Home
http://www.faz.net/-gum-73qaq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Weltstottertag Stotterer fordern ungehinderte Rede

Am Weltstottertag rufen Betroffene zu mehr Höflichkeit im Gespräch mit Sprechbehinderten auf. In Deutschland gibt es etwa 800.000 Stotterer, die ständig während des Sprechens unterbrochen würden.

© Kretzer, Michael Vergrößern Eine Logopädin und ein Therapiehund kümmern sich um einen jungen Patienten zur Sprachförderung

„Lasst uns bitte ausreden.“ Diesen Appell richtet das „Institut der Kasseler Stottertherapie“ zum „Weltstottertag“ an diesem Montag an jeden, der einem Stotterer begegnet. „Nehmen Sie stotternde Menschen als Gesprächspartner ernst, hören Sie ruhig zu, lassen Sie uns ausreden und halten Sie aufmerksam Blickkontakt. Auch die weiche, gebundene Sprechtechnik, die Stotterer flüssig reden lässt, erfordert von den Mitmenschen etwas Geduld und Gewöhnung beim Zuhören“, sagt der Leiter des Instituts der Kasseler Stottertherapie, Alexander Wolff von Gudenberg, zum Stottertag.

Claus Peter Müller Folgen:  

Von Gudenberg ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Stimm- und Sprachstörungen und selbst seit seiner Kindheit Stotterer. Es gebe in Deutschland etwa 800.000 Stotterer, die unter einem verkrampften und herabsetzenden Umgang mit ihnen litten. „Das muss sich ändern“, sagt von Gudenberg. Stottern habe nichts mit Dummheit oder neurotischen Störungen zu tun, sondern sei eine organisch verursachte vererbbare Sprechbehinderung. Stotternde Menschen seien schon gar keine Witzfiguren.

Entmündigend und demütigend

Von Gudenberg fordert Anstand im Umgang mit Stotterern. Niemand solle seinem Gesprächspartner ins Wort fallen oder ihn mitten im Satz unterbrechen. Das sei eigentlich selbstverständlich und gehöre zu einem höflichen und respektvollen Miteinander. Doch im Umgang mit stotternden Menschen scheine dieses ungeschriebene Gesetz außer Kraft gesetzt. Zahlreiche Menschen reagierten auf Stotterer, indem sie einfach für sie weitersprechen, ihnen die Wortfindung abnehmen, ungeduldig Sätze vervollständigen und möglichst auf Blickkontakt verzichten.

Hinter solchen Reaktionen stecke meist kein böser Wille. Die Gesprächspartner fühlten sich angesichts des Stotterers vielmehr hilflos, verunsichert und peinlich berührt. Aber Stotterer empfänden dieses Verhalten als entmündigend und demütigend, sagt der Arzt und Stotterer von Gudenberg. Eine andere - nicht minder entwürdigende - Reaktion der Umwelt sei die mitleidsvolle Überbehütung. Gesprächspartner nähmen dann den Stotterer an die Hand und sprächen plötzlich ganz laut und in einfachen Sätzen, als sei ihr Gegenüber geistig eingeschränkt.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Die Barbarei der Dschihadisten Im Namen des Schwertes

Argumentieren zwecklos: Die Dschihadisten des „Islamischen Staats“ schalten alle Beschränkungen aus, die wir im Laufe des Zivilisationsprozesses verinnerlicht haben. Der Kampf erlaubt ihnen, sich ganz ihren Trieben hinzugeben. Mehr

20.08.2014, 12:55 Uhr | Feuilleton
Wahrscheinlichkeitsdenken Rechnen Sie mit dem Schlimmsten

Lauter Glücksspiele: Wirtschaft und Politik werden mehr und mehr über Wahrscheinlichkeitsrechnungen gesteuert, die Computer durchführen. Was bedeutet das für die Gesellschaft? Mehr

21.08.2014, 14:20 Uhr | Feuilleton
Konflikt in Mali Zurück auf Start

Die neue malische Armee hat eine krachende Niederlage gegen Tuareg-Rebellen eingesteckt. Peinlich – auch für die europäischen Ausbilder. Mehr

26.08.2014, 14:39 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.10.2012, 21:28 Uhr

Heimlich getraut Angelina Jolie und Brad Pitt haben geheiratet

Keine Hochzeit wurde mit ähnlich großer Spannung erwartet: Angelina Jolie und Brad Pitt haben sich das Ja-Wort gegeben. Wie und wo erfahren Sie im Smalltalk. Mehr 17

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden