Home
http://www.faz.net/-gum-rwcn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Weltraumforschung Wieder daheim: Nach drei Hüpfern bleibt „Stardust“-Kapsel liegen

16.01.2006 ·  Die Rückkehrkapsel der amerikanischen Raumsonde „Stardust“ ist südwestlich von Salt Lake City in Utah gelandet. Sie hatte Staub an Bord, den die Sonde im Januar 2004 beim Vorbeiflug am Kopf des Kometen „Wild 2“ gesammelt hat.

Artikel Bilder (4) Video (2) Lesermeinungen (0)

Am Sonntag morgen um 11.12 Uhr mitteleuropäischer Zeit ist die Rückkehrkapsel der amerikanischen Raumsonde „Stardust“ südwestlich von Salt Lake City in Utah gelandet. Die Kapsel hatte Staub an Bord, den die Sonde im Januar 2004 beim Vorbeiflug am Kopf des Kometen „Wild 2“ gesammelt hat. Außerdem enthielt sie Proben aus zwei Strömen interstellaren Staubs, die das Planetensystem durchqueren.

Mit der Kapsel ist erstmals ein von Menschen geschaffenes Objekt nach einem interplanetaren Raumflug, der weit über die Mondbahn hinausführte, unversehrt auf die Erde zurückgekehrt. Im Oktober 2004 war eine ähnliche Kapsel, die von der Raumsonde „Genesis“ gesammelte Teilchen aus dem Sonnenwind mit sich führte, im selben Landegebiet zerschellt. Wegen eines defekten Schalters hatte sich ihr Fallschirm nicht geöffnet.

Für die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hatte die heiße Phase der „Stardust“-Mission schon rund 29 Stunden vor der Landung der Kapsel begonnen. Am Samstag morgen um 5.53 Uhr wurde das Triebwerk der Raumsonde ein letztes Mal gezündet und damit die Kapsel auf die Bahn gebracht, die sie direkt nach Utah führen würde. Mit einer Brenndauer des Triebwerks von 58,5 Sekunden wurde die Fluggeschwindigkeit um 4,6 Kilometer pro Stunde geändert. Am Samstag um 18.30 Uhr kreuzte „Stardust“ die Umlaufbahn des Mondes. Bis zum Eintritt in die Erdatmosphäre blieben ihr noch sechzehn Stunden und 27 Minuten Zeit. Die Apollo-Astronauten hatten für ihren Rückflug vom Mond zur Erde jeweils etwa drei Tage benötigt. Allerdings folgten sie dabei einer weit gekrümmten Bahn.

Mit 46.440 Kilometern pro Stunde unterwegs

Am Sonntag morgen um 5.15 Uhr begann für die Mission die computergesteuerte Endphase. Um 6.57 Uhr wurde die Rückkehrkapsel von ihrer Muttersonde getrennt. Eine Viertelstunde später brachte ein Triebwerksschub die Sonde in eine neue Umlaufbahn um die Sonne. Die Rückkehrkapsel trat um 10.57 Uhr mit einer Geschwindigkeit von 46.440 Kilometern pro Stunde in den dichteren Bereich der Erdatmosphäre ein. In gut dreißig Kilometern Höhe öffnete sich der Hilfs- und in etwa drei Kilometern Höhe der Hauptfallschirm, der die Kapsel kurz darauf auf dem Gelände des „Utah Testing and Training Range“ absetzte. Vor dem Aufprall auf der Erde hüpfte sie nach Angaben der Nasa dreimal, bevor sie auf der Seite liegenblieb. Ein Hubschrauber fand die Kapsel mit Hilfe von Infrarot eine Dreiviertelstunde später noch in der morgendlichen Dunkelheit in der Wüste. Von dort wurde die Kapsel für eine Entnahme und eine erste Analyse des Staubs zum „Dugway Proving Ground“ des amerikanischen Heers gebracht.

Für die Wissenschaftler ist die Analyse des Staubs vom Kometen „Wild 2“, an der auch deutsche Forscher beteiligt sind, von besonderem Interesse. Denn dieses Objekt bewegt sich erst seit einer Begegnung mit dem Planeten Jupiter im Jahr 1974 durch das innere Sonnensystem, wo die Zusammensetzung seiner Oberfläche durch die Sublimation von Eis - den direkten Übergang von der festen in die gasförmige Phase - im Laufe der Zeit stärker verändert wird. „Jungfräuliche“ Kometen enthalten noch Material aus der Zeit vor der Entstehung der Sonne, die vor rund 4,6 Milliarden Jahren stattfand.

Interstellarer Staub ähnelt irdischem Teer

Von großem wissenschaftlichem Wert ist aber auch die Untersuchung des interstellaren Staubs, den „Stardust“ vom Februar bis zum Mai 2000 und vom August bis zum Dezember 2002 gesammelt hat. Dieser Staub unterscheidet sich wesentlich vom interplanetaren Staub, wie eine Analyse mit einem Massenspektrometer ergeben hat, das die Raumsonde an Bord hat. Das Instrument ist unter Leitung von Jochen Kissel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München entwickelt worden. Zur Überraschung der Forscher besteht der interstellare Staub hauptsächlich aus organischen Makromolekülen, die dem irdischen Teer ähneln.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen