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Wahlfrau Claudia-Kohde-Kilsch „Ja, es geht gut - wieder“

 ·  Claudia Kohde-Kilsch, einst die Nummer vier der Tennis-Welt, nimmt für die Linke an der Bundesversammlung teil. Im Interview spricht sie über Gauck, Klarsfeld und die bitteren Momente in ihrem Leben.

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Frau Kohde-Kilsch, es ist Freitagnachmittag, am Sonntag sollen Sie als Wahlfrau den neuen Bundespräsidenten mit wählen. Sind Sie schon gespannt, aufgeregt?

Sehr gespannt. Und aufgeregt in einer schönen Form - nicht nervös, wie man es früher war, wenn man auf den Centre Court ging, sondern aufgeregt, weil man das Procedere mal hautnah miterleben kann.

Nominiert wurden Sie durch die Linkspartei. Wie kam das?

Ich bin seit dreißig Jahren sehr gut mit Oskar Lafontaine befreundet. Wir haben in den letzten Monaten viele Gespräche geführt. Ich unterstütze ihn auch im Landtagswahlkampf. Er hat mich gefragt, ob ich Zeit und Lust hätte, Teil der Bundesversammlung zu sein. Da fiel mir erst mal der Hörer aus der Hand. Aber ich habe zugesagt und betrachte es als eine große Ehre.

Dass eine frühere Profitennisspielerin sich für die Linke engagiert, ist erklärungsbedürftig.

Mir war das am Anfang nicht bewusst, es ist mir aber bewusst geworden, nachdem ich sehe, dass es viele Leute überrascht. Beim Politischen Aschermittwoch sprach mich eine Dame an und sagte: Wir finden es toll, dass Sie sich hier engagieren, wo Sie doch in ganz anderen Sphären waren. Ich finde: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Anscheinend meinen alle, wenn man mal zu den Besserverdienenden gehört hat, dann schaut man nicht nach unten.

Sie haben Ende 2011 per Interview in der „SZ“ öffentlich gemacht, dass Sie trotz Ihres Erfolgs Privatinsolvenz anmelden mussten, weil Ihr verstorbener Stiefvater und Manager den Überblick über Ihre Finanzen verloren hatte; Sie haben lange gegen ihn prozessieren müssen. Hat die Erfahrung Ihren Blick aufs Soziale verändert?

Nicht wirklich. Klar habe ich jetzt auch erlebt, wie es ist, wenn man sein Geld zusammenkratzen muss, um einkaufen zu gehen. Das ist bitter. Aber ich war immer schon sozial engagiert. Und wenn man durch eigene Leistung etwas verdient, ist das ja in Ordnung.

Aber Steffi Graf als Wahlfrau der Linken, das ginge nicht, oder?

Warum nicht? So kalt und abgebrüht Steffi auf dem Tennisplatz wirkte, sie hat auch ein Herz.

Sie haben keine Sorge, zum Aushängeschild zu werden?

Nein, es ist alles meine freie Entscheidung. Ich würde mich nie für etwas benutzen lassen. So wie die Linke jetzt ist, wie die Leute sind - ich fühle mich da wohl.

Dass die Partei eine DDR-Vergangenheit hat, stört Sie nicht?

Nein, das ist eine ganz neue Partei. Oskar ist auch ein Saarländer, der hat damit nichts zu tun.

Wie finden Sie Beate Klarsfeld?

Ich treffe sie am Samstag bei der Fraktionssitzung. Was ich bisher von ihr weiß, da finde ich bewundernswert, wie sie ihren Weg gegangen ist, gegen die Nazi-Verbrechen zu kämpfen. Dass die Linke sie nominiert hat, soll ein Zeichen setzen für eine mutige Frau.

Und Gauck?

Ich habe ihn persönlich auch noch nicht kennengelernt. Ein durchaus respektabler Kandidat. Was mir bei ihm nicht so gefällt, ist, dass er den Afghanistan-Krieg befürwortet hat.

Und Sie selbst? Wie geht’s? Als Sie im Dezember dieses Interview gaben, klangen Sie mutlos.

Wenn man sich alles so von der Seele redet, das ist nicht einfach. Ich war das Verstellen leid. Inzwischen geht es mir ja besser, ich habe einen guten Job bei einer Immobilienfirma, bin privat glücklich, habe ein Kind, es läuft ja alles.

Haben Sie einen positiven Blick aufs Leben?

Ja, es geht gut. Wieder.

Spielen Sie noch Tennis?

Ich mache auf Anfrage mal ein Tennis-Event oder ein Einzeltraining.

Und zur Entspannung?

Nee. (lacht) Da bin ich faul. Ich bin nach 10 Minuten platt.

Die Fragen stellte Bertram Eisenhauer.

Quelle: F.A.S.
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