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Entflohener Drogenboss : Vor Ausbruch von „El Chapo“ war Baulärm zu hören

  • Aktualisiert am

Sieht eigentlich ganz sicher aus: das Hochsicherheitsgefängnis Altiplano Bild: AP

Der Chef des Sinaloa-Kartells war der wichtigste Gefangene Mexikos. Im Hochsicherheitsgefängnis wurde allerdings nicht besonders gut auf „El Chapo“ aufgepasst. Bislang unbekannte Tondokumente sollen das abermals belegen.

          Bei seiner spektakulären Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis ist dem mexikanischen Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán Loera die Nachlässigkeit der Justizbeamten zugutegekommen. Kurz bevor der Chef des Sinaloa-Kartells durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel türmte, waren in seiner Zelle laute Hammer- oder Bohrgeräusche zu hören. Das zeigen bisher unbekannte Aufnahmen der Überwachungskameras, die der Fernsehsender Televisa am Mittwoch ausstrahlte.

          Das Wachpersonal reagierte aber zunächst nicht. Erst 25 Minuten nach der Flucht wurden die Beamten auf die leere Zelle aufmerksam. Nach Einschätzung der Behörden brauchte „El Chapo“ etwa 15 Minuten für seine Flucht durch den Tunnel. Zwei Gefängniswärter inspizierten nun die Zelle und informierten die Zentrale per Funk über ein Loch in der Dusche. Alarm wurde erst fast drei Stunden später ausgelöst.

          Experten gehen davon aus, dass „El Chapo“ bei seiner Flucht Helfer innerhalb und außerhalb des Gefängnisses hatte. Wegen des Gefängnisausbruchs wurden bereits eine ganze Reihe von Beamten festgenommen, darunter die frühere Leiterin des nationalen Strafvollzugs und der ehemalige Direktor des Gefängnisses El Altiplano.

          Rückschlag für die Sicherheitspolitik

          Anwalt Alberto de la Cruz, der einige der verdächtigen Justizvollzugsbeamte vertritt, nahm seine Mandanten in Schutz. „Die Überwachungszentrale des Gefängnisses verfügt über keine Tonsignale aus den Zellen“, sagte er am Donnerstag im Radiosender Fórmula. „Würden dort aus der ganzen Haftanstalt Audiosignale eintreffen, wäre das ein einziger Krach.“

          Die Tonspuren aus den Zellen würden lediglich in der Gefängnisdirektion und beim Geheimdienst Cisen einlaufen, sagte de la Cruz. Die Generalstaatsanwaltschaft verurteilte am Donnerstag die Veröffentlichung des Überwachungsvideos. Bei den Aufnahmen handele es sich um Beweismittel gegen die verdächtigen Beamten.

          Die Flucht seines wichtigsten Gefangenen am 11. Juli war ein schwerer Rückschlag für die Sicherheitspolitik von Präsident Enrique Peña Nieto. Mehrere Senatoren forderten nach der Veröffentlichung des neuen Videos eine Anhörung von Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong und Generalstaatsanwältin Arely Gómez.

          Guzmán war bereits 2001 aus einem Hochsicherheitsgefängnis geflohen. Die Vereinigten Staaten und Mexiko haben zusammen ein Kopfgeld von umgerechnet acht Millionen Euro auf den Drogenboss ausgesetzt. Sollte die mexikanische Polizei „El Chapo“ abermals fassen, würde er wohl in die Vereinigten Staaten ausgeliefert werden.

          Quelle: dpa

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