18.05.2009 · Knapp 600 Schüler und 70 Lehrer der Albertville-Realschule in Winnenden haben am Montag fast zehn Wochen nach dem Amoklauf einen Containerkomplex in Sichtweite ihrer alten Schule bezogen - ein Provisorium auf unbestimmte Zeit.
Fast zehn Wochen nach dem Amoklauf von Winnenden werden die Schüler der Albertville-Realschule jetzt wieder in einem gemeinsamen Gebäudekomplex unterrichtet. Auf dem Hartplatz des Sportgeländes, nur wenige hundert Meter von der Albertville-Realschule entfernt, bilden insgesamt 165 Container auf einer Fläche von 2350 Quadratmeter das neue Schulgebäude der insgesamt 570 Jungen und Mädchen.
Noch bis vergangenen Freitag waren sie verteilt auf umliegende Gebäude und Gemeinden unterrichtet worden.Der U-förmige Komplex beinhaltet insgesamt 20 Klassenzimmer. In der kurzen Seite des Gebäudes sind Lehrerzimmer und Verwaltungsräume wie Rektorat und Sekretariat untergebracht. „Wir haben einen gewaltigen Schritt zurück in die Normalität gemacht“, sagte der Winnender Oberbürgermeister Bernhard Fritz am Montag. Die Schüler seien alle sehr froh, wieder unter einem Dach zu sein.
„Diese Schule lassen wir uns nicht nehmen“
Die Elternbeiratsvorsitzende Annette Frik-Helber sagte: „Die Schüler und Eltern freuen sich sehr, ab heute wieder eine Schule zu sein.“ Wichtig sei, dass alle Schüler und Lehrer sich nach der Trennung wiedersehen. Zu den Motiven für den geplanten Wiedereinzug in die alte Schule sagte sie mit Blick auf den Täter: „Er hat uns viel genommen, aber jetzt nicht auch noch unsere Schule. Diese Schule lassen wir uns nicht nehmen.“ Die Eingänge zu den Containern werden mit Kameras überwacht. Auf Wunsch der Schüler gibt es mehr Polizeistreifen.
Wann genau die Schüler in das Gebäude zurückkehren, steht noch nicht fest. Es könnte noch Jahre dauern. Bis zum Sommer soll die Renovierung und Erweiterung der Albertville-Realschule „neuer Prägung“ in groben Zügen geplant sein, so dass der Gemeinderat in Winnenden die entsprechenden Entscheidungen fällen kann. Im kommenden Jahr soll die Ausschreibung der Aufträge starten. Die Kosten für die sogenannte Containerschule belaufen sich nach Angaben des Bürgermeisters auf eine Million Euro. Man werde der Schule durch Sanierung und Anbauten eine neue Prägung geben, sagte Fritz.
Bei dem Amoklauf am 11. März hatte der 17-jährige Tim K. an der Albertville-Realschule und im Wendlinger Autohaus 15 Menschen und anschließend sich selbst erschossen.