http://www.faz.net/-gum-76i18
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Veröffentlicht: 14.02.2013, 16:51 Uhr

Weltall Ein Asteroid grüßt aus der Ferne

Auch wenn durch den fliegenden Gesteinsbrocken keine Gefahr besteht - seit knapp 100 Jahren kam kein Asteroid der Erde mehr so nahe wie „2012 DA 14“. Auch Satelliten sollen vor ihm sicher sein.

von , San Francisco
© Nasa, bearbeitet Asteroid 2012 DA14: Himmelskörper auf Besuch

Am kommenden Freitagabend, unmittelbar nach der Tagesschau, wird die Welt nicht untergehen. Das gilt allerdings nur, wenn sich Astronomen nicht verrechnet haben. Um genau 20.25 Uhr mitteleuropäischer Zeit - so die Kalkulation - wird nämlich ein Asteroid der Erde näher kommen als alle vergleichbaren Himmelsobjekte in den vergangenen hundert Jahren. Der etwa 50 Meter große Gesteinsbrocken mit dem wissenschaftlichen Namen „2012 DA 14“ soll in einer Entfernung von etwa 27.700 Kilometern an der Erdoberfläche vorbeifliegen. In unserer Alltagserfahrung erscheint das zwar unendlich weit, im astronomischen Sinne entgehen wir aber nur so eben haarscharf einem Zusammenstoß.

Würde der kosmische Brocken mit dem geschätzten Gewicht eines modernen Kreuzfahrtschiffes von etwa 180.000 Tonnen tatsächlich die Erde treffen, wäre die Wirkung mit der Detonation einer schweren Wasserstoffbombe mit einer Sprengkraft von 2,4 Megatonnen vergleichbar. Den letzten vergleichbaren Zusammenstoß dieser Art gab es am 30. Juni 1908, als über dem zentralsibirischen Tunguska-Fluss ein Asteroid niederging und in der Atmosphäre explodierte. Die Sprengkraft war so groß, dass die Bäume des Taigawaldes auf einer Fläche von mehr als 2000 Quadratkilometern wie Streichhölzer umknickten. Weil das Gebiet damals weitgehend unbewohnt war, kam niemand zu Schaden.

Außerhalb der Reichweite des Himmelskörpers

“2012 DA 14“ wurde vor knapp einem Jahr von Astronomen mit den Fernrohren des Observatoriums von La Sagra in Spanien entdeckt und einige Tage lang verfolgt. Die Berechnungen der Bahn ergaben den Vorbeiflug am kommenden Freitagabend. Danach verschwand der Asteroid wieder in den Tiefen des Sonnensystems. Anfang dieses Jahres fanden Astronomen in Chile den Gesteinsbrocken wieder und bestätigten die ursprünglichen Berechnungen.

Auch wenn keine Gefahr besteht, dass der Brocken die Erde trifft, kommt er unserem Planeten jedoch so nahe, dass er zweimal den Gürtel der geostationären Satelliten durchfliegt. Dort, in einer Höhe von knapp 36.000 Kilometern über der Erdoberfläche, befinden sich inzwischen etwa 300 Kunstmonde, von Wettersatelliten bis zu jenen Geräten, die uns Hunderte Fernsehprogramme ins Haus bringen. Nach den Berechnungen wird „2012 DA 14“ diesen Gürtel mit einer Geschwindigkeit von mehr als 45 000 Kilometern pro Stunde durchfliegen - ohne dabei allerdings einem der Satelliten zu nahe zu kommen. Und auch die Astronauten auf der Internationalen Raumstation können am Freitag in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen. Sie umkreisen die Erde nämlich in knapp 300 Kilometern Höhe, also ebenfalls außer Reichweite des kosmischen Besuchers.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sentinel-1B gestartet Europa verstärkt Erdbeobachtung aus dem All

Nach drei Anläufen ist der Start des Umwelt-Satelliten Sentinel-1B geglückt. Nun kreisen vier Wächter des europäischen Copernicus-Programms im All. Mehr

26.04.2016, 12:21 Uhr | Wissen
Sentinel-1B gestartet Europa verstärkt Erdbeobachtung aus dem All

Nach drei Anläufen ist der Start des Umwelt-Satelliten Sentinel-1B geglückt. Nun kreisen vier Wächter des europäischen Copernicus-Programms im All. Mehr

26.04.2016, 12:39 Uhr | Wissen
Internationale Raumstation Britischer Astronaut steuert Rover vom All aus

Weltraumfahrzeuge, die auf dem Mars oder dem Mond herumkurven, gibt es seit längerem. Jetzt wurde ein Roboterauto aus 400 Kilometern Höhe in der Nähe von London per Weltraum-Internet ferngelenkt. Mehr

01.05.2016, 17:57 Uhr | Wissen
Blauer Planet Nasa zeigt wunderschöne Bilder der Erde

Neue Aufnahmen der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa zeigen beeindruckende Bilder der Erde. Sie zeigen, wie ein Astronaut die Erde aus dem All sieht. Das Video hat eine besonders hohe Bildauflösung, die Erde erstrahlt in ultra high-definition. Mehr

21.04.2016, 10:55 Uhr | Wissen
Astronomie Frisch gelasert

Eines der europäischen Großteleskope in Chile wurde jetzt mit einer ganzen Batterie aus Strahlenkanonen bestückt. Die Technik schärft den Blick ins All ganz ungemein. Mehr Von Ulf von Rauchhaupt

02.05.2016, 16:26 Uhr | Wissen

Besuch beim Astronauten Hannelore Kraft würde gern mal ins All fliegen

Hannelore Kraft träumt von den Weiten des Weltalls, David Coulthard ist in Frankreich geblitzt worden und Jörg Hartmann will seine beiden Töchter zu selbstbewussten Frauen erziehen – der Smalltalk. Mehr 7

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden