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Weniger Autodiebstähle Die Wegfahrsperre schreckt ab

09.06.2005 ·  Der Autoklau-Boom nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist vorbei. Im Vergleich zum Jahr 1993 sank die Zahl der Autodiebstähle um rund 70 Prozent.

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Als der eiserne Vorhang fiel, stieg zunächst unaufhaltsam der Wunsch, mit einem Automobil die Welt zu erkunden. Auch wuchs in ganz Europa der Bedarf derjenigen, die in den Umbruchzeiten zu etwas Geld gekommen waren, ihr Ansehen durch einen besonders schicken, eigentlich aber unerschwinglichen Wagen zu heben. Das Ergebnis, neben einem schwunghaften legalen Gebrauchtwagenhandel: 214.000 gestohlene Autos in Deutschland.

Inzwischen haben sich die Zustände drastisch verändert. Als Innenminister Otto Schily am Donnerstag die polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2004 vortrug, konnte er davon berichten, daß die Zahl der Autodiebstähle abermals gesunken sei, und zwar um fast sieben Prozent. Im vergangenen Jahr wurden demnach 58.000 Autos gestohlen. Im Vergleich zu 1993 sei dies ein Rückgang um 70 Prozent. Es gibt nur wenige Deliktgruppen, wo durch Gegenmittel derartig große Erfolge erzielt werden. Normalerweise, so ein Sprecher des ADAC, seien die Verbrecher der Polizei ja meist einen Schritt voraus. Hier aber sei es umgekehrt gewesen. Autodiebstahl sei inzwischen eine Sache für Profis.

Einfach und kompliziert zugleich

Die Verteidigungswaffe ist einfach und kompliziert zugleich und heißt „elektronische Wegfahrsperre“. Sie führt dazu, daß bei mißbräuchlicher Nutzung des Fahrzeugs dessen Motor entweder gar nicht anspringt, oder aber schon nach wenigen Metern wieder ausgeht, wenn es an den richtigen elektronischen Signalen des Chips - meist im Autoschlüssel integriert - fehlt. Der Code der Wegfahrsperre ist schwer zu knacken, weil der Schlüssel nicht bloß eine feste Zugehörigkeitskombination zum Auto enthält, sondern zusätzlich einen Wechselcode, der sich bei jedem Startvorgang ändert. Nur wenn beide Zugangsdaten stimmen, kann losgefahren werden.

Ein Mittel allerdings steht weiterhin zur Verfügung: der Abtransport des gesamten Fahrzeugs. Dieses unerfreuliche Erlebnis haben gelegentlich Eigentümer von besonderen Autos, meist besonders teuren. Die werden, so ein Sprecher des ADAC, auf Bestellung gestohlen. Und meist nie wiedergefunden, wie die Gewerkschaft der Polizei ohne weiteres zugibt. Dementsprechend niedrig fällt die Aufklärungsquote aus: 2004 lag sie bei gerade mal 27 Prozent.

Wo sind die Fahrräder und Autoradios?

Weil der Abtransport so leicht ist und die stählernen Wegfahrsperren vom dümmsten Kraftmeier geknackt werden können, werden in Deutschland immer noch sehr viele Fahrräder gestohlen, nämlich etwas mehr als 400.000. Und auch wenn die durchschnittliche Aufklärungsquote bei allen Delikten bei mehr als 50 Prozent liegt (54,2 Prozent), der Fahrraddieb hat noch eine echte Erfolgschance unerkannt zu bleiben. Denn nur zehn Prozent aller Fälle werden aufgeklärt.

Niemand aber kann sagen, wohin eigentlich all die Fahrräder verschwinden. Zu den Rätseln in diesem Zusamenhang gehört seit langem auch die Frage, was eigentlich mit den Tausenden Autoradios passiert ist, die zeitweise und besonders gerne Anfang der neunziger Jahre gestohlen wurden. Inzwischen ist auch diese Frage überflüssig. Denn für die Autoradios gilt inzwischen weitgehend dasselbe wie für die Autos selbst. Sie sind durch individuelle, fahrzeugbezogene Codierungen viel besser geschützt als noch vor zehn Jahren. Eine Garantie gegen Diebstahl sind solche Statistiken allerdings nicht.

Quelle: pca. / F.A.Z., 10.06.2005
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