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Erneuerung aus dem Inneren Warum Burma echte Freunde braucht

Alle Welt preist die neue Offenheit von China im Umgang mit der Naturkatastrophe. Burma aber verschließt sich westlicher Hilfe. Aus gutem Grund, meint Alice Schwarzer, die das Land oft bereist hat. Die Erneuerung des Landes müsse aus dem Inneren kommen.

© privat Vergrößern Alice Schwarzer, vielfache Besucherin Burmas, in einer Tempelanlage in Pagan

In den vergangenen zehn Jahren war ich viermal wochenlang in dem Land, das einst Burma hieß und sich heute Myanmar nennt - weil in seinen Grenzen nicht nur Burmesen leben, sondern viele Ethnien. Das nächste Mal wollten wir eigentlich in das sumpfige Delta des Irrawaddy fahren, das nur via Boot bereist werden kann und touristisch kaum erschlossen ist. Doch das wird wohl auf absehbare Zeit nicht möglich sein, denn das Flussdelta ist vom Taifun zerstört.

Ein Freund, ein besonders kritischer und politischer Mensch, der meine Liebe zu Burma kennt, sagte kürzlich zu mir: Na, jetzt fährst du sicherlich nicht mehr nach Burma! Wie bitte? Warum sollte ich nicht? Ganz im Gegenteil: Ich denke, dass dieses so versunkenschöne Land mit seinen so liebenswerten Menschen mehr denn je Freunde braucht in aller Welt. Wahre Freunde.

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Hilflos vor dem Taifun

Freunde wie den Münchner Arzt Heinz Schoeneich, der seit zehn Jahren mit seinem Team von Interplast regelmäßig in Burma arbeitet, ehrenamtlich - und unbehelligt vom Militärregime. Seither hat Schoeneich nach eigenen Angaben rund achttausend Menschen behandelt und operiert; meist Kinder mit genetischen Missbildungen wie Hasenscharten oder Menschen nach Unfällen oder mit Tumorerkrankungen. Auch am Tag der Katastrophe war der deutsche Arzt in Rangun und wurde gewarnt. Schoeneich passierte nichts, wie den meisten Menschen in den festen Häusern der Hauptstadt.

schwarzer 02 © Vergrößern Tiereraten auf einem burmesischen Wochenmarkt

Ganz anders die Lage der zwei Millionen Menschen in traditionellen Fischerhütten und Bambushäuschen der Reisbauern im Flussdelta. Die Mehrheit lebt weit verstreut, ohne Straßen, ohne Telefon, ohne Radio und Fernsehen. Wie hätten sie gewarnt werden sollen vor dem Taifun? Wohin hätten sie fliehen können? Wir alle erinnern uns an die Bilder vom Tsunami oder die von New Orleans. Selbst mitten in dem reichen, bestens vernetzten, hochtechnisierten Amerika griff eine wirklich effektive humanitäre Hilfe erst Tage nach der Katastrophe.

Barbarei gegenüber der eigenen Bevölkerung

Ein grausamer Zufall wollte, dass fast zeitgleich zwei Naturkatastrophen passierten: im kleinen rückständigen Burma und im daneben liegenden mächtigen China. Beide Länder haben Zehntausende, wenn nicht Hunderttausend Tote zu beklagen. Beide Länder ließen zunächst ausschließlich asiatische Nachbarn ins Land und lehnten in den ersten chaotischen Tagen und Wochen westliche Hilfsangebote ab. Doch wie unterschiedlich die Berichterstattung.

„Selbst die Generäle beantworten Fragen“, lautete die Überschrift in dieser Zeitung zu dem medial professionell agierenden China und vermeldete, der Ministerpräsident habe geweint. Zu Myanmar hieß es in derselben Ausgabe vorwurfsvoll: „Hunderttausende Burmesen weiter ohne Hilfe“. Schuld daran sei die „in ihrem Zynismus kaum zu übertreffende Militärclique“. Und der ehemalige Außenminister Joschka Fischer, der schon im Kosovo folgenschwer ein „zweites Auschwitz“ gesichtet hatte, brandmarkte in „Zeit online“ einen „kaum fassbaren Akt der Barbarei gegenüber der eigenen Bevölkerung“.

Hilfeleistungen im machtpolitischen Rahmen

Und die internationale Gemeinschaft? Die gibt sich mitfühlend - und verschärft gleichzeitig die Sanktionen. Präsident Bush ließ prompt nach der Katastrophe wissen, Amerika verlängere die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Burma um ein weiteres Jahr - worunter seit Jahren vor allem die Bevölkerung schwer leidet. Worum geht es also wirklich? Um Hilfe für die Bevölkerung oder um Destabilisierung der Machthaber?

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