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Veröffentlicht: 03.09.2004, 10:59 Uhr

Weimar Verheerender Großbrand in Anna-Amalia-Bibliothek

30.000 wertvolle Bücher sind unwiederbringlich verloren, darunter wohl auch ein Großteil der Bibelsammlung: Das Großfeuer in der weltberühmten Bibliothek hat einen einmaligen Bestand zerstört, dessen Wert kaum abzuschätzen ist.

© dpa/dpaweb Die größte „Faust”-Sammlung der Welt in Gefahr

Beim Großbrand in der zum Weltkulturerbe gehörenden Herzogin Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar sind nach Schätzungen der Stiftung Weimarer Klassik bis zu 30.000 wertvolle Bücher unwiederbringlich zerstört worden.

Wie die Stadt Weimar und die Stiftung Weimarer Klassik am Freitag mitteilten, handelt es sich dabei zum Teil um einmalige Bestände aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, darunter die Musikaliensammlung der Herzogin Anna Amalia und ein Großteil der Bibelsammlung. Weitere 50.000 im Rokoko-Saal lagernde Bücher konnten gerettet werden; allerdings sind 40.000 davon durch Löschwasser teilweise schwer beschädigt und sollen tiefgefroren werden, um sie vor dem Zerfall retten zu können, sagte Stiftungspräsident Hellmut Seemann am Freitag in Weimar.

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Die Decken im einzigartigen Rokokosaal seien weiter einsturzgefährdet. Das Technische Hilfswerk versucht derzeit, das Gebäude im oberen Bereich zu stabilisieren. Der Dachstuhl ist nur noch ein Gerippe. Er wurde fast vollständig zerstört.

Anna Amalia verkohlt © dpa/dpaweb Vergrößern Ein Teil des Weltkulturerbes verkohlt

Gut 500 Menschen waren in der Nacht im Einsatz. Etwa 120.000 Bände konnten geborgen werden. Der Marktwert der zerstörten und beschädigten Bücher ist nach Auskunft von Bibliotheksleiter Michael Knoche nicht abzuschätzen, da die Bestände einmalig waren. Deshalb bestand für die Bücher auch kein Versicherungsschutz. Am Gebäude entstand ein geschätzter Schaden in siebenstelliger Höhe.

Luther-Bibel gerettet

Nach Angaben Hellmut Seemanns konnten während des Feuers mit Hilfe einer Menschenkette 5.000 bis 6.000 Bücher in das erst vor kurzem eingerichtete Tiefenmagazin gebracht werden, darunter eine Luther-Bibel aus dem Jahr 1534 und Reiseberichte von Alexander von Humboldt. Die Bergungsarbeiten mußten vorübergehend eingestellt werden, weil die Lehmdecke einzustürzen drohte.

Seemann äußerte die Vermutung, daß der Brand durch einen Kurzschluß entstanden sein könnte; nach Angaben der Feuerwehr war die Ursache für das Feuer noch unklar. Der Brand war am Donnerstag abend im Dachstuhl der 300 Jahre alten Bibliothek ausgebrochen. Die Flammen griffen dann auf den prunkvollen Rokoko-Saal über, der das Herzstück der Bibliothek bildet. Gegen 23.30 Uhr, drei Stunden nach Ausbruch des Feuers, war der Brand unter Kontrolle. Am Freitag bekämpfte die Feuerwehr noch einen Schwelbrand im Dachgeschoß.

Das beherzte Eingreifen der Feuerwehrleute habe einen „Super-GAU“ verhindert, sagte Seemann. Nachdem er gesehen habe, wie meterhohe Flammen aus dem Gebälk schlugen, habe er befürchtet, daß das gesamte Gebäude einstürze. Diese Gefahr sei aber gebannt. Helfer retteten nach seinen Angaben auch viele Gemälde und Plastiken aus dem brennenden Haus. Ein Großporträt des Großherzogs Carl-August mußte zurückgelassen werden. Seemann sprach von einem „höchst mangelhaften Brandschutz“. An dem Gebäude sei in den letzten 80 Jahren wenig gemacht worden. Der berühmte Rokoko-Saal sollte in einem Jahr für acht Millionen Euro renoviert werden.

Die größte „Faust“-Sammlung der Welt

Die Bibliothek ist nach Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach benannt, die Mitte des 18. Jahrhunderts das sogenannte Grüne Schloß zur Bibliothek im Rokoko-Stil umgestalten ließ. Das Schloß war bereits im 16. Jahrhundert von Renaissancebaumeister Nicol Gromann erbaut worden. Der Bau liegt in Nachbarschaft zum Goethe-Haus, dem ehemaligen Wohnhaus des Dichters im Stadtzentrum von Weimar am Rande eines Parks. Der Rokoko-Saal, das Herzstück der Bibliothek, reicht über drei Geschosse. Die Bibliothek gehört zu den Bauten aus der Zeit des klassischen Weimar, die in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurden.

In der Bibliothek steht unter anderem die größte „Faust“-Sammlung der Welt. Zum Bestand gehören auch Erstausgaben der Klassiker Schiller, Herder, Wieland sowie 10.000 Shakespeare-Bände. Ein Teil der wertvollen Werke zieht derzeit vom Grünen Schloß in ein neues, 23 Millionen Euro teures Tiefenmagazin um, das im Februar 2005 eröffnet werden soll (Schatzkammer des Buches).

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