13.08.2004 · Ein etwa 15 Meter langer Pottwal treibt sich derzeit in der südlichen Ostsee herum. Statt in subtropischen Gefilden zu schwimmen, hat sich das männliche Exemplar offenbar gründlich verirrt.
Seit einigen Wochen irrt ein Pottwal vor der deutschen Küste in der Ostsee herum. Angler hätten das etwa 15 Meter lange Tier vor einer Woche in der Mecklenburger Bucht entdeckt, teilte das Deutsche Meeresmuseum am Freitag in Stralsund mit. Der männliche Pottwal habe sich wahrscheinlich auf seiner Wanderung aus dem Nordpolarmeer nach Süden verschwommen, sagte der Direktor des Meeresmuseums, Harald Benke.
Der Walexperte bezeichnete das Auftreten eines Pottwals in der Ostsee als Jahrtausendereignis. Es sei der erste sichere Nachweis dieses größten aller Zahnwale in der Ostsee seit Beginn der wissenschaftlichen Untersuchungen im 15. Jahrhundert, sagte Benke. Die Meeressäuger halten sich eigentlich um diese Zeit in subtropischen Gewässern auf.
Muß alleine den richtigen Weg finden
Vor einer Woche erspähten dann Dorschangler in der Mecklenburger Bucht rund um ihr Boot eine Unmenge von Heringen bemerkt, wie ein Museumssprecher sagte. Wenig später hörten sie bei völlig ruhiger See ein kräftiges Schnauben, das von der komprimierten Atemluft des Meeresriesen stammte. Für kurze Zeit tauchte dann die riesige Rückenfinne des Wals auf, der offenbar den Heringsschwarm jagte. Vermutlich dasselbe Tier war bereits Mitte Juli vor Darß und Ende Juli vor der dänischen Insel Bornholm gesichtet worden.
Die Chance, daß der Pottwal über das Kattegat hinaus wieder seinen Weg in den Atlantik findet, liegt nach Schätzungen Benkes bei 50 Prozent. Ein Problem für den Meeressäuger dürfte die Nahrungssuche sein: Pottwale ernähren sich zu rund 80 Prozent von Tintenfischen, die sie in Tiefen von bis zu 1.200 Metern jagen. „Der Wal hat aber große Fettreserven, sodaß er es längere Zeit in der Ostsee aushalten kann“, sagte Benke.
Kann nicht gerettet werden
Laut Benke wurden in der Nordsee seit 1969 regelmäßig Pottwale gesichtet. Zudem häufe sich die Zahl von Strandungen, die von Experten auf die Zunahme von Geräuschen durch Schiffverkehr und Arbeitslärm auf Öl- und Gasplattformen zurückgeführt werden. Pottwale kommen in nahezu allen Weltmeeren vor. Sie ernähren sich vor allem von kleinen Tintenfischen, aber auch von Riesenkraken und Fischen. Sie können eine Länge von bis zu 20 Metern und ein Gewicht von etwa 40 Tonnen erreichen. Bei ihren bis zu 80 Minuten langen Tauchgängen erreichen sie Tiefen von weit mehr als 2000 Metern. Ihr überdimensionierter Kopf macht fast ein Drittel des Körpergewichts aus. Pottwale leben gesellig und verständigen sich durch knarrende Laute. Wegen starker Bejagung sind die Pottwale in ihrem Bestand gefährdet. Experten schätzen den weltweiten Bestand auf etwas mehr als eine halbe Million Tiere.
Unterdessen bestätigte die schwedische Küstenwache am Freitag die Entdeckung eines 15 Meter langen Walkadavers vor der schwedischen Küste. Dabei handele es sich jedoch zweifelsfrei nicht um den Pottwal, sagte der dänische Walforscher Carl-Christian Kinze. Der Wissenschaftler aus Odense hatte den schon mindestens eine Woche lang im Wasser treibenden Kadaver untersucht und als Vertreter der Bartenwale identifiziert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei dieses Tier ein Finnwal, sagte er.