24.08.2010 · An der Mainzer Uniklinik ist ein drittes Baby nach verschmutzten Infusionen gestorben. Am Wochenende waren bereits zwei andere Säuglinge auf der Intensivstation gestorben. Die FDP will nun schärfere Hygiene-Regeln für Krankenhäuser durchsetzen.
Von Oliver Koch und Peter-Philipp SchmittNach dem Tod eines dritten Säuglings auf der Frühchen-Intensivstation der Mainzer Universitätsklinik hat sich Bundesgesundheitsminister Rösler (FDP) für strengere Hygiene-Kontrollen in Krankenhäusern ausgesprochen. Eine Lösung müsse gemeinsam mit den Ländern gefunden werden, sagte Rösler. Das Thema wolle er darum auf die Tagesordnung der nächsten Gesundheitsministerkonferenz setzen. Unterstützung bekam Rösler von der CSU. Angesichts von jährlich 800.000 Krankenhausinfektionen in Deutschland mit bis zu 40.000 Toten durch multiresistente Keime forderten FDP- und CDU-Gesundheitsexperten allerdings eine rasche Regelung für das gesamte Bundesgebiet. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Spahn, sagte am Dienstag: „Immer wieder haben wir uns auf Zuständigkeiten der Länder und der Krankenhäuser verlassen. Das scheint aber nicht zu reichen.“ Die Menschen dürften nicht kränker aus dem Krankenhaus kommen als sie rein gingen. Bislang gibt es in Deutschland kein einheitliches Krankenhaushygiene-Gesetz.
Am Montagabend war im Mainzer Universitätsklinikum ein dritter Säugling gestorben. Auch er hatte wie schon die beiden zuvor verstorbenen Kinder eine mit Darmbakterien verseuchte Infusionslösung bekommen. Der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin, Norbert Pfeiffer, sagte, der Tod sei nicht unerwartet eingetreten - aufgrund der „extremen Frühgeburtlichkeit“ habe man mit dem schlimmsten rechnen müssen. Der Leichnam wurde in die Gerichtsmedizin nach Frankfurt gebracht. Pfeiffer sagte, die Obduktion solle klären, ob das Kind aufgrund seiner körperlichen Unreife starb oder ob die Infusion zum Tode oder zumindest zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands führte. Den vier anderen betroffenen Säuglingen gehe es inzwischen besser.
Die Schläuche gelten als Schwachstelle
Polizei und Staatsanwaltschaft teilten mit, dass nicht vor Donnerstag mit einem Ergebnis der mikrobiologischen Untersuchungen des Schlauchsystems zu rechnen sei. Die Schläuche des automatischen Mischapparats, mit dem die Nährlösungen für die Säuglinge hergestellt wurden, gelten als mögliche Schwachstelle, da sie von Hand von den Mitarbeitern des Labors angebracht werden (siehe auch: Schläuche in Klinik könnten Ort der Kontamination sein). Die Klinik habe den speziellen Reinraum geschlossen, in dem die verschmutzten Lösungen hergestellt wurden, hatte der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus-Peter Mieth am Montag gesagt. „Die Schläuche sind die einzige Stelle an den Geräten, an der Mitarbeiter direkt eingreifen und so Bakterien eintragen könnten.“
Die Klinik selbst hält es für möglich, dass es in der hauseigenen Apotheke zur Verschmutzung gekommen ist. Die Ermittler stellten in der Apotheke die von externen Herstellern gelieferten Grundstoffe für die Nährlösung in Originalverpackungen sicher, sagte Mieth. Daneben werden auch die Lösung selbst sowie das Schlauchsystem an der Mischautomatik genau untersucht. Möglicherweise gerieten die Bakterien an die Schläuche, als diese per Hand an die Maschine angeschlossen wurden. Die beiden Mitarbeiter, die am Freitag die Flüssignahrung hergestellt hatten, werden psychologisch betreut. Dieses Angebot gibt es auch für die Eltern der betroffenen Kinder.
Herzliches Beileid...
A.K. Werner (Anuschka1978)
- 24.08.2010, 11:14 Uhr
Jede Dönnerbude ...
Reinhard Liesaus (R.Liesaus)
- 24.08.2010, 11:31 Uhr
Krankenhäuser genießen Bestandsschutz
Jonas Müller-Hübenthal (Dr_Dolittle)
- 24.08.2010, 12:10 Uhr
Ja ja, die FDP
Peter Wassmer (piwwt)
- 24.08.2010, 12:38 Uhr
Wenn Sie wirklich Ahnung hätten, Herr L., und nicht nur pöpeln wollten,
Hans W. Bender (redneb)
- 24.08.2010, 12:54 Uhr
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
Jüngste Beiträge