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Walfang Kein Walfangrecht für Naturvölker

24.05.2002 ·  Zwei Versuche, zwei Niederlagen: Die Internationale Walfang-Kommission hat Inuit und Tschuktschen das bisherige Recht versagt, Wale zur Selbstversorgung jagen zu dürfen.

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Wie du mir, so ich dir. Nach diesem profanen Motto hat offenbar Japan zum Abschluß der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) 2002 in Shimonoseki verhindert, daß den Ureinwohnern Alaskas und Sibiriens das traditionelle Sonderrecht zur Waljagd verlängert wird. Dieses Sonderrecht war Inuit und Tschuktschen in 56 Jahren IWC-Geschichte stets eingeräumt worden, da Walfleisch seit jeher zur Nahrungsgrundlage dieser Völker zählt.

Das Zustandekommen der Entscheidung gilt als Retourkutsche Japans, das seinerseits während der Tagung mit dem Versuch gescheitert war, das seit 1986 geltende Verbot für den kommerziellen Walfang aufzuheben. Die beiden Vermittlungsvorschläge der USA und Rußlands, den Naturvölkern Sonderfangquote weiterhin zu gewähren, scheiterten am Donnerstag und am Freitag daran, daß die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit in der Kommission auf Betreiben Japans nicht zustande kam. Nur 30 in der IWC vertretene Staaten stimmten dafür, 15 waren dagegen, ein Land enthielt sich.

Lebensumstände werden härter

Die Folge der seit Freitag gültigen Entscheidung: Während anderen Staaten zumindest spezielle Fangquoten für bestimmte Walarten zugesprochen wurden, dürfen Inuit und Tschuktschen ab dem kommenden Jahr als Einzige erstmals nicht mehr legal Walfang betreiben. Damit sind die in ihrer arktischen Heimat besonders schweren Lebensbedingungen ausgesetzten Menschen einer ihrer wichtigsten Versorgungsgrundlagen beraubt.

Japanische Rache an den USA

Genau in diesem Punkt sehen Umweltschützer den Skandal. Während die Japaner mit ihrem Bestreben, Beschränkungen des Walfangs aufzuheben, lediglich kommerzielle Motive verfolgten, werde den Menschen in Alaska und Nordsibirien eine wichtige Lebensgrundlage entzogen, hieß es. Auf dem Rücken der Naturvölker rächten sich die Japaner also an den USA, die zum Schutz der Meeressäuger eine völlige Freigabe der Fangquoten zuletzt immer wieder verhindert haben. Während der US-Delegierte Rolland Schmitten die Haltung der Japaner als politisch motiviert kritisierte, sprach der Vertreter Japans, Masayuki Komatsu, davon, daß sein Land nicht akzeptiere, daß USA und IWC mit zweierlei Maß messen würden. Ein Vertreter des International Fund for Animal Welfare sagte, er habe noch kein Treffen erlebt, bei der das Sonderrecht der Ureinwohner als „Kuhhandel“ benutzt wurde.

Sorgen bei den Inuit

Die Ausnahmeregelung für die Naturvölker sollte für weitere fünf Jahre gelten. Die Amerikaner wollten die Jagd von jährlich 60 Walen durchsetzen - 56 Grönlandwale im Siedlungsgebiet der Inuit sowie vier Gray-Zweizahnwalen im Gebiet der Makah-Indianer. Rußland hatte vorgeschlagen, den Tschuktschen die Tötung von 120 Grauwalen zu erlauben. Nachdem es nun offiziell gar keine Fangerlaubnis mehr gibt, zeigte sich der Sprecher der amerikanischen Inuit, George Ahmaogak, über die Zukunft seines Volkes besorgt: Der Walfang habe den Inuit über Jahrtausende hinweg eine Ernährungsgrundlage geboten.

Schwarzer Tag für die IWC

Daran wird sich voraussichtlich trotz der Entscheidung der IWC kaum etwas ändern. Schließlich haben viele Inuit kaum eine Wahl, wenn sie sich ausreichend versorgen wollen. Da auch die Japaner nahezu unverhohlen den Walfang nicht nur aus den offiziell erlaubten wissenschaftlichen Gründen betreiben, bleibt unter dem Strich, daß die Arbeit der IWC für den Erhalt der bedrohten Meeres-Säugetiere nicht allzu erfolgreich war. Fazit von Volker Homes, Artenschutzexperte des WWF: „Dies ist ein schwarzer Tag für die IWC.“

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