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Dienstag, 14. Februar 2012
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Weltbevölkerung Starke Frauen braucht die Welt

12.10.2005 ·  Der Weltbevölkerungsbericht 2005 zeigt schlagend, daß Frauen benachteiligt sind. Eine Gleichstellung der Geschlechter würde nicht nur ihnen, sondern auch den Männern nutzen.

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Die Gleichstellung der Geschlechter vermindert die Armut, rettet Leben und verbessert die Gesundheit. Das ist die zentrale Aussage des am Mittwoch vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) vorgestellten Weltbevölkerungsberichts 2005. Die Gleichstellung der Geschlechter ist auch das dritte der im Jahr 2000 vereinbarten acht „Millennium-Entwicklungsziele“ der Vereinten Nationen. Im Jahr 2015 sollen sie erreicht sein.

Der Weltbevölkerungsbericht 2005 - seine deutsche Fassung hat 140 Seiten - legt schlagend dar, daß die anderen sieben Ziele nur dann erreicht werden können, wenn gewaltige Fortschritte auf dem Weg zum Ziel drei gemacht werden. In dem Bericht heißt es, durch die fortgesetzte Benachteiligung von Frauen werde wertvolles „Humankapital verschwendet, weil die individuellen Fähigkeiten von Frauen nicht effizient genutzt werden und so ihr gesellschaftlicher Beitrag begrenzt wird. Darüber hinaus untergräbt sie die Wirksamkeit von Entwicklungsmaßnahmen.“

Aufklärung und Familienplanung sind Fremdworte

In neun Kapiteln faßt der Bericht zusammen, was man heute zur Lage der Frauen auf der Welt weiß, was sich auch in Zahlen fassen läßt, etwa auf dem Gebiet der reproduktiven Gesundheit: Jede Minute stirbt eine Frau während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Das sind mehr als eine halbe Million vermeidbare Todesfälle von Müttern im Jahr, 99 Prozent von ihnen in den Entwicklungsländern. Mehr als acht Millionen Frauen leiden ihr Leben lang an den Folgen von Schwangerschaftskomplikationen.

In den Industrieländern stirbt fast keine Frau mehr im Wochenbett. In Afrika südlich der Sahara liegt das Risiko einer Frau, in der Schwangerschaft oder bei der Geburt zu sterben, bei 1:16, in den Industrieländern bei 1:2800. Hinzu kommt: Neugeborene ohne Mutter sterben drei- bis zehnmal häufiger als Kinder, deren Mutter die Entbindung überlebt. In den Entwicklungsländern gibt es jedes Jahr 76 Millionen ungewollte Schwangerschaften, neunzehn Millionen enden mit einer unsicheren Abtreibung, einer der Hauptursachen der Müttersterblichkeit.

Die Zahlen sind darauf zurückzuführen, daß der großen Mehrzahl der Frauen in den Entwicklungsländern ihre reproduktiven Rechte weiter vorenthalten werden, etwa das Recht, selbst über die Zahl der Kinder, den Zeitpunkt und den Abstand der Geburten zu bestimmen. Sie haben weder Zugang zu Verhütungsmitteln, noch sind sie während Schwangerschaft und Geburt von Ärzten oder Hebammen betreut. Aufklärung, sexuelle Selbstbestimmung und Familienplanung sind Fremdworte für sie.

Frauen fehlt der Zugang zu Bildung

Die Benachteiligung der Frauen zeigt sich auch in der „Feminisierung“ der Seuche HIV/Aids. Als die Krankheit in den achtziger Jahren auftrat, waren die meisten Infizierten Männer. Heute sind von den etwa 40 Millionen Infizierten fast die Hälfte Frauen. In Afrika südlich der Sahara liegt der Frauenanteil schon bei 57 Prozent.

„Nicht selten sind Mädchen in armen Ländern gezwungen, riskante sexuelle Beziehungen einzugehen, um sich ihren Lebensunterhalt oder ihr Schulgeld zu verdienen. Dabei riskieren sie eine ungewollte Schwangerschaft oder eine HIV-Infektion“, sagte am Mittwoch Renate Bähr, die stellvertretende Geschäftsführerin der „Deutschen Stiftung Weltbevölkerung“ (DSW). Die DSW stellte in Berlin zusammen mit Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul die deutsche Ausgabe des Weltbevölkerungsberichts vor.

Auf der Welt können noch immer 500 Millionen Frauen nicht lesen und schreiben. Von den Männern sind „nur“ 280 Millionen Analphabeten. In Südasien schließen nur 69 Prozent der Mädchen die Grundschule ab, in Afrika südlich der Sahara gar nur 49. Noch geringer sind die Mädchenanteile bei höheren Schulabschlüssen. Da greift eines ins andere: Frauen und Mädchen haben nach dem Besuch einer höheren Schule bessere wirtschaftliche Aussichten, besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung rund um Schwangerschaft und Geburt, genauere Kenntnisse über HIV/Aids; sie verändern mit dem Grad der Bildung auch ihre Einstellungen gegenüber noch immer weitverbreiteten schädlichen Praktiken wie weiblicher Genitalverstümmelung.

Gleichberechtigung würde zu höheren Erträgen führen

Je besser die Frauen in die Lage versetzt sind, selbst über die Zahl ihrer Kinder zu entscheiden, um so kleiner sind die Familien, das ressourcenzehrende Bevölkerungswachstum verlangsamt sich. Wirtschaftswissenschaftler haben errechnet, daß sinkende Fruchtbarkeitsraten die Armut in den Entwicklungsländern in den kommenden zehn Jahren um vierzehn Prozent verringern könnten.

Frauen haben in Wirtschaft und Arbeitswelt nicht die gleichen Rechte wie Männer. Sie bekommen für die gleiche Arbeit weniger Geld, auch in den Industrieländern. In den Entwicklungsländern produzieren Frauen auf dem Land drei bis vier Fünftel aller Nahrungsmittel. In den meisten Fällen jedoch können sie ohne Erlaubnis des Ehemanns kein Land erwerben.

In vielen Ländern in Afrika südlich der Sahara haben Witwen keinen Anspruch auf das Land ihres verstorbenen Mannes. Frauen erhalten nur ein Prozent des Gesamteinkommens der Landwirtschaft; nur zehn Prozent der Kleinkredite an Kleinbauern werden an Frauen ausgezahlt. Die Weltbank schätzt, daß die landwirtschaftlichen Erträge in diesen Ländern um zwanzig Prozent steigen würden, wenn die Frauen dieselben Rechte hätten wie Männer.

Eine ganze Generation ist gefährdet

Eine von drei Frauen auf der Welt wird geschlagen, zu sexuellen Handlungen gezwungen oder mißbraucht, meist von einem Familienmitglied oder einem Mann aus dem Bekanntenkreis. Auch das steht im Weltbevölkerungsbericht 2005. Diese Gewalt tötet und schädigt ebenso viele Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren wie Krebs; der Schaden für die Gesundheit der Frauen ist größer als der von Unfällen und Malaria zusammengenommen. Allein für die Vereinigten Staaten wird geschätzt, daß die Gewalt gegen Frauen gesellschaftliche Kosten von 12,6 Milliarden Dollar verursacht.

Jedes Jahr werden zudem 800.000 Personen von Menschenhändlern in andere Länder verschleppt; fast achtzig Prozent von ihnen sind Mädchen und Frauen. Von den 35 Millionen Flüchtlingen auf der Welt sind achtzig Prozent Frauen und Kinder. Der Weltbevölkerungsbericht 2005 hebt noch einmal hervor, daß auf der Erde zur Zeit drei Milliarden junge Menschen im Alter von unter 25 Jahren leben, die größte Jugendgeneration aller Zeiten, eine gefährdete Generation; 85 Prozent dieser jungen Leute leben in armen Ländern, mehr als fünfhundert Millionen müssen mit weniger als umgerechnet zwei Dollar am Tag auskommen.

In den kommenden zehn Jahren werden etwa hundert Millionen Mädchen verheiratet werden, noch bevor sie achtzehn Jahre alt sind. Jedes Jahr bekommen vierzehn Millionen Mädchen ein Kind. Daß sie bei der Geburt sterben, ist um vierzig Prozent wahrscheinlicher als bei Frauen über zwanzig Jahren. Auch die Jungen und jungen Männer sind gefährdet, wenn auch nicht so stark wie die Mädchen. Fast ein Viertel aller HIV-Infizierten ist unter 25 Jahre alt, die Hälfte aller Neuinfektionen trifft die Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren. Der Weltbevölkerungsbericht 2005 verweist darauf, daß das Ziel der Gleichberechtigung von Frauen nur zu erreichen ist, wenn die Männer dazu gebracht werden können, die Menschenrechte ihrer Schwestern, Mütter, Frauen und Töchter nicht mehr zu leugnen.

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