28.07.2008 · Die Witwe des Schauspielers Klaus Kinski hat Strafanzeige wegen der Veröffentlichung einer Krankenakte ihres Mannes aus der Psychiatrie gestellt. Wegen der „privatesten Enthüllungen“ sei irreparabler Schaden entstanden.
Die Witwe von Klaus Kinski, Minhoi Loanic, hat am Montag Strafanzeige gegen das Berliner Landesarchiv und den städtischen Krankenhauskonzern Vivantes erstattet. Vivantes hatte Anfang vergangener Woche die Krankenakten von 90.000 Patienten dem Landesarchiv übergeben, und bei der Gelegenheit war in den Berliner Zeitungen ausführlich aus der Krankenakte des Schauspielers zitiert worden. Kinski hatte 1950 wenige Tage nach einem Eklat in der Praxis seiner Ärztin in der Nervenklinik verbracht.
Seine Witwe ist der Auffassung, die Akten ihres Mannes seien „offensichtlich zu Werbezwecken“ herausgegeben worden, jedenfalls ohne sie zu informieren oder ihre Einwilligung dazu einzuholen. Die Anzeige richte sich gegen die Verantwortlichen des Landesarchivs, der Vivantes GmbH und „alle weiteren in Betracht kommenden Personen“, teilte Anwalt Ferdinand von Schirach mit. Aus seiner Sicht besteht der Tatverdacht des Geheimnisverrats, des Verstoßes gegen das Berliner Datenschutzgesetz sowie einer Beihilfe zur Datenübermittlung. Ob die Witwe gegen das Land Berlin Schadenersatzforderungen stellen wird, sei noch nicht entschieden, teilte ihr Anwalt mit.
„Privateste Enthüllungen“
Eigentlich soll die Übergabe der Patientenakten der Erforschung der Euthanasieverbrechen im „Dritten Reich“ dienen. Der Inhalt der Akten fußt nach Angaben des Anwalts auf Mitteilungen, die der damalige Patient Kinski seinen betreuenden Ärzten und Psychologen anvertraut habe. Diese unterlägen der Schweigepflicht. Das Landesarchiv berief sich bei der Veröffentlichung auf das Archivgesetz, in dem die Weitergabe der Akten nach bestimmten Fristen möglich ist. Schirach erklärte demgegenüber, durch die „privatesten Enthüllungen über das Leben von Klaus Kinski“ sei irreparabler Schaden entstanden.
Die Vietnamesin Minhoï Loanic ist die dritte Ehefrau Kinskis und laut Schirach Haupterbin. Die 1971 geschlossene Ehe, aus der Sohn Nanhoï Nikolai hervorging, wurde 1976 geschieden. Weitere Kinder aus früheren Ehen sind die Töchter Pola und Nastassja.
90.000 Dokumente
Loanic lebt den Angaben zufolge noch an Kinskis letztem Wohnort Lagunitas in Nordkalifornien. Zuletzt habe sie Berlin zur Berlinale anlässlisch der Premiere des Kinski-Films „Jesus Christus Erlöser“ besucht.
In Lagunitas war Kinski am 23. November 1991 im Alter von 65 Jahren gestorben. Im Rollenfach psychopathischer und getriebener Charaktere zählte Kinski international zu den gefragtesten Filmschauspielern.
Der historische Aktenbestand der Nervenklinik umfasst rund 90.000 Dokumente aus 80 Jahren Psychiatriegeschichte (1880-1960). Diese stehen im Landesarchiv Forschern auf Antrag zur