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Wort des Jahres 2012 „Rettungsroutine“ nicht routiniert verwendet

Warum hat sich die Gesellschaft für deutsche Sprache ausgerechnet für das Wort „Rettungsroutine“ entscheiden? Es ist kaum in Jemandens Munde. Routiniert vertreten wird nur die Euro-Skepsis.

© dapd Zur „Rettungsroutine“ gehört auch der Rettungsschirm

Nicht die Häufigkeit, sondern die „Signifikanz bzw. Popularität“ eines Ausdrucks steht laut der Gesellschaft für deutsche Sprache bei der Wahl der Wörter des Jahres im Vordergrund. Signifikanz - geschenkt: das Wort „Rettungsroutine“, das in diesem Jahr in stolzer Missachtung gängiger Rechtschreibprogramme auf dem ersten Platz landete, beschreibe, lernen wir, nicht nur das dauerhaft aktuelle Thema der instabilen europäischen Wirtschaftslage und die wiederkehrenden Maßnahmen zur Stabilisierung, sondern sei in seiner Verknüpfung zweier widersprüchlicher Begriffe zudem sprachlich interessant.

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Doch auch von einem nur schnöde „populären“ Wort könnte man erwarten, dass die Leute es verwenden. Ganze sieben Ergebnisse in der Archiv-Suche (davon drei aus dem Jahr 2011) und nur knapp 1000 Google-Treffer kurz nach Bekanntgabe der Ehrung deuten aber darauf hin, dass es bislang nicht Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch gehalten hat.

Ein rettungsroutinierter Politiker und Herausgeber

Der Großteil der Treffer verdankt sich einem Zitat des CDU-Politikers Wolfgang Bosbach, der sich in seiner Aussage, in der CDU sei Rettungsroutine eingekehrt, vermutlich von einem der Herausgeber der Frankfurter Allgemeine Zeitung  hat inspirieren lassen: Der älteste Treffer im Archiv ist ein Kommentar Holger Steltzners, in dem dieser sich im Mai 2011 mit dem Schlüpfen Portugals unter den „Euro-Rettungsschirm“ (Platz 10 2010) beschäftigte. Die Rettungsroutine bildete hier den Gegensatz zu der mittlerweile quer durch alle politischen Lager routiniert vertretenen Euro-Skepsis, deren Ausweitung auf die sogenannten 99 Prozent (Platz 10 2011) sich Angela Merkel als „Kanzlerpräsidentin“ (Platz 2) entschlossen entgegenstellt.

Während also die Popularität des diesjährigen Siegerwortes außerhalb von F.A.Z., CDU und der Gesellschaft für deutsche Sprache durchaus infrage steht, sorgt der dritte Platz für noch mehr Verwirrung: Die „Bildungsabwendungsprämie“ werde gewürdigt als „gelungener Kampfbegriff“ der Gegner des Betreuungsgeldes, so die Sprachwissenschaftler. Das Wort liege vor als „Hörbeleg“ aus einem Beitrag des ZDF, war uns aber weder ein Kampf- noch sonst ein Begriff.

Die zehn Gekürten

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat zehn Wörter und Ausdrücke zu Wörtern des Jahres 2012 gekürt:

1. Rettungsroutine
2. Kanzlerpräsidentin
3. Bildungsabwendungsprämie
4. Schlecker-Frauen
5. wulffen
6. Netzhetze
7. Gottesteilchen
8. Punk-Gebet
9. Fluchhafen
10. ziemlich beste

Quelle: Faz.Net mit AP und dpa

 
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