http://www.faz.net/-gum-73qaq

Weltstottertag : Stotterer fordern ungehinderte Rede

  • -Aktualisiert am

Eine Logopädin und ein Therapiehund kümmern sich um einen jungen Patienten zur Sprachförderung Bild: Kretzer, Michael

Am Weltstottertag rufen Betroffene zu mehr Höflichkeit im Gespräch mit Sprechbehinderten auf. In Deutschland gibt es etwa 800.000 Stotterer, die ständig während des Sprechens unterbrochen würden.

          „Lasst uns bitte ausreden.“ Diesen Appell richtet das „Institut der Kasseler Stottertherapie“ zum „Weltstottertag“ an diesem Montag an jeden, der einem Stotterer begegnet. „Nehmen Sie stotternde Menschen als Gesprächspartner ernst, hören Sie ruhig zu, lassen Sie uns ausreden und halten Sie aufmerksam Blickkontakt. Auch die weiche, gebundene Sprechtechnik, die Stotterer flüssig reden lässt, erfordert von den Mitmenschen etwas Geduld und Gewöhnung beim Zuhören“, sagt der Leiter des Instituts der Kasseler Stottertherapie, Alexander Wolff von Gudenberg, zum Stottertag.

          Von Gudenberg ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Stimm- und Sprachstörungen und selbst seit seiner Kindheit Stotterer. Es gebe in Deutschland etwa 800.000 Stotterer, die unter einem verkrampften und herabsetzenden Umgang mit ihnen litten. „Das muss sich ändern“, sagt von Gudenberg. Stottern habe nichts mit Dummheit oder neurotischen Störungen zu tun, sondern sei eine organisch verursachte vererbbare Sprechbehinderung. Stotternde Menschen seien schon gar keine Witzfiguren.

          Entmündigend und demütigend

          Von Gudenberg fordert Anstand im Umgang mit Stotterern. Niemand solle seinem Gesprächspartner ins Wort fallen oder ihn mitten im Satz unterbrechen. Das sei eigentlich selbstverständlich und gehöre zu einem höflichen und respektvollen Miteinander. Doch im Umgang mit stotternden Menschen scheine dieses ungeschriebene Gesetz außer Kraft gesetzt. Zahlreiche Menschen reagierten auf Stotterer, indem sie einfach für sie weitersprechen, ihnen die Wortfindung abnehmen, ungeduldig Sätze vervollständigen und möglichst auf Blickkontakt verzichten.

          Hinter solchen Reaktionen stecke meist kein böser Wille. Die Gesprächspartner fühlten sich angesichts des Stotterers vielmehr hilflos, verunsichert und peinlich berührt. Aber Stotterer empfänden dieses Verhalten als entmündigend und demütigend, sagt der Arzt und Stotterer von Gudenberg. Eine andere - nicht minder entwürdigende - Reaktion der Umwelt sei die mitleidsvolle Überbehütung. Gesprächspartner nähmen dann den Stotterer an die Hand und sprächen plötzlich ganz laut und in einfachen Sätzen, als sei ihr Gegenüber geistig eingeschränkt.

          Weitere Themen

          Kind, wo bist du?

          Teenager in Ausgeh-Laune : Kind, wo bist du?

          Freitagabend ist für viele Eltern der aufregendste Tag der Woche – denn der Teenager zieht mit Freunden um die Häuser. Doch wie sollen Eltern mit dem Ausgeh-Thema gelassen umgehen?

          Topmeldungen

          Ein Sommer wie gemalt?

          Ökologische Schattenseiten : Dieser Sommer ist kein Grund zur Freude

          Hinter der Fassade von Sonnenschein und mild-warmen Temperaturen wird auch der Sommer 2018 mit seiner extremen Trockenheit tiefe Spuren in der Natur hinterlassen. Und die Natur verzeiht nicht, wie die Ökologen feststellen müssen.
          Setzt sich an die Spitze der Aufklärung: Verteidigungsministerin von der Leyen am Mittwoch in Berlin

          Umstrittene Beraterverträge : Beben im Bendlerblock

          Ursula von der Leyen soll freihändig mit Beraterverträgen umgegangen sein. Sie verspricht Aufklärung. Die Opposition hingegen wittert schon den großen Skandal.

          Reaktionen zur Medienkritik : „Die Bayern wollen ablenken“

          Der Deutsche Journalisten-Verband weist die Medienschelte des FC Bayern zurück. Auch die angegriffenen Lothar Matthäus und Olaf Thon äußern sich. Und im Netz sorgt die Pressekonferenz für mächtig Aufsehen.
          Ist die Debatte, ob der Islam zu Deutschland gehört, leid: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

          Islam und Christentum : Was zu uns gehört

          Der Staat darf nichts von einer Religion erwarten, außer, dass sie sich im Rahmen der Verfassung bewegt. Das ist nicht wenig – gerade mit Blick auf den Islam. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.