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Google Der Google-Börsengang ist nicht die erste Aktienauktion

13.05.2004 ·  Der Börsengang der Internetsuchmaschine Google erregt die Gemüter von Analysten und Anlegern nicht nur wegen der Aussicht auf hohe Kursgewinne. Auch der Weg über eine Auktion ist ungewöhnlich.

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Der anstehende Börsengang der Internetsuchmaschine Google erregt die Gemüter von Analysten und Anlegern nicht nur wegen der Aussicht auf hohe Kursgewinne. Auch der Weg einer Auktion, mittels derer Google die Aktien an die Börse bringen will, ist ungewöhnlich. Standard ist ein sogenanntes Bookbuilding-Verfahren, in dessen Verlauf Investmentbanken den Preis der Aktien festlegen und diese dann den Investoren zuteilen. Das Auktionsverfahren hingegen hat bisher nur in wenigen Fällen Anwendung gefunden und wurde bisher vor allem von der Firma W.R. Hambrecht durchgeführt, die inzwischen sieben Unternehmen auf diesem Weg auf den Markt gebracht hat. Die Ergebnisse dieser Auktionen fielen jedoch weniger spektakulär aus, als es die Aufregung der Branche um das Google-Verfahren erwarten läßt.

Das Weingut Ravenswood war das erste Unternehmen, dessen Titel W. R. Hambrecht im Auktionsverfahren plazierte. Der Kurs der Aktie, die Anfang 1999 an die Börse gebracht wurde, notierte rund 18 Monate stabil um den Emissionskurs. In den folgenden zwölf Monaten legte die Aktie dann rund 70 Prozent zu, bevor das Unternehmen schließlich übernommen wurde. Rund 65 Prozent der Neuemission gingen an Privatanleger, rund 3000 Gebote gingen für eine Million Aktien im Wert von rund 10 Dollar ein; 75 Prozent der Bieter kamen zum Zuge. Hambrecht erhielt als Provision 4 Prozent des Verkaufserlöses - üblich sind in diesem Geschäft über Bookbuilding-Verfahren rund 7 Prozent. Die Aktien von Nogatech, die im Auktionsverfahren von W. R. Hambrecht im Mai 2000 an die Börse gebracht wurden, eröffneten den Handel leicht unter ihrem Emissionspreis von 12 Euro. Vier Monate später wurde das Unternehmen übernommen. Zu diesem Zeitpunkt notierte die Aktie bei rund 10 Euro, nachdem sie zwischenzeitlich auf 6 Euro abgestürzt war.

Gemischte Kursbilanz bei „versteigerten“ Unternehmen

Red Envelope, ein Online-Geschenkeverkäufer, ging im September 2003 zu einem Kurs von 14 Dollar an die Börse und sammelte rund 30 Millionen Dollar ein. Am ersten Handelstag schloß die Aktie 50 Cents über dem Emissionspreis. Mittlerweile ist der Kurs allerdings auf 8 Dollar abgerutscht. Bereits 2002 war ein weiteres Online-Unternehmen, Overstock.com, mittels Auktionsverfahren am Aktienmarkt plaziert worden. Das Ergebnis: 40 Millionen Dollar wurden zu einem Kurs von 13 Dollar eingesammelt; die Aktie, die am ersten Tag unverändert schloß, hat sich nach ersten Anlaufschwierigkeiten mittlerweile auf 38 Euro hochgearbeitet.

Im Mai 2001 ging mit Briazz, einer Restaurantkette, ein weiterer Hambrecht-Kunde an den Markt und sammelte 16 Millionen Dollar ein. Während die Aktie am ersten Tag praktisch unverändert gegenüber dem Ausgabekurs schloß, gewann eine ebenfalls an diesem Tag begebene Neuemission an ihrem ersten Tag 60 Prozent. Das Biotechnologieunternehmen Genitope ging im Dezember 2003 zu 9 Dollar an die Börse und sammelte rund 33 Millionen Dollar ein. Schon am ersten Tag schloß die Aktie 23 Prozent über dem Emissionspreis. Seitdem pendelt der Kurs in einem Band zwischen 9 und 13 Dollar. Immerhin: Die anderen sieben Biotechnologieunternehmen, die im Herbst 2003 an die Börse gingen, konnten ihren Emissionspreis nicht verteidigen.

In Deutschland bisher erst eine Neuemission auf dem Weg einer Auktion

In Deutschland wurde bisher nur eine Neuemission auf dem Weg einer Auktion an die Börse gebracht: Zu 36,50 Euro kam im März 2000 die Aktie der Trius AG, eines Anbieters von Telefon-Software, auf den Markt. Stabil entwickelte sich der Aktienkurs lediglich in den ersten Handelstagen, danach ging es im Einklang mit dem Gesamtmarkt deutlich nach unten. Eine unbefriedigende Geschäftsentwicklung, bei der die Verluste am Ende höher als die Umsatzerlöse waren, wirkte zusätzlich belastend. Mittlerweile ist das Unternehmen am Ende.

Unter dem Strich lassen sich bei aller gebotenen Zurückhaltung keine Indizien dafür ausmachen, daß eine Auktion als Emissionsverfahren der Aktie signifikant geschadet oder genutzt hätte - letztlich waren es ganz andere Faktoren als das Emissionsverfahren, welche den Kurs der Aktie bestimmten. Allerdings waren es bisher nur sehr kleine Emissionen, die über diesen Weg an die Börse gebracht wurden - bei Google geht es dagegen um ein Emissionsvolumen von rund 3 Milliarden Dollar. Fachleute gehen davon aus, daß die Konsortialbanken sich der inhaltlichen Unterstützung von W. R. Hambrecht bedienen werden.

Quelle: hbe., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2004, Nr. 112 / Seite 29
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Von Rainer Hank

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