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Weltjugend-Tagebuch (7) Sein Glaube ist gewachsen und hat etliche Zweifel besiegt

19.08.2005 ·  Der 20 Jahre alte Yann aus Evry ist sicher, daß sein Glaube stärker geworden ist. Begeistert von seinen bisherigen Begegnungen, kann er nur das Papst-Fieber noch nicht ganz verstehen. Melanie Mühl erzählt in einem weiteren Weltjugend-Tagebucheintrag vom aktuellen Geschehen in Köln.

Von Melanie Mühl
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Was bisher geschah: Die französischen Pilger aus Evry haben nicht nur Katechesen besucht, gesungen und gebetet, sie haben auch den Papst gesehen. Der 20Jahre alte Yann Linisa ist sich schon jetzt sicher, daß sein Glaube stärker geworden ist.

Die Berührung beim Beten, diese unmittelbare Nähe, die man spürt, wenn die Hand des Nachbarn in der eigenen liegt, sagt er, ist besonders schön. Weil sich in diesem Moment alles aufzulösen scheint und nur noch das Miteinander zählt. Kehrt Yann Linisa von seinem ersten Weltjugendtag in die französische Stadt Les Ulis zurück, wird sein Glaube stärker als vorher sein, da ist er sicher.

Im Alter von zehn Jahren wollte er getauft werden

Yann ist 20 Jahre alt. Ein Jugendlicher, der sich in kleinen Schritten der Religion genähert hat und die Lehren der katholischen Kirche hinterfragt. Seine Eltern, Einwanderer aus der Demokratischen Republik Kongo, ließen ihn stets eigene Entscheidungen treffen, ohne dabei zu drängen. Er war zehn Jahre alt, als sie ihn fragten, ob er die heilige Taufe empfangen möchte.

Es sollte ein ganz bewußter Lebensschritt sein, denn nur so, meinten sie, könne er eine enge Verbindung zum Glauben entwickeln. In die Kirche nahmen sie den Sohn aber schon in sehr jungen Jahren mit, um ihm zu zeigen, welche Fundamente ihr Leben tragen. Und auch die Zeit in einer katholischen Schule prägte den Physikstudenten, denn dort las man regelmäßig in der Bibel, und auch die Gespräche über Gott ließen ihn nachdenken.

Lebendiger Glaube heißt „sehen - urteilen - handeln“

Von sich selbst sagt Yann, er sei kein streng praktizierender Christ, so wie etwa die Mutter, die täglich bete. „Ich gehe zwar in die Kirche, aber nicht an jedem Sonntag.“ Sein Glaube ist dennoch mit den Jahren gewachsen und hat etliche Zweifel besiegt. Die Gespräche mit einem engen muslimischen Freund regen seine Gedanken an.

Yann ist Teil der „Jeunesse Ouvriere Chretienne“ (JOC) und erfährt, was lebendiger Glaube bedeuten kann. „Sehen - urteilen - handeln“, dieser Leitsatz bestimmt die Bibellektüre und steuert die manchmal heftigen Diskussionen der Gruppe. „Was wir lesen, übersetzen wir in unseren Alltag und versuchen, danach zu handeln.“ Die Botschaften der Bibel heißen für ihn Liebe, Toleranz und Respekt.

Die Ideale des Papstes sind nicht alltagstauglich

„Kleine Gesten können so viel bewirken“, sagt Yann und erzählt begeistert von einem Weltjugendtagsgottesdienst mit 14 Taubstummen aus Frankreich: „Wir haben nach den wunderbaren Liedern nicht in die Hände geklatscht, sondern unsere Arme wild bewegt, damit jeder die Begeisterung spüren und sehen kann.“

Es sind junge Menschen wie Yann, die dem Weltjugendtag sein friedliches Gesicht verleihen. Junge Menschen, die gerne feiern und sich ihren eigenen Glauben basteln. Der Papst verkörpere Ideale, doch im alltäglichen Leben seien diese einfach unerreichbar. Er habe seit sieben Monaten eine Freundin, sagt er stolz und zeigt den Halbmond, der als Liebeszeichen um seinen Hals baumelt. Es ist nicht seine erste Freundin, und wahrscheinlich werden ihr noch einige folgen.

Stille und laute Begegnungen

Im Zug, der von Swisttal-Odendorf nach Köln fährt, stapeln sich die Pilger. Yann steht inmitten singender und gutgelaunter Menschen. Eine ältere Frau aus Argentinien schenkt dem verdutzten Franzosen eine Kette, von deren Anhänger Johannes Paul II. lächelt. Die Menschen überraschen ihn hier mit jedem Tag ein wenig mehr, auch die Deutschen, von denen er dachte, sie seien starr in ihren Denkweisen. Nur im Benedikt-Fieber ist er noch nicht.

Später, als Benedikt XVI. von einem Schiff in der Ferne zu den Menschen spricht, kann er seine Enttäuschung nicht verbergen. Daß er so weit weg sein würde, hatte er nicht gedacht. Doch auch Yann ist wie so viele andere nicht wegen ihm hier, sondern staunt in diesen Tagen über die stillen und lauten Begegnungen. „Von Benedikt XVI. hat man in Köln noch nicht häufig gesprochen.“ Spätestens am Samstag, wenn sich schier unvorstellbar viele Pilger auf dem Marienfeld niederlassen und „Benedetto, Benedetto“ singen, wird sich dies wohl ändern.

Yann sagt: „Große Feste üben eine ungeheure Anziehungskraft aus. Auch der Weltjugendtag in Köln zieht Menschen in seinen Bann, denen Gott bisher fremd war.“ Was aber bleibt, wenn die Tage des großen Feierns wieder vorbei sind?

Quelle: F.A.Z., 20.08.2005, Nr. 193 / Seite 9
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Jahrgang 1976, Redakteurin im Feuilleton.

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