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Wende-Museum in Los Angeles : Kommunismus in Kalifornien

  • -Aktualisiert am

DDR in Kisten: Das Wende-Museum bewahrt alles auf. Bild: Aus dem Bildband "Jenseits der Mauer: Kunst und Alltagsgegenstände aus der DDR"; Taschen Verlag

In Deutschland wird die Einheit gefeiert, im „Wende-Museum“ in Los Angeles tummeln sich Memorabilia des Kalten Krieges. Der Inhaber behauptet sogar, das originale Sektorenschild von Checkpoint Charlie in seiner Sammlung zu haben.

          Es wirkt täuschend echt, zumindest hier, in einem Keller in Ladera Heights. „You are leaving the American sector“, mahnt der Nachbau des Grenzschildes, das bis zum Mauerfall am Checkpoint Charlie in Berlin Ost und West trennte. Wie die Replik, so soll auch das Original seit mehr als 20 Jahren in Kalifornien lagern, in einer Garage in den Hollywood Hills, gerade mal zehn Kilometer entfernt von Ladera Heights.

          „Es ist eines der bekanntesten Symbole des Kalten Krieges. Deswegen haben wir es in die Sammlung aufgenommen“, sagt Justinian Jampol, der Gründer des kalifornischen Wende-Museums. Dass im Keller des Betonbaus am Buckingham Parkway nur eine Kopie des Sektorenschildes steht, schmälert die Bedeutung für den Kulturhistoriker nicht. „Wir sind mehr an der Geschichte eines Objekts interessiert als an dem Objekt selbst.“

          Der Weg des Grenzschildes von Berlin nach Hollywood, den der Achtunddreißigjährige rekonstruiert hat, zählt tatsächlich zu den Abenteuern der Wendezeit. Es begann am 9. November 1989, als der Amerikaner Alan Wolan die Fernsehbilder aus Berlin sah, wo Grenzsoldaten der DDR kurz vor Mitternacht die ersten Tore an der Bornholmer Straße öffneten. Wolan kündigte seine Stelle bei einer Werbeagentur in New York, zog nach Berlin und eröffnete an der Friedrichstraße einen Laden, der Touristen mit Mauersplittern, T-Shirts und anderen Memorabilien der Wiedervereinigung versorgte.

          Souvenir vom Checkpoint Charlie

          Wie der geschäftstüchtige Amerikaner später erzählte, hatte er damals schon ein Auge auf ein besonderes Souvenir geworfen. „Mit ein paar Freunden fuhr Wolan in der Nacht des 22. Juni 1990 an die Friedrichstraße, um das Grenzschild abzusägen. Das Ganze dauerte nur knapp 15 Minuten“, sagt Jampol.

          Einige Stunden zuvor war der Übergang Checkpoint Charlie bei einer Gedenkfeier offiziell abgerissen worden. Die Kontrollbaracke schwebte damals an einem Kran über die Köpfe der vier alliierten Außenminister hinweg, das geschichtsträchtige Sektorenschild blieb aber an seinem Platz.

          In den Jahren nach den nächtlichen Sägearbeiten transportierte Wolan das Schild von Wohnung zu Wohnung. Als der Amerikaner im Jahr 1994 nach New York zurückkehrte, ließ er die mannshohe Holztafel mit den Großbuchstaben in vier Sprachen an Bord eines Frachters über den Atlantik bringen.

          Erinnerungen an die Grenze: Memorabilia im Wende-Museum Bilderstrecke
          Erinnerungen an die Grenze: Memorabilia im Wende-Museum :

          Seit sechs Jahren steht das Checkpoint-Charlie-Relikt nun fast 10.000 Kilometer von Berlin entfernt in Wolans Garage in Los Angeles. Jampol, der an der Freien Universität Berlin studierte und in Oxford promoviert wurde, erfuhr erst bei einem Besuch Wolans von dem Relikt in der Nachbarschaft. „Bis heute gibt es natürlich Fragen“, deutet Jampol den Zwist um das Grenzschild an. Wolan ist nämlich nicht der Einzige, der meint, das Original zu besitzen.

          Auch das Berliner Museum Haus am Checkpoint Charlie, das Reste des „besten Grenzsicherungssystems der Welt“ ausstellt, rühmt sich, das Sektorenschild zu seiner Sammlung zu zählen. „Ob Wolans Exemplar echt ist oder nicht, spielt für das Wende-Museum keine Rolle“, sagt Jampol. „Der faszinierendste Aspekt ist doch, wie sich die Leute an die Vergangenheit durch bestimmte Gegenstände erinnern, unabhängig davon, ob die Stücke authentisch sind oder nicht.“

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