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Weltjugend-Tagebuch (8) "Der Papst war ein weißer Punkt in der Ferne"

22.08.2005 ·  Das war's: Franzosen und Bayern erinnern sich an die großen und kleinen Ereignisse des Weltjugendtags in Köln. Der letzte Eintrag in das Tagebuch über den Weltjugendtag von Melanie Mühl.

Von Melanie Mühl
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Das war's: Franzosen und Bayern erinnern sich an die großen und kleinen Ereignisse des Weltjugendtags in Köln.

"Wir konnten nur mittwochs und freitags duschen." (Elisabeth, Rechtmehring)

"Ich bin bei fast allen Weltjugendtagen dabeigewesen. Die Zeit in Deutschland habe ich sehr spirituell erlebt, auch wenn natürlich nicht alle Jugendlichen eine tiefe religiöse Erfahrung erfuhren. Die Deutschen haben der Kirche viel zu geben." (Michele Dubost, Bischof von Evry)

"Die Bayern sind sehr gläubig. In ihren Wohnungen hängen überall Kreuze und Marienbilder. Das finde ich toll." (Yann, Les Ulis)

"Ich habe mir ein Benedikt-T-Shirt gekauft, weil ich den Papst liebe." (Cyril, Quincy Sous Senart)

",Wir sind gekommen, um Ihn anzubeten' lautete das Motto des Weltjugendtages. Er, das ist Christus und nicht Papst Benedikt XVI. Viele verwechselten da etwas." (Marianne, Oberneukirchen)

"Die Gastfreundschaft war im Sinne des Evangeliums, so wie bei den drei Weisen, die in Bethlehem in einen einfachen Stall gekommen sind und willkommen waren." (Marc, Evry)

"Die Deutschen wissen, wie man feiert." (Herve, Evry)

"Das ständige Warten auf Züge und Busse war anstrengend. Auf diese Weise hat man aber immer wieder nette Jugendliche kennengelernt." (Florence, Paris)

"In den vergangenen drei Tagen habe ich vierzehn Stunden geschlafen." (Nicolas, Evry)

"Gestern haben wir nichts zu essen bekommen." (Gaby, Rechtmehring)

"Manchmal verteilten Volunteers an den vielen Essenständen Salat aus Dosen, der nach Hundefutter roch." (Marie, Paris)

"Die Begegnungen mit Menschen aller Länder und Sprachen und das Zusammensein mit vierzehn Taubstummen der Ile de France war besonders schön. Den Kult um Papst Benedikt XVI. fand ich übertrieben" (Veronique, Evry)

"Egal, wo der nächste Weltjugendtag stattfindet, ich fahre hin." (Caroline, Paris)

"Der Kölner Hauptbahnhof schien manchmal unter den Menschenmassen zu erzittern - eine kleine Apokalypse. Als Franzose habe ich befürchtet, daß die Organisation der Deutschen perfekt sein würde, aber das war sie nicht. Wir sind Brüder." (Gilles, Dourdan)

"Mein Glaube ist gewachsen." (Thomas, Evry)

"Nach dem Mittagessen hatte ich immer noch Hunger. Mir hat das Dessert gefehlt." (Laetitia, Ris-Orangis)

"Ich habe die Gebete durch die Nacht vermißt, und mein blauer Pilgerrucksack ist verschwunden." (Doudou, Corbeil-Essonnes)

"Köln ist eine wunderschöne Stadt mit vielen Menschen und einer schrecklichen Organisation." (Pierre, Bordeaux)

"Ich bin nicht gekommen, um den Papst zu sehen, sondern will mit Jugendlichen aus aller Welt feiern und mich vielleicht verlieben." (Nathalie, Paris)

"Die Nacht auf dem Marienfeld war kalt und ungemütlich. Ich habe kaum geschlafen. Selbst den Weg zur Toilette mußte ich suchen." (Romain, Nantes)

"Der Papst war ein weißer Punkt in der Ferne." (Jonathan, Evry)

"Ich habe Menschen aus Argentinien, Chile, Korea, Peru, Vietnam, Australien, Kanada und Ecuador kennengelernt. Das war toll. Nur die Müdigkeit hat mich angestrengt." (Andrey, Evry)

"Das Essen in Bayern ist wirklich großartig." (Emmanuelle, Bordeaux)

"Ich mag Ecuador, ein tolles Land. Beim Pilgern um den Dreikönigsschrein traf ich eine Gruppe von zwölf Mädchen aus Quito." (Jean-Claude, Nantes)

"Ich habe den Papst zweimal gesehen. Er war ganz klein." (Arnaud, Evry)

"Die Wallfahrt zum Dreikönigsschrein empfand ich als touristisch. Ich hatte gehofft, daß im Dom ein Chor singt, und war erstaunt, nur filmende und fotografierende Menschen zu treffen." (Marc, Evry)

"Das friedliche Miteinander hat mich bewegt. Menschen aus aller Welt lagen sich in den Armen und feierten ihren Glauben." (Chantal, Bordeaux)

"Bei manchen Messen war es sehr laut. Sich auf das Gebet zu konzentrieren fiel schwer." (Philemon, Evry)

"Eigentlich hat immer irgendwo jemand gesungen, und meist fand ich das auch schön. Nur einmal, im Zug nach Swisttal-Odendorf, ähnelte der Gesang einer französischen Mädchengruppe einem Kreischkonzert." (Brigitte, Nantes)

Quelle: F.A.Z., 22.08.2005, Nr. 194 / Seite 9
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Jahrgang 1976, Redakteurin im Feuilleton.

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