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Weltstottertag Stotterer fordern ungehinderte Rede

Am Weltstottertag rufen Betroffene zu mehr Höflichkeit im Gespräch mit Sprechbehinderten auf. In Deutschland gibt es etwa 800.000 Stotterer, die ständig während des Sprechens unterbrochen würden.

© Kretzer, Michael Eine Logopädin und ein Therapiehund kümmern sich um einen jungen Patienten zur Sprachförderung

„Lasst uns bitte ausreden.“ Diesen Appell richtet das „Institut der Kasseler Stottertherapie“ zum „Weltstottertag“ an diesem Montag an jeden, der einem Stotterer begegnet. „Nehmen Sie stotternde Menschen als Gesprächspartner ernst, hören Sie ruhig zu, lassen Sie uns ausreden und halten Sie aufmerksam Blickkontakt. Auch die weiche, gebundene Sprechtechnik, die Stotterer flüssig reden lässt, erfordert von den Mitmenschen etwas Geduld und Gewöhnung beim Zuhören“, sagt der Leiter des Instituts der Kasseler Stottertherapie, Alexander Wolff von Gudenberg, zum Stottertag.

Claus Peter Müller Folgen:

Von Gudenberg ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Stimm- und Sprachstörungen und selbst seit seiner Kindheit Stotterer. Es gebe in Deutschland etwa 800.000 Stotterer, die unter einem verkrampften und herabsetzenden Umgang mit ihnen litten. „Das muss sich ändern“, sagt von Gudenberg. Stottern habe nichts mit Dummheit oder neurotischen Störungen zu tun, sondern sei eine organisch verursachte vererbbare Sprechbehinderung. Stotternde Menschen seien schon gar keine Witzfiguren.

Entmündigend und demütigend

Von Gudenberg fordert Anstand im Umgang mit Stotterern. Niemand solle seinem Gesprächspartner ins Wort fallen oder ihn mitten im Satz unterbrechen. Das sei eigentlich selbstverständlich und gehöre zu einem höflichen und respektvollen Miteinander. Doch im Umgang mit stotternden Menschen scheine dieses ungeschriebene Gesetz außer Kraft gesetzt. Zahlreiche Menschen reagierten auf Stotterer, indem sie einfach für sie weitersprechen, ihnen die Wortfindung abnehmen, ungeduldig Sätze vervollständigen und möglichst auf Blickkontakt verzichten.

Hinter solchen Reaktionen stecke meist kein böser Wille. Die Gesprächspartner fühlten sich angesichts des Stotterers vielmehr hilflos, verunsichert und peinlich berührt. Aber Stotterer empfänden dieses Verhalten als entmündigend und demütigend, sagt der Arzt und Stotterer von Gudenberg. Eine andere - nicht minder entwürdigende - Reaktion der Umwelt sei die mitleidsvolle Überbehütung. Gesprächspartner nähmen dann den Stotterer an die Hand und sprächen plötzlich ganz laut und in einfachen Sätzen, als sei ihr Gegenüber geistig eingeschränkt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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