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Weihnachtsgrüße Feldpost nach 71 Jahren

 ·  Ein Schreiben von der Insel Jersey wird in Mühlheim am Main zugestellt. Hinter dem Brief liegt eine ungewöhnliche Odyssee.

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Wie lange seine Weihnachtsgrüße unterwegs sein würden, konnte der „Soldat Emil Adam“ nicht ahnen, als er 1941 der „Familie Josef Bergmann“, Nachbarn in seinem Heimatort Dietesheim am Main, heute Teil der hessischen Stadt Mühlheim östlich von Frankfurt, „frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neujahr“ wünschte.

Der junge Mann versah damals Dienst auf der britischen Kanalinsel Jersey, die im Jahr zuvor von der Wehrmacht besetzt worden war. Am 16. und 17. Dezember 1941 fanden Adam und zahlreiche weitere Soldaten, die ebenfalls auf Jersey stationiert waren, Zeit, Angehörigen und Bekannten zu Hause ein paar Zeilen zu schreiben. Doch erst am Dienstag - geschlagene 71 Jahre später - fuhr ein gelbes Postauto am Bestimmungsort vor, um die Grüße zuzustellen: Gemeinsam überbrachten Klaus Kaiser, Postbote der Deutschen Post in Mühlheim, und Michael McNally, Leiter der internationalen Abteilung der Post von Jersey, das inzwischen schon ziemlich vergilbte Schreiben dem Enkel des Empfängers, Engelbert Josef Bergmann.

Die Feindespost wurde nicht vernichtet

Der kann sich an den schon vor Jahren gestorbenen Nachbarn noch gut erinnern: Etwas jünger als sein eigener Großvater sei Emil Adam gewesen. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass er im Krieg gewesen ist.“ Keine Briefmarke und kein Stempel zieren den Umschlag. „Feldpost“ hat der Absender darauf handschriftlich vermerkt. Die Grüße stehen auf einer Karte mit englischsprachigem Aufdruck; die Rückseite ziert ein Gemälde mit Segelbooten.

Hinter dem Brief liegt eine ungewöhnliche Odyssee. Eine Gruppe junger Männer beschloss 1941, als Zeichen des Widerstands gegen die deutschen Besatzer Briefe aus dem Feldpostamt zu entwenden, das die Wehrmacht in einem Laden in Saint Helier, der Hauptstadt von Jersey, eingerichtet hatte. „Junge Leute, die ein bisschen Unruhe machen wollten“, sagt McNally.

Schwer zu lesen

86 Briefe gelangten in ihre Hände. Die Feindespost wurde aber nicht etwa vernichtet, sondern sorgfältig aufbewahrt. Einer der damals jungen Männer, der anonym bleiben möchte, stellte sie sieben Jahrzehnte später dem Archiv von Jersey zur Verfügung, das Kopien anfertigte, viele Schreiben übersetzen ließ und sich an die Post von Jersey wandte. Die informierte im September die Deutsche Post. Daraus entstand die Idee, die Adressaten oder deren Nachfahren in Deutschland ausfindig zu machen und die Briefe, wenngleich verspätet, doch noch zuzustellen.

Manche Handschrift sei schwer zu lesen gewesen, sagte Felix Blaich von der Deutschen Post, der gemeinsam mit einigen Kollegen nachzuforschen begann. Die Adress-Datenbanken der Post leisteten gute Dienste; Telefonbücher wurden gewälzt und viele Leute angerufen. Manche Recherche endete in einer Sackgasse. Einige Schreiben seien auch an Empfänger in Gebieten adressiert gewesen, die heute nicht mehr zu Deutschland gehören, oder an NS-Organisationen, die es nicht mehr gibt. Zehn Briefe habe man bislang zuordnen können. Sie sollen noch vor Weihnachten den Empfängern ausgehändigt werden.

Engelbert Josef Bergmann verriet, was er mit dem Brief von der Kanalinsel Jersey machen will: „Ich denke, dass wir den einrahmen werden.“

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19.12.2012, 06:08 Uhr

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