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Afrikanisches Kofferkind : Wie Adou im Koffer nach Spanien geschmuggelt wurde

  • -Aktualisiert am

Verdächtige Fracht: Adou im Koffer Bild: AFP

Die Geschichte von Adou hat ein gutes Ende genommen: Der Junge, der im Koffer aus Marokko in die spanische Enklave Ceuta in Nordafrika geschmuggelt wurde, ist wieder bei seiner Mutter. Mittlerweile lässt sich auch ein genaueres Bild von Adous erstaunlicher Odyssee zeichnen.

          Ganz Spanien kennt inzwischen die Geschichte des „Kofferkindes“. Sie handelt von einem Jungen namens Adou, der acht Jahre alt ist und von der Elfenbeinküste stammt. Er ist das freundlich-erschrockene Gesicht eines väterlichen Menschenschmuggel-Versuchs, der nach vielen Irrungen und Wirrungen jetzt ein gutes Ende nahm. Adou und seine Mutter sind wieder vereint. Und der Vater kommt auch aus dem Gefängnis wieder frei, nachdem er eine Kaution von 5000 Euro hinterlegt hat.

          Hinter Adou, der sich am Dienstag mit der Mutter von der nordafrikanischen Enklave Ceuta auf den Weg auf die Kanarischen Inseln machen wollte, liegt eine spektakuläre Odyssee. Sie begann am 7. Mai, als die spanischen Zöllner an der Grenzstation Tarajal in Ceuta auf eine sichtlich nervöse junge Marokkanerin aufmerksam wurden, die einen rosafarbenen Koffer durch die Kontrollzone zog. Rauschgift, vermuteten sie und schickten das Gepäckstück durch einen Scanner. Ihre Verblüffung war groß, als sie auf dem Röntgenbild eine zusammengekauerte Gestalt erblickten, die wie ein großer Fötus aussah.

          Als sie den Reißverschluss öffneten, kam da ein Junge heraus, der ihnen sogleich auf Französisch erklärte, wie er heiße und aus welchem Land er komme. Sonst wusste er aber nichts. Ein paar Stunden später kam Vater Ali an die gleiche Grenze, und weil sein Nachname auch Outtara lautete, wurde er, so wie die neunzehnjährige Marokkanerin Fatima, erst einmal festgenommen. Adou kam derweil gut betreut in ein Notaufnahme-Quartier.

          Wieder vereint: Adou und seine Mutter Bilderstrecke
          Wieder vereint: Adou und seine Mutter :

          Inzwischen ist ein Monat vergangen, und Verlauf und Hintergründe sind noch immer nicht ganz klar. Fatima behauptet, sie sei von einer Menschenhändler-Bande zu der Kofferaktion animiert, aber eigentlich hereingelegt worden. Vater Ali behauptet auch, er habe Schleusern ein paar Tausender bezahlt, damit sie Adou bis an die Grenze zwischen Marokko und Ceuta brachten. Mutter Lucie behauptet, ihr Mann sei „kein Krimineller“, sondern ein fürsorglicher Gatte, der einfach versucht habe, mit allen Mitteln das zweite ihrer vier Kinder aus der Elfenbeinküste nach Spanien zu bringen.

          Geld reichte nicht für Familiennachzug

          Die Eltern Outtara leben legal auf Fuerteventura, wo Ali in einer Wäscherei arbeitet. Er verdient dort nicht schlecht, 1300 Euro im Monat. Doch als er einen Antrag auf Familiennachzug für Adou stellte, wurde ihm beschieden, dass da 50 Euro fehlten. Daraufhin reifte offenbar der Plan, die Sache in die eigene Hand, sprich: in den Koffer, zu nehmen.

          Als sich die Geschichte des „Kofferkindes“ herumsprach, blieben die wohlwollenden Reaktionen nicht aus. Eine spanische Nichtregierungs-Organisation, die sich um Immigranten kümmert, besorgte einen Rechtsanwalt. Für Adou und die Kaution gingen Spenden ein, darunter angeblich 12.000 Euro aus Deutschland. Und ein spanischer Fernsehsender, der die Sache exklusiv „dokumentieren“ will, dürfte auch noch einen Obolus springen lassen.

          Wegen der „außergewöhnlichen Umstände“ haben die spanischen Behörden Adou inzwischen eine Aufenthaltsgenehmigung für ein Jahr erteilt, die dann verlängert werden dürfte. In der Elfenbeinküste warten derweil noch zwei ältere Geschwister, die nicht mehr in einen gewöhnlichen Koffer passen. Und auf solche achten die Zöllner von Ceuta, die zuvor schon alles gesehen zu haben glaubten – Migranten unterm Auto, im Kofferraum, sogar unter der Motorhaube –, mit geschärftem Interesse. Die Familienzusammenführung von Adou und seinen Eltern wurde im Übrigen erst gestattet, nachdem sich die spanischen Behörden mittels DNA-Tests davon überzeugt hatten, dass sie wirklich verwandt sind.

          Spanien : Grenzbeamte finden Kind in Koffer

          Quelle: FAZ.NET

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