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Sexuelle Belästigung : Dokument des täglichen Spießrutenlaufs

  • Aktualisiert am

In zehn Stunden 100 Mal angemacht: Im Internet kursiert ein Video, das zeigt, wie alltäglich die Belästigung von Frauen bisweilen ist. Der Gang der Protagonistin durch New York gleicht einem Spießrutenlauf.

          Mehr als 100 schlechte Sprüche in zehn Stunden: Im Internet macht ein Video die Runde, das die alltäglichen Belästigungen einer Frau in New York mit versteckter Kamera festgehalten hat. In dem zweiminütigen Zusammenschnitt ist zu sehen, wie Dutzende Männer der in neutralem schwarzen T-Shirt und Jeans gekleideten Shoshana Roberts hinterherrufen. „Hey Hübsche, jemand findet Dich schön. Du solltest dankbarer sein!“ oder „Willst Du nicht reden? Bin ich zu hässlich für Dich?“ riefen die Männer.

          „Die unzähligen Pfiffe haben wir noch nicht einmal mitgezählt“, heißt es am Ende des Videos, das bis Mittwochmittag bereits rund 1,2 Millionen Mal geklickt wurde. Auch auf Twitter wird das Video vielfach verbreitet und diskutiert. Häufig melden sich Frauen zu Wort, die von ähnlichen Erfahrungen berichten, vereinzelt auch Männer, die Shoshana Roberts angreifen.

          Initiiert wurde die Aktion von der Organisation  „Hollaback!“ („Schrei zurück!“), die auf Belästigungen von Frauen im Alltag hinweisen will. „Hollaback!“ ist umstritten. Auf der Webseite der laut eigenen Angaben in 26 Ländern aktiven Organisation können Frauen auch Fotos von Männern hochladen, die sie belästigt haben. Kritiker bemängeln, dass „Hollaback!“ lediglich bloßstelle, ohne Belästigungsopfern konkrete Hilfestellung zu geben.

          Doch „Hollaback“ fühlt sich durch die Reaktionen, die das Video hervorgerufen hat, bestätigt. Mittlerweile sollen erboste Männer der Protagonisten gar mit Vergewaltigung gedroht haben. „Die Drohungen zeigen, dass wir einen Nerv getroffen haben“, sagte „Hollaback“-Vorsitzende Emily May gegenüber der Zeitung „Newsday“. „Wir wollen, dass New York endgültig begreift, dass Belästigung auf der Straße nicht okay ist und dass wir das als Stadt aufhören müssen, das zu tolerieren.“

          Shoshana Roberts hat noch kein Rezept gefunden, wie sie der permanenten Anmache entgehen kann. Gegenüber „Time“ sagte sie: „Ich werde belästigt, wenn ich lächle, ich werde belästigt, wenn ich nicht lächle. Ich werde von weißen Männern, schwarzen Männer und Latino-Männern belästigt. Es vergeht kein Tag, an dem ich das nicht erlebe.“

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