17.02.2004 · Es herrscht ein freudig gestimmter, offener und heller Ton vor, wenn es um die Namenswahl bei Neugeborenen geht. Der Wunsch nach Wohlklang setzt sich offenbar gegenüber familiären oder religiösen Pflichten durch.
Nach dem A und dem I drängt nun auch das L in die erste Reihe. Zwar bleiben auf der Liste der im Jahr 2003 am häufigsten vergebenen Vornamen bei den Mädchen Marie, Sophie, Maria und Anna(-e) auf den ersten Plätzen, wie die Gesellschaft für deutsche Sprache am Dienstag mitteilte. Aber die folgenden Ränge bekleiden die vier L-Namen Lea(h), Laura, Lena, Leonie. Abgeschlagen auf Platz 9 und 10: Julia und Sara(h). Von hinten kämpfen sich Lara (14) und Lisa (15) nach vorn.
Bei den Jungen erscheint das L in der Liste der populärsten zehn Namen sogar noch häufiger: Maximilian, Alexander (sie sind seit sieben Jahren an der Spitze und tauschten im Vergleich zum Vorjahr nur ihre Plätze), Leon, Paul, Lukas/Lucas, Felix (aufgerückt von Platz 11), Luca, David, Tim, Jonas. Die Jungen lassen das L allerdings nicht bis in den Anlaut vor, sondern nutzen es als Scharnier zwischen den Silben oder als sanften Ausklang. Die Liste, die auf einer Umfrage in 147 deutschen Standesämtern beruht, zeigt eine immer stärkere A-I-L-Fixierung. Zu den Gründen sagt Gerhard Müller von der Gesellschaft für deutsche Sprache, bestimmte Klangbilder würden vom Massengeschmack ausgewählt. Und dieser Geschmack scheint eine Vorliebe für das Weiche und Offene zu pflegen, also ein alveolar (in der Zahnmulde) gebildetes und lateral (auf beiden Seiten an der Zunge vorbei) artikuliertes L in Kombination mit den beiden nichtlabialisierten Vokalen I und A, die den Mund nach dem L bei der Aussprache entlasten.
Es herrscht also ein freudig gestimmter, offener und heller Ton, der um so mehr um sich greift, je stärker sich in der Vornamenwahl der Wunsch nach Wohlklang gegenüber familiären oder religiösen Pflichten durchsetzt. Das zeigt sich auch an Elias, Charlotte und Alina, die immer weiter vorrücken. Nimmt man noch den Hang zur Kürze, ergäben sich für die Zukunft einige weitere Möglichkeiten: Wie wär's mit Ila? Illa gibt es schon, Ali auch - das eine klingt altmodisch, das andere ethnisch. Und das wiederum könnte eher Grund als Hindernis für eine schöne Vornamenkarriere sein.