17.08.2001 · Auch der sechste Versuch ist gescheitert. Steve Fossett muss seine Ballonfahrt um die Welt abbrechen.
Der amerikanische Ballonfahrer Steve Fossett (57) hat seinen Solo-Weltumrundungsversuch im Ballon abgebrochen. Er sei in einem Feld bei Bage südwestlich von Porto Allegre in Brasilien gelandet, berichtete Informationsdirektorin Judith Leicht von der Bodenkontrolle in St. Louis im Bundesstaat Missouri am Freitag. Die Weiterfahrt sei wegen des schlechten Wetters zu gefährlich, hieß es.
Zuletzt hatten die Schwierigkeiten bei der Fahrt immer mehr zugenommen. Der Abenteurer war wesentlich langsamer vorangekommen als geplant. Zudem ging der Sauerstoffvorrat zur Neige, was eine tiefere Fahrt und somit weitere Verzögerungen zur Folge gehabt hätte. Außerdem geriet Fossett mit seinem Ballon bereits über den Anden in eine Schlechtwetterfront. Nun musste er endgültig aufgeben - auch wegen Übermüdung. Es war Fossetts sechster Versuch, allein in einem Ballon die Welt zu umrunden. Diesen Traum verfolgt der Abenteurer nun bereits seit zehn Jahren.
Riesige Enttäuschung beim Team
Die Enttäuschung war am Freitag auch im Kontrollzentrum dementsprechend immens. Doch angesichts der widrigen Umstände zögerte Flugdirektor Joe Ritchie nicht, auf Nummer Sicher zu gehen. Eine Fortsetzung der Fahrt über den Atlantik wäre für Fossett lebensgefährlich gewesen. „Die Atlantiküberquerung hätte drei Tage über einer Schlechtwetterfront bedeutet“, sagte der Flugdirektor. „Dabei besteht das Risiko, dass der Ballon vereist. Damit ist nicht zu spaßen.“
Als das Aus kam, schwebte das eine Million Dollar teure Gefährt „Solo Spirit“ in rund rund 6.000 Metern Höhe über der Grenze von Uruguay und Brasilien. Hinter Fossett lagen 36 schwere Stunden. Über den chilenischen Anden geriet der Ballon bereits am Donnerstag in so starke Turbulenzen, dass der Abenteurer sich auf einen dramatischen Rettungssprung am Fallschirm aus der Kapsel einstellte. „Irgendwann entdeckte er Sterne und wir wussten, dass er den Sturm hinter sich hatte“, berichtete Projektmanager Tim Cole. Doch die Erleichterung war von kurzer Dauer.
Ein Rekord als Trostpreis
Ein Rekord bleibt Fossett als Trostpreis: Bereits am Mittwoch war er nach zehn Tagen, drei Stunden und 29 Minuten länger als je ein einzelner Ballonfahrer vor ihm in der Luft gewesen. Die Ehre der allerersten Weltumrundung im Ballon kann Fossett ohnehin nicht mehr einheimsen: Das gelang dem Schweizer Bertrand Piccard und dem Briten Brian Jones vor zwei Jahren. Die beiden waren im März 1999 in 20 Tagen um die Welt gefahren und hatten dabei 40 800 Kilometer zurückgelegt.