11.02.2012 · Endlich können die Deutschen ihre geliebte Funktionskleidung einmal tragen, ohne dass es völlig albern aussieht. Denn ein Kältehoch hat Europa und Nordafrika fest im Griff.
Man würde gern auf Klischees verzichten, aber nun muss doch kurz vom Biomüll die Rede sein. Seit Tagen kämpft die Stadt Karlsruhe mit festgefrorenem Bioabfall. Weil es draußen kalt und Biomüll eher suppig ist, friert dieser in der Tonne fest. Die kann dann morgens auch der wackerste Müllmann nicht vollständig leeren. So weit die Natur. Doch einigen Wutbürgern ist das Grund genug, Widerstand zu leisten: Es hat, so hört man, schon Proteste von Karlsruhern gegeben, die sich über die nur halb geleerten Tonnen beschwerten. Die Stadt bittet sehr freundlich um Verständnis. Deutschland im Winter: ein Mülltrennungsdrama.
Es geht den meisten von uns also trotz der sogenannten sibirischen Kälte, die inzwischen sogar Nordafrika erreicht hat, noch mitteleuropäisch gut. Anders ist die Lage in Osteuropa. Dort sind in den vergangenen zehn Tagen mehr als 500 Menschen erfroren oder wegen defekter Öfen an Kohlenmonoxidvergiftung gestorben. Vor allem in der Ukraine, in der etwa 130 Kältetote gezählt wurden, leiden die Menschen unter dem harten Winter. Aber auch in Polen, Rumänien und Bulgarien ist die Lage sehr ernst. In serbischen, bosnischen und kroatischen Dörfern sind Zehntausende seit Tagen von der Außenwelt abgeschnitten.
Vergleichsweise harmlos erscheint dagegen, dass auch die ostfriesischen Inseln Spiekeroog, Juist und Wangerooge nicht mehr auf dem üblichen Wege erreicht werden können. Wegen Eisschollen und des niedrigen Wasserstandes kommt kein Schiff mehr durch, stattdessen gibt es nun Hubschrauber-Luftbrücken. Der Spiekerooger Bürgermeister aber bleibt gelassen: Essen sei noch für alle genug da, und über die Anreise der für Mitte Februar erwarteten Karnevalsflüchtlinge aus Nordrhein-Westfalen mache er sich ebenfalls keine Sorgen.
Auch für viele Binnenschiffer geht seit Tagen nichts mehr. In Niedersachsen sind sämtliche Kanäle zugefroren, und Teile der Elbe, der Mosel und des Neckars sind wegen Treibeises nicht befahrbar. Wintersportfreunde dagegen profitieren von Kältehoch „Dieter“: In manchen Skigebieten sind keine Zimmer mehr frei, und auf vielen Seen kann man zum ersten Mal seit Jahren wieder Schlittschuh laufen. In Hamburg findet an diesem Wochenende zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder das Alstereisvergnügen statt: Eine Million Besucher erwartet die Stadt zu dem Volksfest auf der Außenalster.
Und auch im Alltag zeigt sich der deutsche Winter zuweilen von seiner freundlichen Seite. Der iranische Friseur in Frankfurt etwa berichtete der Kundin in dieser Woche zum ersten Mal nicht von seiner Heimat, sondern davon, wie er trotz Minusgraden täglich mit dem Rad zur Arbeit fährt: „zwei Hosen, zwei Pullis, zwei Jacken“, er lächelte. Als sei er hier angekommen, seit er über Blitzeis und Schnee triumphiert.
Herrlich...
Lutz von Peter (LutzBrux)
- 12.02.2012, 10:05 Uhr
Recht hat der Autor.
Sabine Mersmann (Sabine2772)
- 12.02.2012, 02:09 Uhr
Ich frage mich ob der Mensch im vereisten Wildbach ein Recht hat
geborgen zu werden
klaus keller (klkeller)
- 11.02.2012, 20:56 Uhr