Rund um den von der Vogelgrippe betroffenen Gänsezuchtbetrieb in Wermsdorf bei Leipzig hat an diesem Samstag die Tötung der übrigen Geflügelbestände begonnen. Innerhalb der Drei-Kilometer-Sperrzone werden auf Anordnung des Krisenstabes sämtliche Hühner, Gänse und Puten eingefangen und in einen benachbarten Schlachthof gebracht, sagte die Sprecherin des Landratsamtes in Grimma, Margit Gey. Dazu zögen zwei Teams mit Tierärzten und Behördenvertretern von Hof zu Hof.
Nach offiziellen Angaben handelt es sich um rund 14.000 Tiere, die etwa 90 meist privaten Geflügelhaltern gehören. Es sei jedoch anzunehmen, daß nicht jeder, der ein einzelnes Huhn besitze, dies auch bei den Behörden angemeldet habe, sagte Gey. Bis spätestens Sonntag abend werde die Aktion abgeschlossen sein.
Alle Tiere der Wermsdorfer Gänsezucht getötet
Die letzten Tiere der Wermsdorfer Gänsezucht Eskildsen, in der die Vogelgrippe ausgebrochen war, wurden in der Nacht zum Samstag getötet. Die Keulung hatte sich verzögert, weil eine mobile Tötungsanlage nicht richtig funktioniert hatte. „Wir haben jetzt endlich Zeit, das alles zu verarbeiten“, sagte Geschäftsführer Lorenz Eskildsen. Am Montag werde die Geschäftsleitung dann damit beginnen, über die Zukunft des Betriebes nachzudenken. „Alle hier sind fest entschlossen weiterzumachen“, sagte Eskildsen.
Wie das Vogelgrippe-Virus in den Putenstall gelangen konnte, war auch am Samstag noch unklar. Epidemiologen halten eine Übertragung durch Wildvögel ebenso für möglich wie eine Einschleppung durch Menschen. In der Nähe gefundene tote Wildvögel waren nicht an der Vogelgrippe verendet.
Polizei verstärkt Kontrollen in der Sperrzone
Die 5000 Gänse aus dem betroffenen Zuchtbetrieb wurden im benachbarten Schlachthof Mutzschen getötet und wie zuvor schon rund 11.000 Puten und Hühner des Geflügelhofes in einer Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgt. Auch die anderen 14.000 Tiere sollen in den Schlachthof gebracht werden. Die Kontrollpunkte der Polizei in der Sperrzone wurden von elf auf zwölf erhöht, um zu verhindern, daß Geflügelhalter ihre Tiere in Sicherheit bringen. Rund 100 Polizisten sind rund um die Uhr im Einsatz. Nach Angaben des sächsischen Sozialministeriums ist die umgehende Tötung des Geflügels geboten, „um eine mögliche Weiterverschleppung des hochpathogenen H5N1-Virus zu verhindern“.
Das Vogelgrippevirus vom Typ Asia war in einem Putenstall des Geflügelhofes in Wermsdorf nachgewiesen worden. Der Ausbruch der Tierseuche ist nach ersten Erkenntnissen offenbar durch Wildvögel verursacht worden. Für zwei im Sperrgebiet gefundene Wildvögel wurde allerdings Entwarnung gegeben: Sie verendeten nicht an der nun in weiten Teilen der verbreiteten Krankheit.
Angeblich keine Gefahr durch Fleischverzehr
Die Behörden haben inzwischen Angaben zum Verbleib von Putenfleisch aus dem Wermsdorfer Betrieb präzisiert. Laut Sozialministerium wurden in den vergangenen Wochen rund 3000 Kilogramm Fleisch an den Schlachthof in Mutzschen geliefert. Von der letzten Schlachtung am Dienstag sei nichts in den Handel gelangt, sagte Ministeriumssprecher Ralph Schreiber in Dresden. Es sei nicht auszuschließen, daß Ende März geschlachtete Tiere von Verbrauchern konsumiert wurden. Allerdings bestehe „keine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung“, da das Fleisch vor der Schlachtung nach hygienerechtlichen Bestimmungen auch auf Viren hin untersucht worden sei, sagte Schreiber.
Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, kritisierte, daß Großbetriebe wie jener in Sachsen von den Behörden oftmals Ausnahmen von der Stallpflicht erhielten. Kleinen Ökobauern würden hingegen Bußgelder angedroht. Statt die Tiere weiter in den Stall zu sperren, müsse über alternative Haltungsformen etwa in Winterställen oder auf überdachten Wiesen nachgedacht werden, sagte Apel der „Berliner Zeitung“. Auch der Staatssekretär im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, Friedrich-Otto Ripke (CDU), forderte in einem Zeitungsinterview, vorerst keine Ausnahmen von der Stallpflicht mehr zuzulassen.
Grund der Forderungen: Der Wermsdorfer Geflügelhof hatte für seine Gänse eine Ausnahmegenehmigung; sie durften stundenweise ins Freie. Das Vogelgrippevirus hatte allerdings einen Stall mit Puten befallen, die keinerlei Auslauf im Freien hatten. Der sächsische Krisenstab hob die landesweit 60 Ausnahmegenehmigungen inzwischen weitgehend auf.
Stark erhitzen
(Jeanlouis)
- 07.04.2006, 19:01 Uhr