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Veröffentlicht: 15.04.2010, 16:37 Uhr

Vulkanausbruch in Island Warum Vulkanasche zu Flugzeugabstürzen führen kann

Triebwerke brauchen zur Verbrennung des Kerosins Sauerstoff. In Wolken aus Vulkanasche gibt es jedoch nur sehr wenig Sauerstoff. Deswegen werden Wolken aus Vulkanasche von Piloten immer gemieden.

von Dieter Vogt
© dpa Vulkanasche kann Flugzeuge zum Absturz bringen

Wolken aus Vulkanasche werden von Piloten immer gemieden. „Das ist sehr gefährlich“, sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, am Donnerstag. Wenn ein Pilot versehentlich in eine solche Wolke gerate, „heißt es um 180 Grad wenden und nichts wie raus“, sagte Handwerg, der selbst eine Boeing 737 steuert. Die Asche könne zu Triebwerksausfällen, Ausfällen der Messgeräte für Höhe und Geschwindigkeit und zerkratzten Fenstern führen.

Die Gefahr wurde lange Zeit unterschätzt. 1991 trafen sich Physiker, Meteorologen und Piloten zum ersten Mal zu einem „Internationalen Symposion über Vulkanasche und Flugsicherheit“ in Seattle/Washington. Der Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen hatte die Luftfahrt alarmiert. Ein Dutzend Verkehrsflugzeuge war in die Aschewolken geraten, die sich in kurzer Zeit mehr als 1000 Kilometer von ihrem Ursprungsort entfernt hatten. Die Piloten meldeten reihenweise Triebwerkausfälle; alle Zwischenfälle verliefen glimpflich.

Wie mit einem Sandstrahlgebläse behandelt

Die Asche besteht aus Partikeln unterschiedlicher Zusammensetzung und Größe: von feinem Staub bis zu harten Körnern. Nach Pilotenberichten sind die Schwaden am Tage kaum von Wolken zu unterscheiden und bei Nacht vom Wetterradar nicht erfassbar. Erhebliche Schäden kann die Asche in Triebwerken anrichten. Sie verstopft Kühlsysteme und setzt sich stellenweise als schmieriger Film ab. 1989 wurde ein Jumbo-Jet der KLM in 8500 Meter Höhe zum Gleitflugzeug, als er in die Aschewolke des Mount Redoubt in Alaska eintauchte. Die 248 Passagiere hatten Glück: die Besatzung konnte die Triebwerke wieder zum Laufen bringen. In jedem fand man später mehr als 70 Kilogramm Asche. Flügel, Rumpf und Cockpitscheiben sahen aus, als seien sie mit einem Sandstrahlgebläse behandelt worden. Der Schaden an dem neuen Flugzeug wurde mit 80 Millionen Dollar beziffert. Augenzeugen berichten, dass beim Einflug in Vulkanasche auch Elmsfeuer und gelbliche Verfärbungen des Triebwerkabgasstrahls zu beobachten sind.

Hinzu kommt: Triebwerke brauchen zur Verbrennung des Kerosins Sauerstoff. In Wolken aus Vulkanasche gibt es jedoch nur sehr wenig Sauerstoff, wie Odilo Mühling vom Münchener Triebwerkshersteller MTU Aero Engines erläutert. Fehlt dem Triebwerk der Sauerstoff, kommt es zu Verbrennungsstörungen und es geht aus. So geschehen ist das bei zwei Vorfällen vor einigen Jahren über Indonesien und Alaska in den 1980er Jahren. Die Maschinen des Typs Boeing 747 gerieten in Wolken aus Vulkanasche, alle vier Triebwerke fielen aus. Das Flugzeug ging in einen Segelflug über. Sobald der Jet aus der Wolke heraus war, konnten die Piloten in beiden Fällen die Antriebe neu starten und landeten sicher.

Keine Gefahr für Mensch und Tier am Boden

Gewarnt worden war man schon durch die Aschewolken des Mount St. Helens (1980) und des Galunggung (1982). Der indonesische Vulkan wäre zwei Verkehrsflugzeugen beinahe zum Verhängnis geworden; ihre Triebwerke sprangen erst nach langen, bangen Minuten wieder an. Der britische Flugkapitän Moody klagte, die amtlichen Nachrichten für Luftfahrer („Notice to Airmen“) hätten den schon neun Mal ausgebrochenen Vulkan nicht ein einziges Mal erwähnt. Wie lange sich Vulkanasche in der Atmosphäre hält, bevor sie zu Boden sinkt, hängt von ihren Bestandteilen und von globalen Luftströmungen ab. Nach der Explosion des Krakatau im Jahre 1883 sollen Aschewolken drei Jahre lang die Erde umkreist haben.

Die Gefahr, die für den Flugverkehr gilt, gilt nicht für Mensch und Tier am Boden. „Wir, die wir hier in Deutschland leben, können recht entspannt sein“, sagte der Vulkanologe Bernd Zimanowski vom Lehrstuhl für Physische Geographie der Universität Würzburg. „Die Asche ist nur dann für unsere Gesundheit gefährlich, wenn wir wirklich sehr hohe Konzentrationen erhalten würden. Das ist aber hier überhaupt nicht zu erwarten“, sagte der Geophysiker. „Da ist nix radioaktiv oder giftig. Das ist nicht toxisch.“ Auch für Tiere und Äcker sei die Asche unbedenklich.

Asche ist sehr fruchtbar

Zur Zusammensetzung der Asche erklärte Zimanowski: „Die isländische Vulkanasche besteht wie alle Vulkanaschen aus feinen Partikeln, zum größten Teil Glas, die durch feine Zerteilung von Magma entstehen. Basaltische Glaspartikel sind a priori harmlos, wenn man nicht große Mengen einatmet.“ Auch für Tiere, Pflanzen und Böden sei die Asche unbedenklich. „Das ist sehr fruchtbar. Das ist im Augenblick aber mengenmäßig so wenig, dass wir uns darum keine Gedanken machen müssen.“ Es sei möglich, dass in einigen Gebieten Deutschlands Asche zu Boden fällt.

„Es kann sein, dass hier und da morgen die Autos staubig sind“, sagte Zimanowski. „Das kennen wir aber auch, wenn wir Südwetterlage haben und ein Staubsturm in der Sahara stattfindet. Dann findet man morgens auch Saharastaub bei uns.“ Triebwerken von Flugzeugen bereiteten die Partikel Probleme, „weil sie in den Verbrennungskammern der Triebwerke schmelzen, sich dann als Ablagerung niederlassen und die Triebwerke fast zerstören“, erläuterte der Geophysiker. „Unseren Automotoren macht das vorläufig mal gar nichts aus.“

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