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Deutscher Zukunftspreis : Wenn Maschinen sehen lernen...

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Bringt Maschinen das Sehen bei: Rudolf Schwarte Bild: Deutscher Zukunftspreis

Der Siegener Forscher hat eine 3D-Kamera entwickelt, mit der Maschinen in Echtzeit ihr räumliches Umfeld erfassen können.

          Wie von Zauberhand geführt gleitet der Staubsauger durch die Wohnung. Der Haushaltshelfer scheint sich auszukennen, weicht Stuhlbeinen und Schränken geschickt aus und schließt sich nach getaner Arbeit selber wieder an seine Ladestation an. Dieses Szenario ist nach Einschätzung von Professor Rudolf Schwarte keine Zukunftsmusik mehr.

          Der Siegener Forscher hat zusammen mit Bernd Buxbaum und Torsten Gollewski eine 3D-Kamera entwickelt, mit der Maschinen in Echtzeit ihr räumliches Umfeld erfassen können. Für diese Entwicklung wurde die Siegener Firma PMD-Technologies für den Zukunftspreis 2002 nominiert, der am 3. Dezember vergeben wird.

          Eine Million Mal kleiner als bisherige Technik

          Die Siegener haben der Echtzeit-Kamera eine dritte Dimension eröffnet, die sich bisher nur durch großen und teuren technischen Aufwand erfassen ließ, etwa mit mechanischen Scannern. Der Chip, auf dem die räumlich Wahrnehmung realisiert wird, ist eine Million Mal kleiner als bisherige Technik. Das in Siegen entwickelte Herzstück wird demnächst in Lizenz von der Dresdener Halbleiterfabrik ZMD für wenige Cent produziert. Zusammen mit Kameralinse und Leuchtdioden werde das komplette Element rund 100 Euro kosten, schätzt PMD- Geschäftsführer Buxbaum. Damit würden zahlreiche Anwendungen machbar und bezahlbar.

          „Wir arbeiten derzeit vor allem an Applikationen im Automotive- Bereich“, sagt Buxbaum. So wird in einigen Jahren möglicherweise eine 3D-Kamera so genannten Smart-Airbags mitteilen, ob der Beifahrer groß oder klein ist, um so die optimale Auslösung zu steuern. Und sie könnte die Zündung stoppen, wenn der Kopf zu weit vorne ist und damit Verletzungen verhindern. „An einem solchen System arbeiten wir zusammen mit Audi“, sagt Buxbaum.

          Toter Winkel ausgetrickst

          Zusammen mit Volkswagen rücken die Siegener dem toten Winkel im Rückspiegel zu Leibe. Eine Kamera im Rückspiegel nimmt wahr, was sich schräg hinter dem Auto tut. Setzt der Fahrer dann trotz Bewegung im toten Winkel den Blinker oder lenkt, weil er ausscheren will, wird er gewarnt. „Die technischen Möglichkeiten sind vorhanden“, sagt Buxbaum.

          „Die Verantwortung für das Autofahren bleibt aber immer beim Fahrer“, sagt Schwarte. Aber die neue Technik könne das Fahren sicherer machen und helfen, dass Unfälle nicht so schwer sind oder sie sogar verhindern. Derzeit kann das PMD-Element Umrisse in Entfernungen von bis zu 7,5 Metern Millimeter genau wahrnehmen. „Wir werden auch in den Bereich von 50 oder 100 Metern kommen“, sagt Schwarte. Dann stehe der Entwicklung von wirksamen „pre-crash“- Systemen nicht mehr viel im Wege.

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