Viel ist nicht dran an dem kleinen Kerl: ein blauer Körper, ein Paar große Augen, zwei dünne Ärmchen, Beine, eine wippende Tolle am Kopf. Er heißt Haibao und ist das Maskottchen der Weltausstellung 2010 in Schanghai. Sie beginnt offiziell am Samstag, schon an diesem Freitag soll es eine tolle Eröffnungsfeier geben. Doch im Expo-Land herrscht eine gewisse Aufregung. Haibao habe frappierende Ähnlichkeit mit der amerikanischen Knetfigur Gumby. Deren Abenteuer gingen jahrzehntelang über amerikanische Bildschirme. Tatsächlich hat Gumby die gleichen dünnen Ärmchen und großen Augen wie Haibao. So hat die Weltausstellung, für die Schanghai sieben Jahre lang U-Bahnen, Straßen und Flugplätze gebaut hat, ihren ersten kleinen Skandal. Plagiatsverdacht!
Doch Haibao steht so kurz vor Beginn der Expo schon fast an jeder Straßenecke und zeigt weiter ein fröhliches Lächeln. Er soll eigentlich dem chinesischen Schriftzeichen für Mensch nachempfunden sein und eben nicht Gumby, wie die Organisatoren beteuern. Der Name Haibao bedeutet „Schatz des Meeres“ und spielt auf den Namen Schanghai an, der häufig mit „Stadt über dem Meer“ übersetzt wird. Sein Schöpfer Wu Yongjian berichtet, er habe in einem Café gesessen, als ihm die Idee zu der Figur kam. Die Plagiatsvorwürfe musste er schon zurückweisen, nachdem das Maskottchen im Jahr 2007 vorgestellt worden war. Sie kamen nun wieder auf, als eine amerikanische Journalistin die Ähnlichkeit zum Thema machte. Die Chinesen fühlten sich als Raubkopierer vorgeführt. Für die Expo-Organisatoren ist das ärgerlich, aber die kleine Kontroverse wird den Start ihrer Rekordschau nicht trüben. Sie machen sich viel mehr Sorgen darüber, wie sie von Mai bis Oktober jeden Tag 400.000 Menschen über das Expo-Gelände bekommen und heil durch die Pavillons der 189 Länder und 57 Organisationen. Nur drei Länder, Kuweit, Bhutan und Burkina Faso, haben ihre Teilnahme noch kurzfristig abgesagt. Ein Geheimnis bleibt bis zum Schluss, wie die Eröffnungsfeier aussehen wird, zu der 21 Staats- und Regierungschefs kommen, unter ihnen der französische Präsident Sarkozy. Bekannt ist nur, dass es ein Feuerwerk gibt.
Das Lied war als Nachahmung entlarvt worden
Noch nicht ganz sicher ist, ob bei der Feier das Expo-Lied „Waiting for You“ ertönen wird, das der chinesische Schauspieler Jackie Chan mit anderen populären Chinesen singen sollte. Das Lied war als Nachahmung eines japanischen Pophits entlarvt worden. Die Organisatoren nahmen es zunächst verschämt aus dem Programm, legten aber Wert auf die Feststellung, dass es nicht die offizielle Hymne für die Weltausstellung sei. Mit den Enthüllungen um das Expo-Lied hatte die Suche nach Raubkopien bei der Weltausstellung erst richtig Fahrt bekommen. Im Internet kursieren nun auch Bilder vom kanadischen Pavillon aus dem Expo-Jahr 1967 und dem japanischen Pavillon aus dem Jahr 1992, denen eine architektonische Nähe zum diesjährigen China-Pavillon nachgesagt wird. Und mittlerweile ist auch ein weiterer Haibao erschienen. Er dient als Logo für einen Elektrogeräte-Hersteller in der Provinz Henan. Allerdings ist noch nicht klar, ob er nun jünger ist oder älter als sein Zwilling von der Weltausstellung.
In seiner Aussage authentisch
Peter Shaw (Bob_Andrews)
- 30.04.2010, 12:14 Uhr