapiere Griechenlands ist mittlerweile auf 5,12 Prozent - gegenüber 3,16 Prozent für Bundesanleihen - gestiegen.

Eigentlich waren die Marktteilnehmer zuletzt guten Mutes. Sie malten sich schon das rosarote Bild einer JahresendRally aus, die den 23 Prozent der Fondsmanager, die nach Angaben von JP Morgan bisher zu schlechte Renditen eingefahren haben, noch die Taschen füllen könnte. Die Analysten der Bank glauben, der amerikanische S&P-Index könne deshalb bis Ende des Jahres noch auf einen Stand von 1160 Punkten klettern.

Gerade hatte die Federal Reserve signalisiert, dass sie ihre Politik der extrem niedrigen Zinsen noch längere Zeit beibehalten werde und nichts gegen eine "geordnete" Abwertung des Dollar habe. Dies heißt im Klartext, dass der Dollar vorerst Finanzierungswährung in den globalen Carry-Trades bleibt und dies hilft, weltweit die Notierungen an den Risikomärkten - seien es Aktien, Anleihen, Rohstoffen oder Gold - aufzublähen. Je mehr der Dollar abwertet, desto attraktiver wird dieses Spiel. Der Auftrieb an den Risikomärkten mit Hilfe der Carry Trades aus dem Dollar wird so lange andauern, bis die Politik der Federal Reserve möglicherweise Mitte 2010 dreht.

In dieser Woche könnte die Abwertung des Dollar, beziehungsweise Aufwertung des Euro weitergehen, wenn die Europäische Zentralbank am Donnerstag konkretere Angaben über ihren "Einstieg in den Ausstieg" signalisiert. Sie muss sorgfältig planen und kommunizieren, wie sie die Märkte langsam von der überschüssigen Liquiditätszufuhr entwöhnt. JP Morgan schätzt, dass der Dollar gegenüber dem Euro in der jetzigen Phase bis Frühjahr 2010 auf 1,62 Dollar abwerten wird.

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