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Weihnachten im Vatikan : Alles spare wieder

Die 25 Meter hohe deutsche Fichte vor dem Petersdom in Rom. Bild: AP

Jeder Festangestellte im Vatikan erhält zum Jahresende eine Flasche Prosecco und ein Panettone, freie Mitarbeiter bekommen kein Geschenk mehr. Der Papst hat das Sparen befohlen – und teilweise hält sich der Kirchenstaat daran.

          Längst prangt der 25 Meter hohe Weihnachtsbaum auf dem Platz vor dem Petersdom von Rom. Selbst am Tag schimmert sein Schmuck in den unterschiedlichsten Farben, und wenn es dunkel wird, strahlen die Lichter. Unter dieser Fichte aus Bayern steht seit ein paar Tagen die Krippe mit 23 holzgeschnitzten Figuren aus der Dolomitenprovinz Trient.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Das klingt wie in jedem Jahr, doch diesmal ist alles anders. Der Platz ist aus Terrorfurcht besser gesichert, und alles soll sparsamer ausfallen. Zudem richten sich die Augen nicht mehr auf den Baum und die Krippe. Denn seit Papst Franziskus am 8. Dezember das „Jahr der Barmherzigkeit“ ausrief, führen abgesperrte Wege daran vorbei zur Heiligen Pforte auf der rechten Seite von Sankt Peter.

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          Offenbar hatten die Stadt Rom und der Vatikan schon jetzt mit Zehntausenden Pilgern gerechnet. Unter den Kolonnaden stehen wohl ein Dutzend Metalldetektoren, von denen aber nur wenige genutzt werden. Hunderte Helfer rund um den Vatikan wollen den Weg zur Heiligen Pforte weisen; doch meist stehen sie für sich allein. Trotz des anstehenden Weihnachtsfestes bekommen die Buchgeschäfte vor dem Petersplatz weniger Besuch als sonst, denn sie liegen - wie Weihnachtsbaum und Krippe - außerhalb der Absperrungen.

          Schon Mitte November hatten der Regensburger Bischof Rudolf Vorderholzer und seine Delegation die bayerische Fichte aus den Gemeinden Freudenberg, Hirschau und Schnaittenbach nach Rom gebracht. Auf dem Lastwagen mit der grünen Fracht stand: „Post für den Papst - 25 Meter für Sankt Peter“. Einen zweiten Baum, kleiner und unscheinbarer, brachte die Delegation Alt-Papst Benedikt in sein Kloster in den Vatikanischen Gärten. Dort soll wie immer ein Adventskranz liegen, während Papst Franziskus das erste Mal in seiner Amtszeit so einen Kranz hat - als Geschenk der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom.

          Das Weihnachtsgeheimnis liege bei denen, die wohltätig seien

          Zur Weihe von Weihnachtsbaum und Krippe sagte der Papst, Jesus schätze „die gewaltigen Revolutionen der Mächtigen in der Geschichte“ nicht. Die Krippe sage uns, dass Gott sich nicht mit den Mächtigen verbünde und sich auch nicht mit Gewalt aufzwinge: „Gott kommt als kleines Kind zu uns, um mit seiner demütigenden Güte unsere Herzen anzuhören.“ Das Weihnachtsgeheimnis liege bei denen, die wohltätig seien, sagte der Papst. Im Sinne Jesu handle jene Person auf der Krippenlandschaft vor Sankt Peter, „die sich niederbeugt, um einem alten Menschen zu helfen“. In diesem Sinne besuchte der Papst am Freitag die seit bald 30 Jahren aktive Caritas-Station in der Nähe des Hauptbahnhofs.

          Dort öffnete er eine „Pforte der Barmherzigkeit“ - die wohl einzige Pforte auf dem Erdkreis, die nicht zu einer Kirche gehört, eine simple Glastür, die in den Speisesaal der Einrichtung führt. Gott komme, um uns zu retten, sagte der Papst in seiner Predigt. Er habe keinen besseren Weg dafür gefunden, als unseren Lebensweg zu teilen. Er habe dazu „keine große Stadt, kein großes Reich, keine Prinzessin oder Gräfin, keine wichtige Person ausgewählt, keinen Palast“ - sondern in die Krippe einen Säugling gelegt, seinen Sohn. Wo die Geringsten seien, dort sei Jesus, sagte der Papst bei der Caritas.

          Mutmaßlich war Franziskus noch nie in seinem eigenen Luxustempel der überflüssigen Dinge im alten Bahnhof des Vatikans, wo sich dieser Tage Kurienmitarbeiter und Diplomaten für Weihnachten eindecken. Die Produkte der teuersten Modelinien und Luxusmarken werden dort genauso feilgeboten wie teure technische Geräte. Das Angebot ist nicht so groß wie in den Luxusläden an der Via dei Condotti, geht aber weit über den Bedarf hinaus, den man bei Geistlichen und Schwestern vermuten könnte. Freilich kostet das weiße Hemd für den Geistlichen von einer Luxusmarke dort kaum mehr als vor den Toren des Vatikans, denn der Vatikan verkauft mehrwertsteuerfrei. Besonders kritisiert wurde im auslaufenden Jahr, dass eine Zigarettenmarke versuchte, bei besonders großen Einkäufen des Vatikans einen Sonderrabatt zu gewähren. Aber hier kaufen eben nicht nur Ordensmitarbeiter, sondern auch alle am Vatikan akkreditierten Diplomaten. Im Supermarkt des Vatikans nicht weit vom Anna-Tor drängen sich derweil vor allem die Ordensfrauen, um letzte Einkäufe für ihre Gemeinschaften zu machen. Dabei geht es meist um die üblichen Nahrungsmittel und um alles, was man zum Backen braucht.

          Jeder Festangestellte im Vatikan erhält zum Jahresende eine Flasche Prosecco und ein Panettone, den klassischen italienischen Weihnachtskuchen aus Weizensauerteig. Freie Vatikanmitarbeiter bekommen kein Geschenk mehr. Der Papst hat das Sparen befohlen. Früher leistete sich der Vatikan den Bau einer teuren Krippe, die noch 2009 knapp mehr als 500.000 Euro gekostet haben soll, weil sich das Governatorat, also die Regierung der Vatikanstadt, ohne Rechnungsprüfung hohe Kosten aufbürdete, um womöglich mit ihr verbundene Unternehmer zu bereichern. Der Papst will sein Weihnachtsfest vor allem auf die liturgischen Feiern beschränken. Er gönnt sich kaum eine Arbeitspause. Höhepunkt ist der Segen „Urbi et Orbi“ am ersten Weihnachtstag.

          Quelle: F.A.Z.

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