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Wirtschaftskrise : Montana Moms verarmen trendy

  • -Aktualisiert am

Beim Einkauf zu sparen ist nun modischer als jeder Maßanzug Bild: REUTERS

Santa Monica, Refugium der Reichen und Schönen, gleicht einer Geisterstadt. In den Vorgärten vieler Villen häufen sich „Zu verkaufen“-Schilder, die Arbeitslosenquote hat sich fast verdoppelt. Und wer es noch dick hat in der Krise, der verbirgt es.

          So richtig Spaß macht ein Bummel über die Montana Avenue nicht mehr. In vielen Schaufenstern von Santa Monicas vornehmster Einkaufsstraße finden sich „Zu vermieten“- Schilder anstelle der Handtaschenkollektionen, Yoga-Outfits oder europäischen Modelabels. Immer weniger Schuhfetischistinnen belagern das blaue Plüschsofa in „Il Primo Passo“ und probieren bei Espresso aus biologischem Anbau (morgens) oder einem Glas Chablis (nachmittags) die neuen Kreationen von Christian Lacroix, Barbara Bui und Giuseppe Zanotti an. Die Stühle in Frisiersalons wie „First Cut“ oder „LuxLab“ bleiben leer, und die Pilates-Studios streichen Kurse mangels Nachfrage. Statt für ein paar hundert Dollar pro Monat im Studio zu trainieren, turnen die Frauen jetzt zur Mari-Winsor-DVD vor dem heimischen Fernsehgerät.

          „Montana Avenue wirkt fast wie eine Geisterstadt“, sagt Tracy Berger. „Es ist deprimierend.“ Wie die meisten ihrer Freundinnen hat sich die begeisterte Shopperin im Wirtschaftsabschwung zum Notopfer durchgerungen: Den Morgenbecher Latte kauft die Neununddreißigjährige seit ein paar Wochen in der schlichten Boulangerie statt im Starbucks gegenüber.

          Halbprivater Rückzugsort der Stars

          Die Wirtschaftskrise hat den reichen Küstenort westlich von Los Angeles erreicht. Dabei wähnten sich Tracy Berger und die anderen etwa 88 000 Bewohner der Luxusenklave in Sicherheit. Die Villen an den palmengesäumten Straßen waren mehr als doppelt so teuer wie im Durchschnittskalifornien, die Lebenshaltungskosten lagen um ein Vielfaches über denen anderer Städte, aber es blieb dennoch genug übrig für die amerikanische Lieblingsbeschäftigung, das Shopping.

          Ladenhüter: Luxusautos in Santa Monica

          Die Einkaufstouren der „Montana Moms“ und Celebritys aus den Villen nördlich der Montana Avenue waren legendär. Die Paparazzi hatten es leicht, Meg Ryan und ihr Töchterchen, Uma Thurman und Ben Affleck mit Ehefrau beim Ausflug „on Montana“ zu fotografieren. Die Straße mit Kleinstadtflair gilt dennoch vielen Stars als halbprivater Rückzugsort, wo nicht jeder T-Shirt-Kauf gleich zum Ereignis im Klatschblatt wird.

          Ein leerstehendes Haus gilt als böses Omen

          Vor ein paar Monaten dann kam die Unruhe. In den Schaufenstern klebten die ersten Plakate, die Preisnachlässe von bis zu 75 Prozent versprachen. Rabatte von mehr als 50 Prozent, so die neue Erfahrung in Santa Monica, zeigen die kommende Geschäftsaufgabe an.

          Auch in den von mexikanischer Hand gepflegten Vorgärten vieler Villen fanden sich plötzlich „Zu verkaufen“-Schilder und führten zu Panikattacken bei den Nachbarn: In Kalifornien gilt ein leerstehendes Haus in der Nachbarschaft als böses Omen, zumal dann, wenn sich lange kein Käufer findet. „Mit jedem neuen Schild, das hier aufgestellt wird, sinkt auch der Wert unseres Hauses“, sagt Betty Miller, die mit ihrer Familie seit elf Jahren in einer Villa im spanischen Kolonialstil wohnt. In den vergangenen zwölf Monaten fiel der Wert des Hauses von 3,5 auf 2,8 Millionen Dollar. Viele Makler versprechen Kaufwilligen mittlerweile Gratisbeigaben wie Flachbildschirme oder Kleinwagen.

          Die fetten Jahre sind vorbei

          Die fetten Jahre sind auch an der Montana Avenue für erste vorbei. „Wir haben zwar mehr Reserven als andere, aber wir sind nicht immun“, sagt Mark Wain, Inhaber des „Caffe Luxxe“. Neben Müttern in Yogakleidung und Drehbuchautoren vor Laptops verbringen immer häufiger auch ehemalige Geschäftsleute ihre Vormittage in seinem Café oder einem der drei Starbucks in der Nachbarschaft. Die Arbeitslosenquote in Santa Monica hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt.

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