13.08.2005 · 4000 Polizisten, versiegelte Gullideckel, Luftüberwachung, Taucher im Rhein - beim Weltjugendtag in Köln steht die Sicherheit im Vordergrund. Wie der Papst und die anderen Besucher geschützt werden sollen.
Von Peter SchilderEs ist fast eine Glaubensfrage, ob das Weltjugendtreffen ein Sicherheitsrisiko ist oder nicht. Die einen sehen in dem friedlichen Treffen so vieler Jugendlicher kein Angriffsziel bösartiger Absichten. Den anderen genügt allein die Zahl von 400.000 bis 800.000 Menschen, um das Treffen als mögliches Ziel von Terroristen auszumachen.
Beide Sichtweisen sind möglich. Es ist einfach vorher nicht zu sagen, was passiert. Wenn auch am Ende nichts passiert sein wird - die Sicherheit der Gäste, vor allem die des Papstes, muß gewährleistet sein. Deshalb hat das Sicherheitskonzept eine besonders große Bedeutung bei der Vorbereitung des Weltjugendtags.
Genaueres wird - das ist Teil des Sicherheitskonzepts - über das Sicherheitskonzept natürlich nicht verraten. Aber es umfaßt die großräumige Luftüberwachung mit Awacs-Flugzeugen der Nato ebenso wie die stichprobenartige Rucksackkontrolle einzelner Teilnehmer. Mindestens 4000 Polizisten werden in der nächsten Woche in Köln und Umgebung Dienst tun. Noch einmal so viele Ordnungskräfte von Sicherheitsdiensten werden hinzukommen. Die genauen Zahlen werden in solchen Fällen nicht bekanntgegeben. Aber der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf (FDP) zeigt sich zuversichtlich: „Unsere Sicherheitsbehörden sind äußerst wachsam und gut vorbereitet.“
Sicherheitsstufe eins
Ein Mann hat wesentlich mitgeholfen, das Zusammenspiel von Schweizer Garde, Bundeskriminalamt, Bundeswehr, Landespolizei und den Kräften des Kölner Ordnungsamt zu organisieren: Winrich Granitzka. Der Mann hat Erfahrung mit den solchen Aufgaben. Er war bis vor wenigen Jahren Leitender Polizeidirektor in Köln. Bereits bei den Deutschland-Besuchen von Papst Johannes Paul II. 1980 und 1987 gehörte er dem Führungsstab der Polizei an, und 1999 hat er die Sicherheit während des EU- und G8-Gipfels gewährleistet.
Das ist damals gut gelungen, ohne daß Köln in eine Festung verwandelt worden wäre. Auch bei mehreren Geiselnahmen leitete Granitzka den Polizeieinsatz, ebenso beim Zugunglück von Brühl im Februar 2000. Nach seiner Pensionierung hat der 62 Jahre alte Mann eine Firma für Sicherheitsberatung gegründet. Im Weltjugendtagsbüro heißt er einfach „Bereichsleiter Sicherheit und Protokoll“.
Jetzt, da die ersten Teilnehmer schon im Kölner Stadtbild zu erkennen sind, muß sich das ausgedachte und gemeinsam entwickelte Konzept bewähren. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Wer mit hängendem Kopf statt fröhlich in einen Himmel schauend, der Wetterbesserung verspricht, durch die Kölner Innenstadt bummelt, dem könnten die schwarzen Streifen an den Gulli-Deckeln auffallen. Etwa 500 der Deckel sind zwischen Dom und Rhein angehoben, überprüft und versiegelt worden - vor allem an jenen Strecken, an denen sich Papst Benedikt XVI. bewegen wird.
Um den Papst herum gilt Sicherheitsstufe eins, die höchste. Die Bürger, die in diesen Gebieten wohnen, gelangen nur mit Sonderausweisen in ihre Wohnungen. Zur Sicherheit der Pilger, die den Dom besuchen, bleiben die Straßen in nächster Nähe während des gesamten Weltjugendtags für den Autoverkehr gesperrt. Auch mehrere Straßen in der Innenstadt sind vom Montag bis zum Freitag für den Autoverkehr gesperrt. Anwohner dürfen mit ihren Autos nur dann uin das Gebiet, wenn sie einen Garagenplatz haben.
