Home
http://www.faz.net/-gpc-7hb8w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Gründer Die Koffein-Feinschmecker

Sie haben eine Leidenschaft für Kaffee und wollen sich mit einem Café selbständig machen? In London lehren zwei Enthusiasten, wie man den perfekten Kaffee kocht.

© Theiner, Micha Vergrößern Die Kaffeeunternehmer: Gwilym Davies (links) und Jeremy Challender

Es gebe tollen Kaffee in Deutschland, sagt Gwilym Davies. „Da tut sich im Moment unglaublich viel.“ Der Brite empfiehlt die Kaffeekommune in Mainz, und in Nürnberg kenne er einen Betrieb mit dem seltsamen Namen Machhörndl. In Schwabhausen bei München empfiehlt er eine „exzellente Rösterei“ namens jb Kaffee. Davies ist ein Kaffee-Feinschmecker. Seine Vorstellung von einem perfekten Kaffee hat mit Starbucks ungefähr so viel zu tun wie McDonald’s mit einem Sternerestaurant.

Marcus Theurer Folgen:  

Prufrock Coffee liegt in einer kleinen Seitenstraße im Londoner Stadtteil Holborn am Rand des Bankenviertels. Der Name stammt von einem gleichnamigen Gedicht von T.S. Eliot. Hier haben Davies und sein Geschäftspartner Jeremy Challender ihre Kaffee-Passion zum Beruf gemacht. Prufrock Coffee ist eine schick-spartanische Kaffeebar, in der die beiden ihre Vorstellung von sehr gutem Kaffee unter die Leute bringen wollen. Aber das, worum es ihnen wirklich geht, liegt eine Treppe tiefer im Kellergeschoss. „Das Café dient in erster Linie Demonstrationszwecken. Wichtiger sind unsere Kaffee-Kurse“, sagt Challender.

800 Euro für drei Tage Kurs

Unten werkelt gerade einer seiner Schüler im Einzelunterricht an der Espresso-Maschine. Der junge Asiate stammt aus Myanmar und will zurück in sein Heimatland, um dort eine Kaffeebar zu eröffnen. Bei Prufrock lernt er das Handwerk. Umgerechnet rund 800 Euro ist ihm der dreitägige Intensivkurs wert. Daneben bieten Challender und Davies auch Gruppenkurse an. Sie kosten rund 150 Euro für einen halben Tag. Das Kursangebot reicht von der schnellen und sicheren Bedienung einer Kaffeemaschine bis zur Kunst, den perfekten Filterkaffee zuzubereiten. Etwa die Hälfte der Kursteilnehmer seien angehende Baristas, also professionelle Kaffee-Zubereiter, die andere Hälfte interessierte Privatleute, sagt Davies. Er selbst hat vor vier Jahren in Atlanta die Weltmeisterschaft der Baristas gewonnen.

In London blüht die Nischenbranche der Kaffee-Kulinarik. Als der Australier Challender vor elf Jahren hierherkam, habe es in der ganzen Stadt nur eine Handvoll wirklich gute Kaffeebars gegeben. „Heute sind es mehr als hundert“, sagt er. Meist seien die Eigentümer Idealisten, getrieben mehr von ihrer Kaffee-Leidenschaft als vom Profitstreben. „Geld ist in unserem Metier fast ein schmutziges Wort. Es ist uncool, darüber zu reden“, sagt Davies. „Dabei können wir auf Dauer nur etwas bewegen, wenn wir ein nachhaltig tragfähiges Geschäft aufbauen.“

Genug Gewinn, um davon leben zu können

Eine Goldgrube ist auch Prufrock Coffee vier Jahre nach der Gründung nicht. Immerhin wirft die Kaffee-Schule mit der angegliederten Bar aber genügend ab, dass die beiden davon leben können. Zehn Mitarbeiter zählt der Kleinbetrieb inzwischen. Andere Enthusiasten, die etwa zur selben Zeit Feinschmecker-Kaffeebars in der britischen Hauptstadt eröffnet hatten, mussten dagegen wieder schließen. Aber zufrieden ist Davies dennoch nicht. „Wir haben bisher für das Café nicht das richtige Geschäftsmodell“, sagt er. Prufrock biete Spitzenqualität zu Preisen, die kaum höher seien als bei den großen Kaffeehausketten. Ein großer Espresso mit aufgeschäumter Milch kostet bei ihnen 3 Pfund und ist damit nur etwas teurer als bei den Ketten. Eigentlich müssten sie die Preise erhöhen, was aber wiederum schwierig sei.

Rund 50 000 Pfund Startkapital seien nötig, um in der Londoner Innenstadt mit ihren hohen Ladenmieten ein Geschäft wie Prufrock zu etablieren, sagt Challender. Ein Geschäftsfreund half ihnen mit der Finanzierung. „Wir haben sehr viel Zeit auf die handwerkliche Seite verwandt, heute würden wir wohl auch einen Betriebswirtschaftskurs buchen, um die kaufmännische Seite besser im Griff zu haben“, räumt Davies ein. An unternehmerischer Kreativität fehlt es ihnen freilich nicht. Zusammen mit anderen Feinschmecker-Kaffeebars in der Stadt gaben sie zeitweise eine „Disloyalty Card“ aus: Wer mit seiner Stempelkarte nachweisen konnte, dass er auch bei den anderen einen Kaffee gekauft hatte, bekam bei Prufrock ein Gratisgetränk.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.09.2013, 17:30 Uhr

Woher kommen wir?

Von Reinhard Müller

Der Bundesgerichtshof hat das Recht der Kinder, zu wissen, wer ihre leiblichen Eltern sind, gestärkt. Eine wichtige Entscheidung. Denn auf dem Spiel steht noch viel mehr: Familie und Kultur. Mehr 5 8

Warhol und der Auktionsmarkt Superteure Unfälle

Das vergangene Jahr war wieder ein Rekordjahr für Andy Warhol. Der Maler ist zu einem Alten Meister des Memento mori geworden. Und er hilft, marode öffentliche Haushalte zu sanieren. Mehr Von Rose-Maria Gropp 1

Neue Funsportart Surfen mit dem Elektrobrett

Bisher brauchte der Surfer Wellen und Wind. Jetzt braucht er eine Steckdose. Zwei deutsche Unternehmen präsentieren einen neuen Funsport: das elektrische Surfen. Mehr Von Walter Wille 3

Mindestlohn für Praktikanten Gefährlich teuer

Wer länger als drei Monate in einen Job hineinschnuppert, muss einen Mindestlohn von 1500 Euro erhalten. So viel zahlt noch nicht einmal die Arbeitsministerin. Mehr Von Corinna Budras 1

Benedict Cumberbatch Entschuldigung für Ausdruck „Farbiger“

Benedict Cumberbatch entschuldigt sich für seine „veraltete Ausdrucksweise“, Keira Knightley hätte eigentlich anders heißen sollen und Schauspieler Eddie Redmayne bedankt sich bei Stephen Hawking – der Smalltalk. Mehr 11