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Völkerverständigung : Da steppt der ausgewählte Bär

Klaus Herlitz und seine Frau Eva stellen ihre Bärenfamilie vor Bild: Martin Tutsch

Die Berliner Buddys machen auch vor Nordkorea nicht halt. Klaus Herlitz bereist mit seiner Ausstellung die Welt und hat es nun nach Pjöngjang geschafft. Allerdings mit leichterem Gepäck als sonst: Amerikanische Bären waren nicht erwünscht.

          Ein Bär ist nicht nur ein Bär: Das Wappentier von Berlin steht inzwischen für Völkerverständigung und Frieden. Den Bären könne jedes Land als Repräsentant akzeptieren, sagt Klaus Herlitz. Gemeinsam mit seiner Frau Eva organisiert er eine weltweite Kunstausstellung, die zwar nicht die Welt verändern wird, aber „ein bisschen Freude“ in die Herzen der Besucher bringen soll.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Herr Herlitz, in Pjöngjang haben Sie die erste öffentliche Kunstausstellung aus dem Ausland, die für jedermann zugänglich ist, auf die Beine gestellt. Wie kommt so etwas zustande?

          Der größte Dank gebührt dem deutschen Botschafter in Nordkorea, Thomas Schäfer. Er hat die Buddy-Bären in Berlin gesehen und war so begeistert, dass er die Ausstellung nach Nordkorea holen ließ. Es war ein ewiges Hin und Her, bis die Ministerien in Nordkorea schließlich zusagten. Die Schautafel am Ausstellungsort beim Moran-Hügel gegenüber der Kim-Il-sung-Statue ist ebenso in enger Zusammenarbeit mit dem nordkoreanischen Kulturministerium zustande gekommen.

          Die Besucher der Ausstellung benahmen sich „sehr diszipliniert”

          Was ist der Gedanke Ihrer Wanderausstellung?

          Völkerverständigung. Das Ziel ist es, möglichst viele Staaten der UN mit den Bären, friedlich Hand in Hand stehend, vertreten zu haben. Bislang sind es 142 Staaten. Ein Künstler aus jedem dieser Länder gestaltet seinen Bären ganz individuell.

          Ihre Bärenfamilie besteht aus 142 Bären - warum haben Sie in Pjöngjang bloß 18 ausgestellt?

          Ganz einfach: In einen Container passen 18 Bären. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass wir nur Bären ausstellen durften, die Länder mit einer Vertretung in Nordkorea repräsentieren. Das sind 20, darunter Polen, die Tschechische Republik, Schweden, Großbritannien und Deutschland. So mussten wir containerbedingt zwei zurücklassen: die Bären für Laos und für die Tschechen.

          Glauben Sie, dass so trotzdem für Völkerverständigung geworben werden kann, da doch die meisten Länder gar nicht erst erscheinen?

          Ja, natürlich. Der Gedanke der Völkerverständigung kam trotzdem rüber: Jeden Tag kamen Zehntausende Nordkoreaner zu den Bären - sehr diszipliniert übrigens. Museen stehen nur wenigen Menschen offen, und wenn, dann sind das meist Propagandaausstellungen.

          Was die Politik nicht schafft, kann die Kultur schaffen.

          Wir werden die Welt nicht verändern, aber wir hoffen, Freude in die Herzen der Besucher in Pjöngjang bringen zu können. Wir haben dort Bären aus Europa, Asien, Afrika und Amerika.

          Amerika?

          Na, ja, die Vereinigten Staaten von Amerika natürlich nicht. So weit konnte Pjöngjang nicht über seinen Schatten springen. Ich meinte Kuba.

          Warum eigentlich Bären?

          Meine Frau und ich kommen aus Berlin. Und der Bär ist das Wappentier Berlins. Aber was viel wichtiger ist: Der Bär ist das einzige Tier, das von allen Staaten akzeptiert wird, um ein Land zu repräsentieren. Das wurde uns mehrfach bestätigt. Mit einem anderen Tier wäre es nicht denkbar.

          Gibt es auch einen Bären eines nordkoreanischen Künstlers?

          Ja, im Jahr 2005 haben wir zwei nordkoreanische Künstler nach Berlin eingeflogen. Seitdem reist dieser Bär mit. In Pjöngjang steht er neben dem deutschen Bären und weiteren aus 16 Ländern.

          Hat Nordkorea Devisen für die Ausstellung verlangt?

          Nein, wir mussten lediglich die Transportkosten übernehmen. Pjöngjang sorgt sich um die Sicherheit vor Ort. Darum muss man sich aber wirklich keine Sorgen machen.

          Wie haben Sie die Bären nach Nordkorea geschafft?

          Von Stuttgart mit dem Lastwagen nach Le Havre, dann mit dem Frachter nach Dalian in Nordchina, weiter ging es schließlich zum Hafen Nampo in Nordkorea. Dort wurden die Bären mit dem Lastwagen nach Pjöngjang zur deutschen Botschaft gefahren.

          Wie ist die Eröffnung verlaufen?

          Wie es hier so üblich ist, gab es ein Spalier von 400 Leuten, die brav geklatscht haben. Die ausgewählten Claqueure waren bunt in traditioneller Tracht angezogen - das ist ein Kontrast zu diesem Land. Sämtliche in Nordkorea akkreditierten Botschafter waren anwesend. Gerade der Botschafter Irans übrigens zeigte sich richtiggehend begeistert. Im Gespräch hat er vehement für die Völkerverständigung plädiert.

          Wie haben Sie Pjöngjang erlebt?

          Viel grüner als gedacht. Die Berge im Hintergrund sind sehr schön. Aber die Stadt ist so unglaublich trist. Die Menschen haben wenig Leben in den Gesichtern, ganz anders als in Bhutan, wo Sie mich gerade anrufen.

          Gab es denn viele Sicherheitskräfte an Ort und Stelle?

          Das ist schwer zu sagen. Es gab viele Menschen in Zivil, die sich aufmerksam umgesehen haben. Ich selbst durfte mich ohne offizielle Sicherheitsbegleitung bewegen und auch U-Bahn fahren - was Ausländern eigentlich verboten ist. Offiziell, weil man nicht möchte, dass ausländische Besucher wegen Stromausfällen im Zug steckenbleiben.

          Glauben Sie eigentlich, dass Kim Jong-il noch lebt?

          Bei der Eröffnung der Bärenausstellung habe ich ihn jedenfalls nicht gesehen. Dafür war der stellvertretende Außenminister da. Und der nordkoreanische Außenminister selbst wollte am vergangenen Wochenende mit seiner Familie kommen. Ich weiß nicht, ob etwas daraus geworden ist.

          Wie lange bleiben die Bären in Pjöngjang?

          Bis Anfang November ist die Ausstellung dort noch zu sehen. Im Frühjahr des kommenden Jahres geht es nach Buenos Aires. Dann mit 142 Bären.

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