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Vogelschlag Mit Lärmkanonen auf Gänse schießen

16.01.2009 ·  Ein „doppelter Vogelschlag“, bei dem wie am Donnerstag in New York gleich beide Triebwerke ausfallen, ist zwar eher selten. Aber allein seit 2000 sind in den Vereinigten Staaten 486 Maschinen ernsthaft mit Vögeln kollidiert sind. Um die Vögel von den Flughäfen zu vertreiben, werden schwere Geschütze aufgefahren.

Von Peter-Philipp Schmitt
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Der erste Vogel, der ein Flugzeug fast zum Absturz brachte, war vermutlich ein Rotflügel-Schwarzstärling (Agelaius phoeniceus). Der Singvogel flog über ein Maisfeld in Dayton (Ohio), als er den Brüdern Wright in die Quere kam. Die hatten sich im Jahr 1903 erstmals in die Lüfte begeben, zwei Jahre später, am 7.September 1905, berichtete Orville Wright in seinem Tagebuch über den ersten Vogelschlag der Luftfahrtgeschichte. Calbraith Perry Rodgers war dann nicht nur der erste Mensch, der mit einem Flugzeug einen Kontinent überquerte. Er war auch der erste, der am 3. April 1912 durch einen Vogelschlag zu Tode kam. Zugleich war er allerdings der 127. Luftfahrtpionier, der durch einen Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Dass Vögel bei Start oder Landung in die Triebwerke von Flugzeugen gezogen werden, ist ein alltägliches Problem im Luftverkehr. Ein „doppelter Vogelschlag“ aber, bei dem wie am Donnerstag in New York, als der Pilot im Hudson River notlanden musste, gleich beide Triebwerke ausfallen, ist eher selten. Nach offiziellen Angaben sind seit 1912 mehr als 120 zivil genutzte Flugzeuge aufgrund eines Vogelschlags abgestürzt, allein zwischen 1960 und 2004 sind so rund 250 Personen ums Leben gekommen. Die Zahl der Flugzeuge, die auf die eine oder andere Weise mit Vögeln kollidieren, ist indes wesentlich höher. Nach Angaben der amerikanischen Flugaufsichtsbehörde „Federal Aviation Administration“ (FAA) gab es allein seit 2000 in den Vereinigten Staaten 486 Maschinen, die ernsthaft mit Vögeln kollidiert sind. Davon waren 166 zu einer Notlandung gezwungen, 66 mussten den Start nach der Kollission abbrechen.

Immer mehr Tiere auf Flughäfen

Doch angesichts von Millionen Flügen auf der ganzen Welt in jedem Jahr, ist die Gefahr, eines Vogelschlags doch eher gering, wie die Sprecherin der FAA am Freitag sagte. Vogelschlag komme von Zeit zu Zeit vor, und es habe auch einige wenige größere Unfälle deswegen gegeben, „aber nicht wie dieser hier“. Schon einmal, im Jahr 2003, war allerdings ein Flugzeug, das am New Yorker Flughafen LaGuardia gestartet war, mit einem Schwarm Gänse zusammengestoßen. Dabei fiel aber nur ein Triebwerk aus, der Pilot der American Airlines Fokker 100 konnte auf dem New Yorker John F. Kennedy International Airport sicher landen. Nicht nur die Zahl der Flüge hat in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zugenommen, zugleich steigen die Populationen an Tieren, die sich in Städten und in der Nähe des Menschen aufhalten. Dass Hirsche und Alligatoren, aber auch viele große Vögel inzwischen auf Flughäfen heimisch sind, hat auch mit erfolgreichen Naturschutzprogrammen zu tun.

Problematisch ist nach Angaben der amerikanischen Behörden auch, dass moderne Flugzeuge inzwischen meist nur noch zwei Triebwerke haben. Ende der sechziger Jahre hatten 75 Prozent der insgesamt etwa 2100 Passagiermaschinen in den Vereinigten Staaten drei oder vier Antriebsmotoren, im Jahr 2008 hätten nur noch weniger als zehn Prozent der mehr als 7000 Flugzeuge mehr als zwei Triebwerke gehabt. Da drei Viertel der Vogelschläge in einer Höhe von unter 200 Metern über dem Boden stattfinden, haben Flughäfen allerlei Methoden entwickelt, Tiere auf und über den Start- und Landebahnen zu vertreiben.

Pyrotechnik und Propan-Kanone

Wie Axel Raab von der Deutschen Flugsicherung berichtet, sind dafür nicht nur eigene Förster im Dienst, auch Falkner werden von den Flughäfen beschäftigt. Zudem wird Pyrotechnik verwendet, und sogar Propan-Kanonen kommen zum Einsatz, um Vögel mittels Lärm zu verscheuchen. In Extremfällen kann es aber auch schon mal passieren, dass eine ganze Vogelkolonie ausgerottet wird. In Deutschland beschäftigt sich seit fast 45 Jahren der Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr (DAVVL - www.davvl.de) auf Anregung des Verkehrsministers mit dem Phänomen. Er gibt unter anderem eine Vogelzugvorhersage heraus und verbreitet Vogelzugwarnungen.

Zur Vogelzugzeiten treten Kollisionen gehäuft auf. Meist dann aber erst in einer Höhe von mehr als 1500 Metern. New York liegt auf einer der amerikanischen Haupt-Vogelflugrouten („Atlantic Flyway“), die entlang der Atlantikküste führt. In der Stadt New York ist zum Beispiel der Central Park in Manhattan, der nur wenige Kilometer von der Unglückstelle im Hudson und vom LaGuardia Airport entfernt liegt, bei Vogelliebhabern besonders beliebt. In einer Höhe von mehr als 4000 Metern - die normale Reiseflughöhe einer transkontinentalen Passagiermaschine liegt bei etwa zehn bis zwölf Kilometern - kommen Vogelschläge hingegen so gut wie nie vor.

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Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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