02.12.2002 · So lange, wie die Menschheit denken kann, gehört es zu ihren Überlebensstrategien, sich vor Wettereinflüssen zu schützen.
So lange, wie die Menschheit denken kann, gehört es zu ihren Überlebensstrategien, sich vor Wettereinflüssen zu schützen. Doch nicht nur schützen hieß und heißt die Devise, sondern mit dem Wetter zu leben. So konnte man viele Wettersituationen auch für den eigenen Vorteil nutzen.
Gerade jetzt, da die Fragen der Klimaveränderung überall diskutiert und Fragen nach der Größe des anthropogenen Anteiles an den Veränderungen kontrovers beanwortet werden, sei daran erinnert, dass extreme Wetterereignisse keine Erscheinung der Neuzeit und des Industriezeitalters sind. Zugegeben, häufig treffen uns heute Wettererscheinungen erheblich empfindlicher als unsere Vorfahren. Das hat aber nichts mit der Erscheinung, sondern mit der Empfindlichkeit der von uns genutzten Systeme zu tun. Man denke nur an die mittlerweile enorme Verbreitung elektronischer Anlagen, ob zu Hause oder im Büro, und die weltweite Vernetzung unserer Informationssysteme. Ein Blitzeinschlag an der richtigen Stelle, und schon geht eine Weile nichts mehr. Wir brauchen uns nur an Lothar, den Weihnachtsorkan 1999, zu erinnern, der besonders in Frankreich für die Bevölkerung empfindliche Folgen wegen des tage-, ja teilweise monatelangen Stromausfalles in großen Gebieten hatte.
Aber so weit brauchen wir gar nicht zurückzugehen. Denken wir nur an die sintflutartigen Regenfälle in der ersten Hälfte des Monats August 2002 in weiten Teilen Mitteleuropas und des Balkans, die Tage danach zu Überschwemmungen ungeahnten Ausmaßes führten. In manchen Gebieten wie beispielsweise Mittelitalien vernichteten faustgroße Hagelkörner zusätzlich landwirtschaftliche Anpflanzungen, welche die Niederschläge einigermaßen überstanden hatten. Allerdings sind all diese Schäden nicht angetan, daß ganze Völker ihre angestammten Siedlungsgebiete deswegen verlassen, um nach neuen Ufern aufzubrechen, die wettermäßig günstiger sind. Auch weltpolitisch haben solche Wetterereignisse kaum noch Folgen, so schlimm das Ereignis auch für die Betroffenen ist. Die weltweite Verflechtung der Wirtschafts- und Finanzsysteme bietet da doch einen gewissen Schutz. Die ständig wiederkehrenden Überschwemmungskatastrophen im Fernen Osten zeigen das. Aber strategisch betrachtet, spielt das Wetter heute noch eine größere Rolle als früher.
Mit einem meteorologischen Basiswissen, das in einprägsamer Form zu Beginn des kleinen Werkes vermittelt wird, gelingt es, dem Leser kurzweilig Geschehnisse in der Vergangenheit aufzuzeigen, deren Ausgang eindeutig vom Wetter bestimmt wurde und die globale Folgen hatten. So wie die letztlich durch eine zum ungünstigen Zeitpunkt aufgetretene Schlechtwetterlage die Pläne des spanischen Königs Philipp II. zur Eroberung der Britischen Inseln scheitern ließ. Oder auch die Revolution in Frankreich, deren endgültiger Ausbruch eine Folge äußerst schlechten Wetters zu einem ungünstigen Zeitpunkt war. Gerade aber dieser Revolutionsausbruch hatte auch für die Meteorologie Folgen. Er bedeutete das Ende des Anfanges eines der ersten weltweiten Wetterbeobachtungssysteme, das der Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz von 1780 bis 1795 unterhielt und aus seiner Privatschatulle finanzierte. 36 über Europa vom Ural bis Frankreich und von Skandinavien bis Italien verstreute Stationen, eine Station auf Grönland und zwei Stationen an der Ostküste Nordamerikas umfaßte das Netz. Die Daten wurden alle nach Mannheim in die Residenz des Kurfürsten gesandt und dort ausgewertet.
Schon immer wollte man unter Einbeziehung des Wetters planen. Doch über Jahrtausende tappte man im dunkeln. In unserer heutigen Welt sind wir da ein ganzes Stück weiter. Aber trotz allen Wissens scheitern auch wir manchmal noch an einem, dem Wetter. Zwar berechnen wir seine Entwicklung für die nächsten Tage im voraus mit gutem Erfolg, doch immer noch nicht 100prozentig. Auch Möglichkeiten der Wetterbeeinflussung haben wir uns geschaffen, zwar zum jetzigen Zeitpunkt noch im kleinen, regionalen Rahmen und nur auf wenige Parameter beschränkt, doch der Mensch forscht weiter. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse haben uns schon viel gebracht, aber dennoch sind wir bis heute machtlos gegen plötzlich über uns hereinbrechende katastrophale Wetterereignisse. Zwar bereiten wir uns aufgrund frühzeitiger Warnungen vor, die Folgen der Ereignisse zu mildern, doch wenn sie zu groß sind, gelingt das auch nicht immer in der gewünschten Weise. Nach wie vor gilt trotz aller Erkenntnisse: Alles läßt sich planen, nur das Wetter nicht!