16.11.2004 · Vor Zypern wollte ein amerikanischer Wissenschaftler die Akropolis von Atlantis gefunden haben. Nun ist klar, was es mit dem „sensationellen Fund“ tatsächlich auf sich hat: Es handelt sich um Schlammvulkane.
Es kommt gelegentlich vor, daß auch Hobbyforscher wichtige wissenschaftliche Entdeckungen machen. Folgte man der Pressekonferenz, die ein Architekt aus Los Angeles dieser Tage auf Zypern gab, konnte man den Eindruck gewinnen, daß ein solcher Coup wieder einmal gelungen ist.
Er habe im Seegebiet zwischen Zypern und der syrischen Küste definitiv die Akropolis von Atlantis gefunden, sagte Robert Sarmast und zeigte eine bunte Graphik, die auf Messungen eines Unterwassersonars beruhte. Darauf waren angeblich die antike Burganlage der versunkenen Stadt, ein Kanal sowie Reste einer Stadtmauer zu sehen.
Mächtige Salzschichten
Was Sarmast nicht wußte (oder verschwieg), ist die Tatsache, daß der Geophysiker Christian Hübscher vom Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften der Universität Hamburg im Sommer mit einigen Kollegen genau dieses Seegebiet von Bord des niederländischen Forschungsschiffes „Pelagia“ aus vermessen hat.
Die Forscher waren nicht auf der Suche nach dem verschollenen Atlantis, sondern wollten als Fachleute für die mächtigen Salzschichten, die unter dem Boden des östlichen Mittelmeeres ruhen, mehr über deren Zustand herausfinden. In den Daten des Sonars an Bord der „Pelagia“ fand Hübscher auch jene untermeerischen Hügel, die Sarmast nun als Akropolis von Atlantis deutet.
Es handelt sich, so sagt Hübscher, um einige etwa 100.000 Jahre alte Schlammvulkane. Diese Vulkane entstanden, weil der unter dem Salz liegende Schlamm durch Risse und Brüche in die Salzschicht dringt und dabei den Meeresboden aufwölbt. Solche „Schlammdiapire“ gibt es auf dem Grund vieler Meeresgebiete. Deshalb sind derartige Funde längst nicht so spektakulär wie die haltlose Behauptung, man habe das legendäre Atlantis entdeckt.