21.02.2010 · Der Debütroman „Axolotl Roadkill“ von Helene Hegemann hat nicht nur Debatten über geistiges Eigentum angestoßen, sondern zugleich einer bisher nur in Lurchenfankreisen bekannten Tierart zu mehr Aufmerksamkeit verholfen.
Von Marie Katharina WagnerDer Debütroman „Axolotl Roadkill“ von Helene Hegemann hat nicht nur Debatten über geistiges Eigentum angestoßen, sondern zugleich einer bisher nur in Lurchenfankreisen bekannten Tierart zu neuer Aufmerksamkeit verholfen: dem mexikanischen Schwanzlurchen Axolotl, der niemals dem Larvenstadium entwächst und dessen Gliedmaßen und innere Organe regenerationsfähig sind.
Im Roman heißt es: „Ich gucke mir einen nachtaktiven mexikanischen Schwanzlurch an, der pink ist oder zumindest sehr, sehr rosa. Er hat komische kleine Tentakel, blaue Knopfaugen und das freundlichste Lächeln, das ich je gesehen habe. (...) „Das ist ein Babyaxolotl“, sagt Simon. (...) Ich kaufe ihm das doofe Axolotl echt ab und trage es in einer mit Wasser gefüllten, durchsichtigen Plastiktüte lange durch die Gegend.“
Die Albino-Variante sieht rosa aus
Deutsche Amphibienfans haben die Tiere aus der Familie der Querzahnmolche lange vor Helene Hegemann entdeckt. Seit das Fernsehen die glubbrigen Wesen vor zwei Jahren in einer Heimtiersendung vorstellte, sei das Interesse kontinuierlich gestiegen, bestätigen die Betreiber des wichtigsten Internetforums www.axolotl-online.de sowie einer der wenigen Händler, der in Niedersachsen ansässig ist. Aber auch der jüngst erschienene Roman mache sich in Form gestiegener Nachfrage bemerkbar, sagt die Moderatorin des Forums, Nacira Richi, die selbst auch Axolotl züchtet und - wie in der Branche üblich - per Tierkurier über Nacht verschickt. Dazu werden die Tierchen in kantenfreie Behälter mit Wasser gesetzt und dann in Styroporboxen verpackt.
Nur wenige Zoofachgeschäfte und einzelne Baumärkte führten Axolotl, weil sie eine bestimmte Wassertemperatur brauchten und nicht mit anderen Fischen gehalten werden könnten. Pink seien Axolotl nie, und sie hätten auch keine blauen, sondern schwarze Augen. Albinos und Weißlinge sähen rosa aus, weil man ihre roten Blutkörperchen durch die schwach pigmentierte Haut sehen könne.
In einer Plastiktüte darf man Axolotl laut Experten durchaus herumtragen. Allerdings sollte man sie mit Zeitungspapier vor allzu großer Aufregung schützen. Bei Helene Hegemann endet die Kreatur wohl nicht ganz artengerecht: „Ich sitze überanstrengt auf einer Klobrille. Das Axolotl hängt an dem nicht mehr funktionstüchtigen Abschließscheiß der Toilettenkabine.“