30.10.2002 · Laut WHO schaden in den Industrieländern Rauchen, hoher Blutdruck, exzessiver Alkoholgenuss sowie zu hohe Cholesterin-Werte der Gesundheit.
Die Deutschen und andere Westeuropäer könnten im Durchschnitt fünf Jahre länger gesund bleiben, wenn sie weniger rauchen, sich besser ernähren und mehr bewegen würden. Darauf hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem am Mittwoch in Genf veröffentlichten Jahresbericht 2002 hingewiesen.
Die wichtigsten Risikofaktoren sind demnach in den Industrieländern das Rauchen, zu hoher Blutdruck, exzessiver Alkoholgenuss sowie zu hohe Cholesterin-Werte. In Nordamerika und Westeuropa werden nach WHO-Angaben allein in diesem Jahr eine halbe Million Menschen an den Folgen von Fettleibigkeit sterben. Dagegen rangieren in den ärmsten Ländern Untergewicht, unsicherer Sex sowie schlechte Sanitär- und Hygienebedingungen an erster Stelle der Risiken. Die weltweit zehn wichtigsten Risikofaktoren sind nach Angaben der WHO für 40 Prozent der jährlichen 56 Millionen Todesfälle verantwortlich. WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland nannte den Weltgesundheitsbericht einen Weckruf für die Weltgemeinschaft.
Gravierender Unterschied zwischen armen und reichen Ländern
Als besonders schockierend bezeichnete die WHO den Unterschied zwischen armen und reichen Menschen. Einerseits gebe es weltweit 170 Millionen Kinder mit Untergewicht. Andererseits habe eine Milliarde Erwachsene Übergewicht. Ein Drittel davon sei fettleibig. Die WHO kritisierte in diesem Zusammenhang den exzessiven Verzehr von zu fetten, zu süßen und zu salzigen Nahrungsmitteln. Um den Anteil an Herz- und Gefäßkrankheiten zu senken, sollten Lebensmittelprodukte nach Empfehlung der WHO beispielsweise einen geringeren Salzanteil enthalten. Die Menschen sollten mehr Obst, Gemüse und ungesättigte Fettsäuren essen und sich mehr bewegen, hieß es.
Ohne durchgreifende Verhaltensänderungen wird nach Schätzungen der WHO die Zahl der Toten in Folge des Rauchens von derzeit 4,9 Millionen jährlich auf rund 9 Millionen bis zum Jahr 2020 ansteigen. . Statt bislang 3 würden dann jährlich 5 Millionen Menschen an den Folgen von Fettleibigkeit und Übergewicht sterben. Als Konsequenz schlägt die WHO in ihrem Jahresbericht unter anderem ein generelles Verbot der Tabakwerbung, verschärfte Warnhinweise auf Zigarettenschachteln sowie hohe Steuern auf Tabakprodukte vor.
Cholesterin als Risikofaktor
Zu hoher Blutdruck führt nach WHO-Angaben jährlich zum Tod von 7,1 Millionen Menschen. An den Folgen eines zu hohen Cholesterinspiegels sterben jährlich 4,4 Millionen Menschen und an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids rund 3 Millionen.
WHO-Generaldirektorin Brundtland sprach von einer der umfangreichsten Studien, die von der WHO jemals in Angriff genommen worden seien. An dem Bericht hatten über drei Jahre mehr als 120 Wissenschaftler aus aller Welt mitgewirkt.