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Geschmackloses Suizid-Video : YouTube bestraft Internet-Star Logan Paul

  • Aktualisiert am

Youtuber Logan Paul bei einem Auftritt im August 2017 Bild: AP

Der amerikanische Youtube-Star Logan Paul hat sich in einem Video über einen Selbstmörder lustig gemacht. Jetzt zieht die Videoplattform Konsequenzen. Kritikern gehen die nicht weit genug.

          Nach dem Skandal um Aufnahmen eines Suizidopfers hat die Videoplattform YouTube Sanktionen gegen den amerikanischen Internet-Star Logan Paul verhängt.

          YouTube habe den 22-Jährigen von zwei Filmprojekten ausgeschlossen und sein Werbeprofil reduziert, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

          Das inzwischen gelöschte Video zeigte einen Mann, der sich im Wald von Aokigahara am Fuß des Bergs Fuji in Japan erhängt hatte. Paul soll Medienberichten zufolge darauf zu sehen sein, wie er lacht und Witze darüber macht.

          Paul hatte sich dafür entschuldigt. YouTube entschied nun dennoch, zwei gemeinsame Projekte mit dem 22-Jährigen zu stoppen. Dem Unternehmenssprecher zufolge handelt es sich dabei zum einen um die Fortsetzung von Pauls Film „The Thinning“ auf YouTube Red.

          Dort werden speziell für die Plattform produzierte Inhalte gezeigt. Zum anderen werde Paul nicht in der vierten Staffel der YouTube-Serie „Foursome“ mitspielen, in der er einer der Hauptdarsteller war.

          Zudem sei Paul aus dem Google-Preffered-Portfolio ausgeschlossen werden, sagte der Sprecher. In diesem Paket stellt YouTube-Eigentümer Google die fünf Prozent der meistgesehenen Videos zusammen und bietet sie Werbekunden an.

          Japaner stehen im Wald am Fuße des Berges Fuji vor einem Schild, das vor Suizid warnt (Archivbild). Seit vielen Jahren nehmen sich Menschen in diesem Wald das Leben. Logan Paul ging mit einer Kamera hinein.

          Bereits am Dienstag hatte Google erklärt, in Kürze Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass solche Videos „nie wieder“ auf YouTube veröffentlicht werden.

          Paul hatte mit dem Suizid-Video im Kurzbotschaftendienst Twitter für einen Sturm der Empörung gesorgt. Er habe die Öffentlichkeit für die Themen Depression und Suizid sensibilisieren wollen, schrieb er daraufhin in einer Stellungnahme. Das Video habe er nicht gemacht, um möglichst viele Klicks zu generieren.

          Seine Stellungnahme war das letzte Video, das Paul auf der Videoplattform hochlud. Statt eines neuen Vlogs veröffentlichte Paul einen Post, in dem er erklärte, er brauche „Zeit zum Reflektieren“.

          Kritikern gehen YouTubes Maßnahmen nicht weit genug. Ein Twitter-User wandte sich an die Videoplattform: „Es sieht so aus, als würde Logan Paul damit durchkommen. Gut gemacht, YouTube, du hast deinen Geldesel beschützt.“ Viele Stimmen forderten den 22-Jährigen auf, die Plattform ganz zu verlassen.

          Der 22-Jährige ist mit seinen Videoblogs ein Star vor allem unter jugendlichen Internet-Nutzern. 2017 belegte er mit 12,5 Millionen Dollar den vierten Platz im Forbes-Ranking der bestverdienenden YouTube-Stars. Trotz des Skandals verringerte sich die Zahl seiner Abonnenten auf YouTube nicht.

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