Home
http://www.faz.net/-gum-6y700
Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Zugunglück in Polen Fahrdienstleiter soll angeklagt werden

 ·  Die Staatsanwaltschaft in Polen will nach dem Zugunglück, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen, Anklage gegen einen Fahrdienstleiter erheben. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass er den beiden Zügen versehentlich das selbe Gleis zugewiesen hatte.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die polnische Staatsanwaltschaft will nach dem schweren Zugunglück Anklage gegen einen
Fahrdienstleiter erheben. Er soll den Unfall nahe Zawiercie, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen, versehentlich verursacht zu haben. Die Ermittlungen deuteten darauf hin, dass der Fahrdienstleiter einen Fehler bei der Zuweisung der Fahrstrecken gemacht habe, sagte Staatsanwalt Tomasz Ozimek.

Ein zweiter Mitarbeiter wurde für eine Befragung festgenommen, aber nicht angeklagt, sagte Ozimek. Dass die Fahrdienstleiter zum Unfallzeitpunkt betrunken waren, konnten die Ermittler bereits ausschließen.

Am Samstagabend waren zwei Personenzüge auf dem selben Gleis frontal zusammen gestoßen, 16 Menschen kamen ums Leben. Der polnische Fernsehsender TVN24 berichtete, einer der Festgenommenen sei in schlechter psychischer Verfassung. Der Mann habe angeblich versucht, Aufzeichnungen über den Unfallhergang zu verfälschen, um Fehler zu vertuschen. Eine offizielle Bestätigung gab es nicht.

In Polen gilt bis Dienstag eine zweitägige Staatstrauer. Offiziellen Angaben zufolge wurden bis Montag 15 der 16 Todesopfer identifiziert. Unter ihnen seien eine Amerikanerin und eine Russin. 49 Menschen würden noch in Krankenhäusern behandelt. Die Rettungsarbeiten an der Unfallstelle gingen am Montag weiter. Der Einsatz werde erst beendet, wenn die Helfer sicher seien, dass niemand mehr unter den Waggonwracks begraben liege, sagte Gouverneur Zygmunt Lukaszczyk. Die Tragödie trifft Polen mitten in den Vorbereitungen zur Fußball-Europameisterschaft, die in drei Monaten beginnt. Die Regierung versicherte den Fußballfans, dass Polens Züge trotz dieses Unfalls sicher seien.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen