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Weltnichtrauchertag 140.000 Tote durch Tabakkonsum jährlich

30.05.2003 ·  Rund 140.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Darauf wies anläßlich des "Weltnichtrauchertags" am Samstag der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit in München hin.

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Rund 140.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Darauf wies anläßlich des "Weltnichtrauchertags" am Samstag der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit in München hin. Seit 1993 habe sich die Zahl der zwölf- bis fünfzehnjährigen Raucher verdoppelt. "Trotz dieser erschreckenden Zahlen ergreift die Bundesregierung keine wirksamen Gegenmaßnahmen; im Gegenteil, sie verhält sich wie ein stiller Teilhaber der Tabakkonzerne", sagten Mitarbeiter der Organisation.

Der Arbeitskreis wirft der Regierung vor, durch die gestaffelte Erhöhung der Tabaksteuer den Nikotinkonsum "möglichst hoch" zu halten. Auch verhindere sie das vielfach geforderte Tabakwerbeverbot und gefährde dadurch die Ratifizierung des Rahmenabkommens der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Tabakkontrolle durch die Europäische Gemeinschaft. Weiter kritisiert die Ärzteorganisation die Zehnerpackungen Zigaretten der Firma Reemtsma, die offenbar in erster Linie auf Kinder und Jugendliche ziele. Es sei dringend an der Zeit, daß die Bundesregierung aktiv werde und ihre "Kollaboration mit den Tabakkonzernen" beende. Auch der katholische Sucht-Selbsthilfeverband "Kreuzbund" verlangte schärfere Schritte gegen das Rauchen. Jeder zweite Langzeitraucher sterbe wegen seines Zigarettenkonsums vorzeitig, stellte der Verband am Freitag in Hamm fest. Die volkswirtschaftlichen Kosten durch das Rauchen bedingter Krankheiten beliefen sich auf jährlich 17 Milliarden Euro.

Die WHO hat die Mode- und Filmindustrie aufgefordert, auf jede Werbung für Tabakwaren zu verzichten. Film und Mode könnten nicht direkt beschuldigt werden, Krebs zu verursachen, aber sie sollten sich nicht von der Tabakindustrie mißbrauchen lassen, heißt es in einer am Freitag in Genf verbreiteten Erklärung der WHO zum "Weltnichtrauchertag" am Samstag. Die Aktionen der WHO konzentrieren sich in diesem Jahr unter anderem auf die amerikanische und indische Filmindustrie in Hollywood und Mumbai sowie die italienische Modebranche.

Film und Mode legten vielfach die Normen für Schönheit, Erfolg und Spaß fest. Wegen ihrer gewaltigen Einflußmöglichkeiten seien beide Branchen zum Ziel der Marketing- Fachleute der Tabakindustrie geworden. Acht der zehn erfolgreichsten Hollywood-Filme der Jahre 1999 und 2000 zeigten Raucher. Insbesondere junge Zuschauer, die viele Raucher-Szenen sähen, würden wahrscheinlich eher mit dem Rauchen beginnen.

Nach Angaben der WHO sterben jährlich rund 4,9 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Während der WHO-Jahreskonferenz im Mai dieses Jahres wurde von den 192 Mitgliedsländern die erste auf der ganzen Welt gültige Anti-Tabak-Konvention verabschiedet. Darin wird zu einem Verbot der Tabak-Werbung und des Sponsering aufgerufen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2003, Nr. 125 / Seite 9
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