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Waldbrände in Portugal : „Warum die EU das gefördert hat, verstehe ich nicht“

Die jüngste Waldbrand-Katastrophe in Portugal hat mindestens 64 Todesopfer gefordert. Bild: dpa

In Portugal besteht ein Großteil des Waldes aus leicht brennbaren Eukalyptusbäumen und Pinien. Ein Interview mit Hansjörg Küster, Professor für Geobotanik, über die missglückte Aufforstung in dem Land.

          Herr Küster, Experten in Portugal haben gesagt, die jüngste Waldbrand-Katastrophe mit mindestens 64 Toten sei absehbar gewesen, weil in dem Land massenweise Pinien und Eukalyptusbäume angepflanzt worden sind. Welche Rolle hat das bei den Bränden gespielt?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ganz allgemein spielt das bei Waldbränden auf jeden Fall eine Rolle, bei dem einen Brand mehr, bei dem anderen weniger. Sowohl Pinien als auch Eukalyptusbäume sind reich an Harz und sehr leicht brennbar. Außerdem stehen sie weit auseinander und sind sehr licht, sodass der Boden schnell austrocknet. Vor allem der Eukalyptusbaum gehört nicht nach Europa, der kommt aus Australien. Die Europäische Union hat die Aufforstung gefördert, auch deswegen ist das ganze Mittelmeergebiet jetzt voll davon, vor allem Portugal.

          Professor für Pflanzenökologie: Hansjörg Küster.
          Professor für Pflanzenökologie: Hansjörg Küster. : Bild: Privat

          Schon 2015 sollen Eukalyptus-Bäume auf mehr als 800.000 Hektar – einem Viertel der portugiesischen Waldfläche – gewachsen sein. Was hat man sich von dieser massiven Aufforstung versprochen?

          Viele Landwirte haben mit ihren Feldern kein Geld mehr verdient, sie arbeiten in den Städten. Ihre Felder wurden nicht mehr genutzt. Dann hat man sich gedacht: Irgendwas muss man mit der ganzen Fläche doch machen. Pinien und Eukalyptusbäume wachsen schnell, man kann schnell zu Profit kommen. Das haben Unternehmen den Leuten wahrscheinlich erklärt und die sind darauf eingegangen. Leider hat man sich für die falsche Baumart entschieden.

          Löscharbeiten dauern an : Weitere Tote bei Waldbränden in Portugal

          Portugal hatte mit vielen Wirtschaftskrisen zu kämpfen. Aus Eukalyptus wird Zellulose gewonnen, die man für die Papierherstellung braucht. Für das Land ist das ein wichtiger Devisenbringer. Ist das also ökonomisch nicht doch sinnvoll?

          Um es mal zynisch zu sagen: Spätestens wenn Ihr Wald abbrennt, verdienen Sie damit kein Geld mehr. Und das passiert in Portugal in immer größeren Ausmaßen. Den Leuten fehlt die Phantasie, was man mit Flächen machen kann, die nicht genutzt werden.

          Zum Beispiel?

          Landwirtschaftlich nutzen. Es sollte in Europa viel mehr Getreide angebaut werden, das funktioniert hier besser als in Afrika, wo es zunehmend gemacht wird. Wenn wir über die Welternährung nachdenken und die Probleme, die da auf uns zukommen, müssen wir das mitdenken. Ich wäre außerdem für eine andere Art der Förderung: Man sollte Bauern nicht für die Produktion, sondern für die Landpflege Geld geben. Wir schimpfen oft über die Landwirte, weil sie sich für Massentierhaltung entscheiden oder auf ihren Feldern plötzlich Eukalyptus anpflanzen, aber sie sehen einfach keine andere Möglichkeit, um an Geld zu kommen. Die Landschaft zu pflegen, das liegt doch auch im öffentlichen Interesse. Und wenn man unbedingt aufforsten will, sollte man das mit Laubholz machen, mit Kastanien oder mit Eichen. Diese Bäume geben viel Schatten, und sie brennen nicht so schnell. Aber es ist eben mühsamer, diese Bäume hochzubringen und es ist weniger profitabel.

          Warum gibt es denn so viele Pinien?

          Sie werden zu Papier und Holz verarbeitet, aber auch Pinienkerne bringen Geld. Damit ein Baum besonders viele Kerne abwirft, wird er sogar in spezieller Weise hergerichtet. Eigentlich hat die Pinie eine runde Krone, die unteren Äste werden aber abgeschlagen, weil die Zapfen oben wachsen. Die Kerne wachsen in den Pinienzapfen und die kann man besser ernten, wenn unten keine Äste sind. Die Schirm-Pinie ist schon zu einer Art Symbol des Mittelmeerraums geworden. Eine runde Krone würde aber mehr Schatten geben – dann wäre die Brandgefahr auch geringer.

          Und warum fördert die EU den Anbau von Eukalyptus und Pinien?

          Da fragen Sie den Falschen, das verstehe ich auch nicht. Bei Ökologen stößt das schon lange auf Unverständnis. Auch hierzulande wird die Aufforstung ja gefördert, wahrscheinlich weil man denkt: Mehr Bäume, das ist erst mal etwas Gutes. Aber man muss sich mehr Gedanken darüber machen, wie man es macht. Man kann nicht einfach Prämien für die Aufforstung zahlen, ohne zu schauen, was eigentlich genau angepflanzt wird. Es wird ja nicht gezielt der Eukalyptus-Anbau gefördert, aber das Auge des Gesetzes ist oft weit weg. Viele Leute wissen mittlerweile, wie gefährlich das werden kann. Aber jetzt sind diese Bäume eben da und sie breiten sich aus.

          Wichtiger Devisenbringer: Holz von Eukalyptus-Bäumen auf einem Laster in Portugal.
          Wichtiger Devisenbringer: Holz von Eukalyptus-Bäumen auf einem Laster in Portugal. : Bild: AP

          Wie ist das in Deutschland?

          Pinien und Eukalyptusbäume wachsen hier nicht, aber auch hier gibt es Probleme, zum Beispiel mit Kiefern. Die sind mit der Pinie verwandt, brennen leicht und werden hier zur Aufforstung genutzt. Da haben auch in Deutschland immer mal wieder große Flächen gebrannt. Monokulturen sind immer schlecht, man müsste darauf achten, dass zwischen den Kiefern mehr Eichen stehen. Ein Mischwald hat immer eine höhere Qualität. Feuer, Stürme, selbst Schädlinge haben es da nicht so leicht. Orkan Lothar war 1999 besonders dort so verheerend, wo es Monokulturen von Fichten gab. Und die meisten Insekten befallen nur eine bestimmte Baumart.

          Hansjörg Küster ist Professor für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Leibniz Universität Hannover.

          Quelle: FAZ.NET

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