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Weihnachtsmärkte Früher die Glocken nie klingen

 ·  Viele Weihnachtsmärkte in Deutschland öffnen dieses Jahr oft schon vor dem Totensonntag. Das bringt nicht nur besinnliche Freude: Kirchenvertreter sind erbost.

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© dpa Vergrößern Der Stein des Anstoßes: Die Eröffnung des Weihnachtsmarktes in Potsdam, dieses Jahr unter dem Motto: „Blauer Lichterglanz“.

Am Mittwoch wurde der Weihnachtsmarkt in Heidelberg eröffnet, am Donnerstag waren Krefeld und Halberstadt dran. Und noch weitere Märkte haben schon vor der Adventszeit und vor dem Abschluss des Trauermonats November ihre Pforten geöffnet. So schön die Einstimmung auf die Weihnachtszeit auch sein mag - die frühe Öffnung noch vor dem Totensonntag kommt nicht überall gut an. Sprecher beider Konfessionen haben Vorbehalte geäußert. Sie prangern vor allem den fehlenden Respekt gegenüber der Trauerzeit und die Ausrichtung der Adventszeit an kommerziellen Gesichtspunkten an.

Besonders hoch schlugen die Wellen in Potsdam. Dort wandten sich Repräsentanten des Kirchenkreises gegen die Öffnung am vergangen Mittwoch und stellten bei der Stadt einen Antrag auf Verlegung des Öffnungstermins, der allerdings abgelehnt wurde. Der frühere Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Manfred Stolpe, sagte am Freitag in der Regionalpresse, er sei erschüttert, dass Kommerzdenken sich über alle Anstandsregeln hinwegsetze. Er rief dazu auf, den Weihnachtsmarkt an diesem Wochenende noch nicht zu besuchen.

Nächstes Jahr soll es das Problem nicht wieder geben

Von einem Boykott hält Joachim Zehner, der Superintendent des Kirchenkreises Potsdam, aber nichts: „Ich finde den Dialog wichtiger und dass wir auf unser Anliegen öffentlich aufmerksam machen.“ Das grundlegende Problem sieht er jedoch genauso. Es sei schön, dass der Totensonntag respektiert werde - die Stadt hat den Händlern untersagt, am Sonntag zu öffnen. „Die Woche davor ist aber genauso wichtig.“ Er finde es „schwierig“, in der Woche zwischen Volkstrauertag und Totensonntag, zwei Tagen, an denen der Toten gedacht werde, den Weihnachtsmarkt zu eröffnen. Erfreut zeigte er sich darüber, dass der Potsdamer Oberbürgermeister für ein Gespräch offen sei, in dem man eine zufriedenstellende Lösung für die kommenden Jahre finden könne. „Es gibt für alles eine Zeit im Jahr“, sagt Zehner. „Und der November ist nun einmal die Zeit des Trauerns.“

Interaktiv: Deutschlands schönste Weihnachtsmärkte

Stefan Schulz, der Pressesprecher der Stadt Potsdam, ist überrascht von der Heftigkeit der Kritik: „Der Termin stand schon seit einem halben Jahr fest, und bis November gab es keine Kritik.“ Nach seiner Ansicht reicht die Achtung des Totensonntags als marktfreier Feiertag aus. Eigentlich sei es dieses Jahr sogar besser geregelt als in der Vergangenheit. Sonst sei der Markt immer am Montag nach dem Totensonntag eröffnet und am Sonntag deswegen in der Innstadt noch „gebohrt, gehämmert und genagelt“ worden. Außerdem habe sich Potsdam auch an Städten wie Essen, Aachen oder Düsseldorf orientiert, die ebenfalls in dieser Woche ihre Weihnachtsmärkte eröffnet haben.

