Home
http://www.faz.net/-gum-s12k
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Weltjugendtag „Benedetto“ begeistert Hunderttausende Gläubige in Köln

19.08.2005 ·  Hunderttausende jubelten Benedikt XVI. zu, als er im Papamobil durch die Straßen von Köln fuhr: „Benedetto, Benedetto!“. Der Papst rief die Pilger auf, den christlichen Glauben in alle Welt zu tragen.

Artikel Bilder (1) Bildergalerie Lesermeinungen (0)

Mit einer halbstündigen Fahrt im „Papamobil“ auf den Straßen der Kölner Innenstadt hat Benedikt XVI. am Ende seines ersten Besuchstages ein „Bad in der Menge“ genommen.

Hunderttausende Pilger säumten jubelnd den kurzen Weg des Papsts vom Dom zum Erzbischöflichen Haus, schwenkten ihre Fahnen, winkten und riefen immer wieder in Sprechchören „Benedetto, Benedetto“. In der goldenen Abendsonne passierte der Papst mehrere Kirchen und das Denkmal der von Johannes Paul II. heiliggesprochenen Nonne Edith Stein.

„Köln - das Rom des Nordens“

Benedikt XVI. rief die Pilger des Weltjugendtages dazu auf, den christlichen Glauben in alle Welt zu tragen. „Euch - liebe junge Menschen - kommt heute die Aufgabe zu, den universalen Atem der Kirche zu leben“, sagte das Oberhaupt der Katholischen Kirche am Donnerstag in einer Ansprache vor dem Kölner Dom. „Laßt Euch vom Feuer des Geistes entflammen, damit ein neues Pfingsten Eure Herzen erneuere. Mögen durch Euch Eure Altersgenossen in allen Teilen der Erde dahin gelangen, in Christus die wahre Antwort auf ihre Erwartungen zu finden und sich zu öffnen, um das menschgewordene Wort Gottes aufzunehmen, das gestorben und auferstanden ist zum Heil der Welt.“

„Benedetto“ begeistert Hunderttausende Gläubige in Köln

Benedikt XVI. sagte, mit Köln verbinde er viele schöne Erinnerungen. Er habe seine ersten Jahre des akademischen Lehramtes in Bonn verbracht. In diesen Jahren des Aufbruchs, der Jugend und der Hoffnung sei er immer wieder nach Köln gekommen und habe das „Rom des Nordens“ lieben gelernt.
Der Papst dankte den Organisatoren des Weltjugendtages und ausdrücklich auch den Sicherheitskräften. Benedikt XVI. dankte auch dem lieben Gott, der mit schönem Wetter „diese Tage fühlbar segnet“. Nach seiner Rede sprach der Papst das Vaterunser.

Gemeinsam gedachten der Heilige Vater und die Menschen auf dem Platz des ermordeten Gründers der Taizé-Gemeinschaft, Frère Roger. Vor der Ansprache hatte der Papst den Dom besucht, gebetet und den Dreikönigsschrein besichtigt.

„Laßt Euch von Christus überraschen“

Am Nachmittag hatten Hunderttausende Pilger aus aller Welt Benedikt XVI. einen begeisterten Empfang in Köln bereitet. Als der Papst am Nachmittag mit dem Schiff den Rhein entlangfuhr, säumten sie das Ufer des Flusses. Begeistert riefen sie seinen Namen, schwenkten Fahnen und hielten ihre Fotoapparate in die Höhe, um ein Bild von dem Kirchenoberhaupt zu machen. „Reißt Euer Herz weit auf für Gott, laßt Euch von Christus überraschen“, rief der Pontifex den Jugendlichen zu.

In seiner abwechselnd auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch gehaltenen Rede betonte der Heilige Vater, viele Weltjugendtags-Teilnehmer seien gekommen, weil sie unruhig seien über den Zustand der Welt und sich fragten, wo sie Maßstäbe für ihr Leben finden könnten. Sie stünden vor der Frage, ob sie ihren Leidenschaften folgen sollten, oder ihrem Gewissen. „Wer Christus in sein Leben eintreten läßt, verliert nichts, - absolut nichts von dem, was das Leben frei, schön und groß macht“, betonte der Papst. Christus allein schenke der Menschheit Leben in Fülle. „In diesen Tagen lade ich Euch ein, Euch rückhaltlos dem Dienst Christi zu widmen, koste es, was es wolle“, sagte Benedikt XVI.

Erinnerung an spirituelles Erbe Johannes Pauls

Ausdrücklich begrüßte der Papst in seiner Rede auch diejenigen unter den Zuhörern, die nicht getauft seien und in der Kirche nicht zu Hause seien. „Gerade an Euch hat Papst Johannes Paul eine besondere Einladung zu diesem Treffen gerichtet“, betonte der Papst. Denn das Miteinander auf dem Weltjugendtag biete die Möglichkeit, die Kirche als einen Ort der Barmherzigkeit und der Freude zu erfahren. Benedikt forderte die jungen Gläubigen auf, das „außerordentliche spirituelle Erbe“ seines Vorgängers Johannes Paul II. aufzugreifen.

Auf dem Schiff „MS RheinEnergie“ war der Papst begeistert von jungen Pilgern empfangen worden. Ein Chor sang das Lied „Wir sind gekommen, um ihn anzubeten“, das Motto des Weltjugendtages. An Bord befanden sich rund 200 ausgewählte Jugendliche aus allen Erdteilen in ihren Landestrachten und zahlreiche Fahnenträger. Begleitet wurde das Papst-Schiff von fünf Begleitbooten, die symbolisch für die fünf Kontinente standen.

Während der Schiffahrt äußerte sich der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, überzeugt darüber, daß Benedikt XVI. durch seine Anwesenheit und sein Wirken „das Hauptziel des Weltjugendtages maßgeblich fördern“ werde. Dazu zähle die Stärkung des Glaubens und das Eintreten „für eine gerechtere, friedlichere Welt“. „Machen Sie uns Mut zu einem gemeinsamen, vertieften christlichen Zeugnis“.

Weltjugendtagskreuz repariert

Kurz vor der Rheinfahrt des Papstes war das Weltjugendtagskreuz zerbrochen. Eine Windböe hatte das fast vier Meter hohe Holzkreuz auf dem Boot des Papstes erfaßt und zu Boden geschleudert. Dabei brach ein Arm ab. Die Organisatoren reparierten es innerhalb kürzester Zeit. Das Kreuz ist eines der zentralen Symbole des Weltjugendtages. Es wurde auf Wunsch von Papst Johannes Paul II. 1983 zum „Heiligen Jahr der Erlösung“ auf dem Petersplatz errichtet und anschließend der Jugend der Welt anvertraut. Damit begann eine Pilgerreise durch alle Kontinente. 1984 wurde es von der Jugend nach Lourdes getragen und 1985 nach Prag gebracht.

Auf diese bedeutenden Jugendtreffen folgte der erste Weltjugendtag 1986 in Rom, der die Tradition der regelmäßigen Treffen begründete. Katholische Jugendliche trugen es auch zum Ground Zero des bei den Terrorangriffen vom 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers. Das schlichte Holzkreuz soll zeigen, daß Jugendliche mit dem Kreuz gehen und dieses Symbol für die Liebe Gottes in alle Welt hinaustragen.

Schon Stunden vor Ankunft des Papst-Schiffes war das Rheinufer zwischen Rodenkirchen und der Kölner City dicht bevölkert von Menschen. Bei hochsommerlichen Temperaturen standen etliche Pilger Hüfte an Hüfte im Wasser. Wasserschutzpolizei und DLRG sorgten für die Sicherheit der Gläubigen, deren Gesänge man bis an Bord der vorbeifahrenden Schiffe hören konnte.

Hitze macht Pilgern zu schaffen

Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen am ersten Tag des Deutschland-Besuchs von Benedikt XVI. hatten zahlreiche Besucher des Weltjugendtages mit Kreislaufproblemen zu tun. So mußten die Helfer und Ärzte des Malteser Hilfsdienstes einer Sprecherin zufolge allein auf der Kölner Domplatte innerhalb von zwei Stunden rund 30 Pilger behandeln, die über Kreislaufprobleme geklagt hatten.

Am Mittag war Papst Benedikt XVI. ist unter dem Jubel von Weltjugendtagspilgern auf dem Konrad-Adenauer-Flugplatz Köln/Bonn gelandet. Bundespräsident Horst Köhler begrüßte das 78 Jahre alte Kirchenoberhaupt unter den „Benedetto“-Sprechchören Hunderter Pilger mit den Worten „Heiliger Vater, willkommen in der Heimat. Willkommen in Deutschland.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AP, ddp, AFP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen