http://www.faz.net/-gum-9b4yv

Korea-Gipfel in Singapur : Wie Dennis Rodman mit Basketball die Welt retten wollte

Dennis Rodman gab die ersten Pressestatements bei seiner Ankunft am Flughafen von Singapur Bild: AFP

Wenn es nach Dennis Rodman ginge, dann hat er den Frieden zwischen Nordkorea und Amerika im Alleingang vorbereitet. Aber was ist dran an seiner „Basketball-Diplomatie“?

          Wer hat das größte Verdienst daran, dass sich Donald Trump und Kim Jong-un in Singapur getroffen haben? Für Dennis Rodman steht fest: Er natürlich. In Interviews mit amerikanischen Fernsehsendern vom Ort des Treffens erzählte der ehemalige Basketball-Profi, wie hart er an diesem Treffen mitgearbeitet habe und und wie sehr er von dem Ergebnis gerührt sei. Er trug dazu das rote „Make America great again“-Cappy der Trump-Fans, eine dunkle Sonnenbrille und ein Shirt seines Sponsors Potcoin.com, einem Netzwerk mit gleichnamiger Krypto-Währung, das Cannabiskonsum legalisieren will. Kurz musste sich Rodman ein paar Tränen unter den dicken Brillengläsern fortwischen, als er von Morddrohungen erzählte, die er nach einem früheren Nordkorea-Besuch erhalten habe. Auch konnte er sich nicht verkneifen, dem früheren amerikanischen Präsidenten Barack Obama noch eins mitzugeben: Der habe ihn nach seiner Rückkehr aus Nordkorea ja nicht einmal anhören wollen.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Rodman ist, das zeigt auch diese letzte Aussage, völlig überzeugt von seiner Idee der „Basketball-Diplomatie“. Als solche bezeichnete er seine Besuche beim Diktator, die er seit 2013 regelmäßig durchführt. Die Liebe für den Sport in der nordkoreanischen Führerfamilie ist lange bekannt. Bereits 2000 brachte die frühere amerikanische Außenministerin Madeleine Albright einen von Michael Jordan signierten Basketball als Gastgeschenk mit. Er liegt heute noch in einem Museum in Nordkorea. Kim Jong-un ist Fan seit seiner Kindheit. Während seiner kurzen Schulzeit auf einem Berner Internat soll er sein Zimmer mit zahlreichen Postern der Chicago Bulls tapeziert haben, jener Basketball-Mannschaft, die damals als beste der Welt galt und in der Dennis Rodman und Michael Jordan spielten.

          Im Februar 2013 traf Rodman zum ersten Mal auf Kim, da hatte er den Profisport zwar schon seit 13 Jahren an den Nagel gehängt, doch das störte Kim wenig. Später schwärmte der ehemalige Basketball-Star vor der Presse, was für ein netter Mensch der nordkoreanische Führer eigentlich sei: ehrlich, ganz normal und ein sehr guter Typ. Rodman nennt ihn seitdem seinen „Freund fürs Leben“. Zu seinem Geburtstag organisierte er 2014 ein Basketballturnier zwischen ehemaligen NBA-Spielern und einer nordkoreanischen Mannschaft – und sang ein „Happy Birthday“-Ständchen für seinen Freund. Im Stadion gab es 30-minütigen Applaus. Propaganda? Keineswegs, für Rodman war klar: Die Leute lieben diesen Mann, ihren Führer. Generell wollte er auch keine unangenehmen Fragen wegen Menschenrechtsverletzungen oder all der Berichte über hingerichtete Onkel an den Diktator stellen, so betonte er in Interviews vor und nach seinen Besuchen immer wieder. Er sei nicht wegen der Politik dort. Mit Kim verbinde ihn vielmehr die Liebe zum Sport.

          Wie leicht er sich dann doch für Nordkoreas Propaganda missbrauchen ließ, zeigte sich schon nach jenem Geburtstagsständchen. Bei diesem Treffen gab Kim Jong-un ihm mit auf den Weg, wenn Präsident Obama ihn mal anrufen würde, das wäre doch was! Wie Rodmans Äußerungen dieser Tage in Singapur zeigen, scheint er tatsächlich geglaubt zu haben, dass seine Basketball-Diplomatie auf diesem Weg Früchte tragen könnte, ja dass er nach dem Nordkorea-Besuch einfach nur mal kurz Obama darauf hinweisen müsse, dass man in Pjöngjang anrufen müsse und schon seien Kriegsdrohungen, Militärmanöver und Sanktionen vergessen.

          Nun feiert sich selbst auch auf Twitter für den Erfolg seiner „Diplomatie“. Am 9. Juni veröffentlichte er dort noch einmal ein Bild, das vor einem Jahr aufgenommen wurde. Es zeigt ihn in Pjöngjang mit dem nordkoreanischen Minister Kim Il-guk. Rodman überreicht mit großer Geste Trumps Buch „Art of the Deal“. Trump kennt er seit seinen Auftritten in dessen TV-Show „The Apprentice“. Er nennt auch den amerikanischen Präsidenten „einen Freund“ und veröffentlicht dazu eine Aufnahme, in der beide in New York in die Kamera grinsen.

          Am Dienstag, nach Abschluss des Trump-Kim-Treffens, twitterte Rodman noch ein Foto mit dem Homeland-Security-Berater Tom Bossert aus Singapur. Man habe sich darüber unterhalten, wie seine Besuche in Pjöngjang die Türen geöffnet hätten. Mit etwas Glück und einigen weiteren Tränenreichen Auftritten könnte Rodman seinen Mythos festigen und dann neben David Hasselhoff in die Heldenhalle der Friedensbringer einziehen. Wie heute alle wissen, hat der ja auch allein durch seine Performance von „Looking for freedom“ die Mauer eingerissen.

          Weitere Themen

          Familien mit Kindern inhaftieren Video-Seite öffnen

          Trump lenkt ein : Familien mit Kindern inhaftieren

          Das radikale Vorgehen der amerikanischen Behörden bei illegalen Einwanderern sorgt selbst in der republikanischen Partei für zunehmende Kritik. Nach einem innerparteilichen Treffen unterstützt US-Präsident Donald Trump nunmehr zwei Gesetzesentwürfe seiner Partei.

          Die Queen empfängt Trump

          Treffen im Juli angekündigt : Die Queen empfängt Trump

          Mitte Juli wird Amerikas Präsident erstmals während seiner Amtszeit nach Großbritannien reisen – und neben der Premierministerin auch Königin Elisabeth II. treffen. Auf eines wird Donald Trump bei dem Besuch aber verzichten müssen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.