„Es muß wohl so sein in dieser Zeit“
Die Zufahrt zum Bahnhof wird ausschließlich für Taxen erlaubt, Privatwagen müssen draußen bleiben. Wenn der Papst am Donnerstag den Dom besucht, werden mutmaßlich Dutzende, wenn nicht Hunderte Autos abgeschleppt werden, die trotz Halteverboten in der Nähe geparkt wurden. Die Verkehrsleitzentrale hat zum besseren Überblick sogar einen Zeppelin im Einsatz, der beim Anfertigen eines Lageberichts im Halbstundentakt hilft.
Die Infotafeln in der Stadt geben dann nicht nur auf Deutsch, sondern in vielen anderen Sprachen Hinweise - selbst in Latein, was dann wohl außer dem Papst kaum jemand wird lesen können. Die Kölner murren ein bißchen über all die kuriosen Einschränkungen und akzeptieren dann doch die Belästigung: „Es muß wohl so sein in dieser Zeit.“
Auf den Poller Wiesen am Rhein, wo der Papst am Donnerstag nach seiner Ankunft die Kölner begrüßen wird, hat das Innenministerium in den vergangenen Monaten den Kampfmittelräumdienst geschickt. Der ist fündig geworden und hat 32 Bomben, 31 Brandbomben, 15 Rohrwaffengeschosse, 2200 Sprengkörper, 73 Kilogramm Munitionsteile und 13.500 Kilogramm Schrott ausgegraben. Nun gelten die Poller Wiesen als bombenfrei wie kaum ein anderes Stück Köln.
Vorfahrt für den Papst
Im Auge der Sicherheit werden alle Versammlungsorte des Weltjugendtages gehalten, unauffällig und dezent. Die Teilnehmer werden das kaum bemerken. Wichtigster Versammlungsort ist das Marienfeld bei Kerpen, wo die jungen Leute am Samstag und Sonntag mit dem Papst zusammenkommen. Bis zu 800.000 Menschen werden da erwartet. Für etwa eine Million ist Platz. Das ist eine Menge, die nur noch schwer zu überschauen ist. Deshalb muß der Platz besonders geschützt werden. Dabei geht es nicht nur um einen terroristischen Anschlag. Auch ein plötzliches Unwetter, etwa ein Blitzeinschlag und eine daraus oder aus anderen Ursachen resultierende Massenpanik müssen bedacht sein. Das kann nicht geübt werden, aber inzwischen kann man das mit einem Computerprogramm simulieren. Für das Marienfeld ist ein solches Programm angewandt worden. So hat man wahrscheinliche Fluchtwege ermittelt und diese dann als solche eingerichtet.
Wo Kontrolle und Organisation nichts mehr helfen, wird ganz gesperrt. Außerdem werden vor dem Altar Sicherheitsschleusen aufgebaut wie am Flughafen. Stichprobenartig werden auch die Rucksäcke und Taschen der Pilger auf dem früheren Tagebaugelände überprüft und durchsucht - das diene der Abschreckung und Beruhigung gleichermaßen. Die Besucher des Marienfeldes werden sich jedenfalls auf lange Fußmärsche einrichten müssen.
Auch die Rheinbrücken, unter denen der Papst hindurchfährt, werden zeitweilig geschlossen. Niemand soll einen Stein oder sonst irgendetwas auf den Papst werfen können. Zeitweilig werden nicht einmal Züge über die Hohenzollernbrücke rollen. Fluggäste, die am Donnerstag oder Sonntag von Köln-Bonn aus abfliegen wollen, sollten sich frühzeitig auf den Weg machen. Im Zweifelsfall hat der Papst immer Vorfahrt.