Die Bevölkerung hat keine einheitliche Haltung

Das Problem tritt dieses Jahr auf, weil Heiligabend auf einen Montag fällt und die Adventszeit damit kurz ist. Weihnachtsmärkte, die keinen festen Eröffnungstermin haben, sondern sich an der Laufzeit von meist rund 30 Tagen orientieren, kamen mit ihren Terminen deshalb weit in den November hinein. Märkte wie der Nürnberger Christkindlesmarkt, der traditionell am Freitag vor dem ersten Advent eröffnet wird, können dieses Jahr nur an 25 Tagen besucht werden. Weniger Kritik wegen des Öffnungstermins gab es in Heidelberg. Dort informierte die Stadt schon im Frühjahr die Kirchen über den Öffnungstermin, wie Vera Cornelius berichtet, die Geschäftsführerin des Veranstalters Heidelberg-Event GmbH. Der Termin habe sich aus der Überlegung ergeben, dass der Markt am 22. Dezember schließt und eine Laufzeit von rund 30 Tagen hat. Zur Entscheidung standen dieses Jahr der 21. und der 28. November als Öffnungstermin. Im Sinne der Laufzeit wurde die Entscheidung für den Buß- und Bettag getroffen, den 21. November. Somit wurde der Markt vier Tage vor Totensonntag eröffnet und bleibt 31 Tage offen. Die frühe Öffnung dieses Jahr sei ein kalendarischer Sonderfall. Da jedoch von Anfang an bestimmt wurde, dass die Buden am Sonntag nicht öffnen dürfen, konnte die Zustimmung der Kirchen gewonnen werden. Trotzdem wird es im Januar Gespräche zwischen Stadt, Veranstalter und Kirchen geben, da mit dem Termin mittlerweile „keiner so ganz zufrieden“ sei.

Die Bevölkerung scheint in der Frage gespalten zu sein. Bei einer Umfrage auf der Internetseite des Mitteldeutschen Rundfunks etwa sprachen sich bis zum Freitagmittag 422 Teilnehmer (77 Prozent) gegen eine Öffnung vor Totensonntag aus. Den Besuchern ist die Kritik der Kirchen aber wohl nicht allzu wichtig. Vera Cornelius berichtet, dass in Heidelberg der Weihnachtsmarkt am Eröffnungstag sehr gut besucht gewesen sei. Auch in Potsdam hat die Auseinandersetzung wohl nur wenige Menschen von einem Besuch abgehalten - die Händler meldeten am Freitag den größten Besucherandrang an einem Eröffnungstag.

Der Ochs ist vom Eis

Dieses Jahr soll die Krippe vor Sankt Peter in Rom den Vatikan keinen Cent mehr kosten. Jahrelang musste sich der Vatikanstaat den Vorwurf gefallen lassen, das Geld für den Aufbau der Krippe werde an gierige Bauunternehmer der Region verschwendet, statt damit das päpstliche Sozialwerk zu unterstützen. Ihm sei es gelungen, die Kosten für den Aufbau der Krippe von 550 000 Euro im Jahr 2009 auf 300 000 Euro zu drücken, schrieb der Nuntius bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Carlo Maria Viganò, aus New York an Benedikt XVI. Sein Bemühen, Verschwendung und Korruption zu verringern, habe wohl manchen Leuten im Vatikan nicht gepasst, mutmaßte Viganò und brachte seine Vertreibung aus dem Vatikan in die Neue Welt mit diesem Bemühen und mit dem päpstlichen Staatssekretariat des Kardinals Tarcisio Bertone in Verbindung. Von diesen Interna weiß die Öffentlichkeit nur deshalb, weil Viganòs Brief zu den Dokumenten gehört, die in der Affäre „Vatileaks“ vom Schreibtisch des Papstes gestohlen worden waren.

Doch zurück zur Krippe: Auch 300 000 Euro für deren Aufbau scheinen noch ein unerklärlich hoher Betrag zu sein. Wie kann es so teuer sein, jedes Jahr die lebensgroßen Krippenfiguren von Maria und Josef, Ochs und Esel - sie stammen aus der Zeit des Barock - aufzustellen? Das Jahr über werden die Figuren „nebenan“ in der Geburtskirche des Theatinerordens Sant’Andrea della Valle aufbewahrt.

In diesem Jahr nun erübrigt sich jede Kritik, denn die italienische Region Basilikata übernimmt alle Kosten für den Aufbau der 225 Quadratmeter großen Weihnachtskrippe. Dafür schickt sie zum Beispiel auch Terrakotta-Figuren in den Gewändern der Basilikata. Lastwagen brachten in dieser Woche schon Fässer aus Barile, in denen sonst der wegen seiner uralten Traube Aglianico beliebte Rotwein der Region lagert. Auch dekorative Elemente der Höhlensiedlungen in Matera, einem Anziehungspunkt für Touristen in der süditalienischen Landschaft, kamen nach Rom.

Zum Schluss wird aus der Region Molise noch der Weihnachtsbaum gebracht, dessen Lichter Benedikt XVI. am 14. Dezember mit einem Knopfdruck zum Strahlen bringt. Welche Region im nächsten Jahr die Krippe spenden wird, steht noch nicht fest. Es heißt, Kardinal Giuseppe Bertello, der Chef des Vatikanstaats, schließe nicht einmal aus, dass die Krippe aus dem Ausland kommen könnte. (jöb.)

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