Home
http://www.faz.net/-gum-76i18
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Weltall Ein Asteroid grüßt aus der Ferne

Auch wenn durch den fliegenden Gesteinsbrocken keine Gefahr besteht - seit knapp 100 Jahren kam kein Asteroid der Erde mehr so nahe wie „2012 DA 14“. Auch Satelliten sollen vor ihm sicher sein.

© Nasa, bearbeitet Asteroid 2012 DA14: Himmelskörper auf Besuch

Am kommenden Freitagabend, unmittelbar nach der Tagesschau, wird die Welt nicht untergehen. Das gilt allerdings nur, wenn sich Astronomen nicht verrechnet haben. Um genau 20.25 Uhr mitteleuropäischer Zeit - so die Kalkulation - wird nämlich ein Asteroid der Erde näher kommen als alle vergleichbaren Himmelsobjekte in den vergangenen hundert Jahren. Der etwa 50 Meter große Gesteinsbrocken mit dem wissenschaftlichen Namen „2012 DA 14“ soll in einer Entfernung von etwa 27.700 Kilometern an der Erdoberfläche vorbeifliegen. In unserer Alltagserfahrung erscheint das zwar unendlich weit, im astronomischen Sinne entgehen wir aber nur so eben haarscharf einem Zusammenstoß.

Würde der kosmische Brocken mit dem geschätzten Gewicht eines modernen Kreuzfahrtschiffes von etwa 180.000 Tonnen tatsächlich die Erde treffen, wäre die Wirkung mit der Detonation einer schweren Wasserstoffbombe mit einer Sprengkraft von 2,4 Megatonnen vergleichbar. Den letzten vergleichbaren Zusammenstoß dieser Art gab es am 30. Juni 1908, als über dem zentralsibirischen Tunguska-Fluss ein Asteroid niederging und in der Atmosphäre explodierte. Die Sprengkraft war so groß, dass die Bäume des Taigawaldes auf einer Fläche von mehr als 2000 Quadratkilometern wie Streichhölzer umknickten. Weil das Gebiet damals weitgehend unbewohnt war, kam niemand zu Schaden.

Außerhalb der Reichweite des Himmelskörpers

“2012 DA 14“ wurde vor knapp einem Jahr von Astronomen mit den Fernrohren des Observatoriums von La Sagra in Spanien entdeckt und einige Tage lang verfolgt. Die Berechnungen der Bahn ergaben den Vorbeiflug am kommenden Freitagabend. Danach verschwand der Asteroid wieder in den Tiefen des Sonnensystems. Anfang dieses Jahres fanden Astronomen in Chile den Gesteinsbrocken wieder und bestätigten die ursprünglichen Berechnungen.

Auch wenn keine Gefahr besteht, dass der Brocken die Erde trifft, kommt er unserem Planeten jedoch so nahe, dass er zweimal den Gürtel der geostationären Satelliten durchfliegt. Dort, in einer Höhe von knapp 36.000 Kilometern über der Erdoberfläche, befinden sich inzwischen etwa 300 Kunstmonde, von Wettersatelliten bis zu jenen Geräten, die uns Hunderte Fernsehprogramme ins Haus bringen. Nach den Berechnungen wird „2012 DA 14“ diesen Gürtel mit einer Geschwindigkeit von mehr als 45 000 Kilometern pro Stunde durchfliegen - ohne dabei allerdings einem der Satelliten zu nahe zu kommen. Und auch die Astronauten auf der Internationalen Raumstation können am Freitag in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen. Sie umkreisen die Erde nämlich in knapp 300 Kilometern Höhe, also ebenfalls außer Reichweite des kosmischen Besuchers.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Heute in der Zeitung Nepal im Tomographen

Exoplaneten, Nepalbeben, Wolkenhimmel, Raucherleiden, Teilchenphysik, Kunststoffblumen - und noch mehr Themen aus dem Forschungs- und Medizinbetrieb in unserer Mittwochsbeilage Natur und Wissenschaft. Mehr

21.05.2015, 10:41 Uhr | Wissen
2004 BL86 Asteroid rast knapp an Erde vorbei

Der Asteroid mit dem poetischen Namen 2004 BL86 hat die Erde passiert. Ein Einschlag des Flugkörpers auf der Erde hätte fatale Folgen gehabt. Doch der Abstand zum blauen Planeten war mit 1,2 Millionen Kilometern komfortabel. Trotzdem ist der Gesteinsbrocken selten dicht an der Erde vorbeigeflogen. Mehr

27.01.2015, 11:22 Uhr | Gesellschaft
Russischer Raketenabsturz Zu viele Pannen im All

Erst missglückt ein Manöver eines Raumfrachters an der Internationalen Raumstation, dann stürzt eine Proton-Rakete mit einem mexikanischen Satelliten an Bord ab – Russlands Raumfahrt steckt tief in der Krise. Politiker fordern Konsequenzen, Fachleute sind rat- und hilflos. Mehr

18.05.2015, 18:43 Uhr | Wissen
Cape Canaveral Nasa startet Magnetosphärenmission

Die Nasa hat ihre Magnetosphärenmission gestartet. Eine Rakete brachte am Donnerstag vier Satelliten in den Orbit. Sie sollen das Magnetfeld der Erde untersuchen, das unseren Planeten von den geladenen Partikeln des Sonnenwindes abschirmt. Mehr

13.03.2015, 11:04 Uhr | Wissen
Vermessung der Milchstraße Galaxis auf der Waage

Wie massereich ist die Milchstraße? Eine Frage, die nur indirekt beantwortet werden kann - mit Hilfe von dichten Sternströmen im Schlepptau von Kugelsternhaufen, die um das galaktische Zentrum kreisen. Mehr Von Hermann-Michael Hahn

19.05.2015, 18:40 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.02.2013, 16:51 Uhr

Schattenseiten des Lebens Ryan Gosling fühlt sich auch nur wie ein Politiker

Ryan Gosling spricht über den Schatten auf der Sonnenseite des Lebens, Keira Knightley behält Privates weiterhin gerne für sich und Harald Schmidt schreibt lieber keine Autobiographie – der Smalltalk. Mehr 6

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden