Die wirtschaftliche Situation der Frauen auf der Welt hat sich verbessert. Darauf weist die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) anläßlich des Weltfrauentags am heutigen Samstag hin. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe sich die Anzahl der Frauen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen, massiv erhöht: Danach arbeiten in den Industrienationen 70 Prozent der Frauen für Lohn, in den Entwicklungsländern sind es 60 Prozent.
Auch die Entwicklung ihres unternehmerischen Potentials sei beeindruckend, schreibt die Organisation mit Sitz in Genf. In Amerika, Australien und Kanada befänden sich mehr als 30 Prozent der Unternehmen im Besitz von Frauen oder würden von ihnen geleitet. Thailand führt die Liste mit einem Frauenanteil von 40 Prozent an.
Führungspositionen weiter in Männerhand
Diese Zahlen können jedoch nach Ansicht der ILO nicht darüber hinwegtäuschen, daß eine Gleichstellung der Geschlechter auf der Welt noch lange nicht erreicht ist. Insbesondere in drei Bereichen zeigten sich wenig Fortschritte: Zum einen stießen Frauen in Führungspositionen an eine "gläserne Decke", die ihnen sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Sektor den Weg an die Spitze verwehre. Je höher eine Position in einem Top-Unternehmen sei, um so deutlicher werde die Geschlechtertrennung.
So seien lediglich ein bis drei Prozent der Top-Positionen in führenden Unternehmen auf der Welt von Frauen besetzt. In der Politik ist es ähnlich: Von 192 Ländern in der Welt haben nur 12 ein weibliches Staatsoberhaupt. Zum anderen seien Frauen und Männer weit davon entfernt, gleich entlohnt zu werden; der Verdienst der Frauen liegt demnach im globalen Vergleich etwa ein Drittel unter dem der Männer. Ein weiterer Indikator für die mangelnde Gleichstellung sei der hohe Anteil von Frauen, die in absoluter Armut lebten. Etwa 70 Prozent der 1,3 Milliarden Menschen auf der Welt, die am Tag mit weniger als einem Dollar auskommen müssen, sind weiblich.
Informeller Sektor bereitet Schwierigkeiten
Sorgen bereitet der ILO der sogenannte informelle Sektor, in dem Frauen, genauso wie Männer, schlecht bezahlt werden. In einigen Ländern Afrikas wie Benin, Tschad oder Kenia arbeiten zwischen 80 und 90 Prozent der Frauen im informellen Sektor. Aber auch in Lateinamerika sei ein dramatischer Anstieg von 29 auf 44 Prozent zu verzeichnen gewesen.